Litauen
Über Geschichte reden - gemeinsam die Zukunft gestalten
vrnl: Alt-Bundespräsident v. Weizsäcker, der frühere polnische Außenminister Rotfeld, der Vizepräsident der Polnischen Akademie der Wissenschaften Modzelewski
(AA)
Die unterschiedlichen nationalen Sichtweisen auf die Geschichte, etwa den 2. Weltkrieg, haben nach wie vor Auswirkungen auf die heutige Politik in Europa. Auf Initiative von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier diskutieren daher in Warschau auf einer Fachtagung insbesondere Wissenschaftler aus Polen, Russland, Deutschland und den baltischen Staaten, wie es 1939 zum Kriegsausbruch kam.
Steinmeier begrüßte, dass diese Konferenz zu Stande kommen konnte, denn: "Über Geschichte müssen wir gerade dann reden, wenn ihre langen Schatten immer wieder Quelle von Misstrauen sind und uns behindern, gemeinsam Zukunft zu gestalten."
Zwar werde vieles im Verhältnis der Staaten untereinander schwer bleiben. Er wünsche sich jedoch, dass dieses Projekt ein Anfang sei und es auch bei anderen schwierigen Themen zu einer gemeinsamen Aufarbeitung komme.
Wie kann eine europäische Ostpolitik gelingen?
Schon 2008 hatte Steinmeier die Idee aufgebracht, dass zum 70. Jahrestag des so genannten Hitler-Stalin-Pakts Historiker aus Russland, Polen, Deutschland und dem Baltikum zu einer gemeinsamen wissenschaftlichen Konferenz über die Kriegsgenese diskutieren sollten.
So sollten "fortbestehende Vorbehalte und neue Spannungen", die die Zusammenarbeit Russlands mit Polen und den baltischen Staaten belasten, im kritischen Dialog abgebaut werden.
"Nur wenn es gelingt, ein offenes und ehrliches Gespräch über die Vorbehalte zu führen, dann werden wir ihnen Schritt für Schritt auch die verletzliche Schärfe nehmen können", unterstrich Steinmeier damals.
Rede BM Steinmeier "Auf dem Weg zu einer europäischen Ostpolitik", 4. März 2008
Am 23.8.1939 hatten der deutsche Außenminister von Ribbentrop und der sowjetische Vorsitzende des Rates der Volkskommissare, Molotow, in Moskau den als "Hitler-Stalin-Pakt" bekannten deutsch-sowjetischen Nichtangriffs-Vertrag unterschrieben. Der auf 10 Jahre abgeschlossene Vertrag wurde am 28.9.1939 durch den deutsch-sowjetischen "Grenz- und Freundschaftsvertrag" ergänzt: Beide Vereinbarungen enthielen geheime Zusatzprotokolle, die die Aufteilung Polens besiegelten; die baltischen Staaten, Bessarabien und Finnland wurden den jeweiligen Interessensphären zugeschlagen.
Dokumente des Deutschen Historischen Museums zum Hitler-Stalin-Pakt
Breite Zustimmung
Nach Gesprächen Steinmeiers mit seinem polnischen Amtskollegen Radoslaw Sikorski und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow griffen beide Staaten den Vorschlag positiv auf. Auch die baltischen Außenminister wurden in die Planungen einbezogen.
Übereinstimmung zwischen den Ländern bestand darüber, dass es sich um eine nichtstaatliche Tagung von Historikern handeln soll, die von den Außenministerien lediglich unterstützt wird.
Die Polnische Akademie der Wissenschaften bereitete die Konferenz organisatorisch und inhaltlich vor; dabei stimmte sie sich eng mit den deutschen und russischen Ko-Organisatoren ab.
Eröffent wurde die Konferenz von Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker zusammen mit dem Vizepräsidenten der Akademie der Wissenschaften, Karol Modzelewski.
Stand 26.05.2009