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Karsten D. Voigt, Koordinator für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit

Die transatlantischen Beziehungen sind vielfältig und tiefschichtig. Aufgrund ihrer Bedeutung für die deutsche Außenpolitik richtete die Bundesregierung 1981 das Amt des Koordinators für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit ein. Die Aufgabe des Koordinators ist es, die Beziehungen zwischen den transatlantischen Partnern zu stärken und für konkrete Projekte nutzbar zu machen. Karsten D. Voigt hat dieses Amt seit 1999 inne. Er reist häufig in die USA und nach Kanada, unterstützt mit seiner Arbeit die Netzwerkbildung in Politik, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft und intensiviert die persönlichen Kontakte zu Entscheidungsträgern in den beiden Ländern.

Was sehen Sie als die wichtigste Aufgabe des deutsch-amerikanischen Koordinators?

Eine, die eigentlich gar nicht vorgesehen ist: Nämlich die des Übersetzers zwischen zwei Gesellschaften, die zwar eng miteinander verbunden, die aber auch sehr unterschiedlich sind. Ich bin zwar aufgewachsen in Deutschland, lebe aber heute praktisch in zwei politischen Kulturen - und versuche sensibel zu bleiben für Gemeinsamkeiten und Unterschiede, zum Beispiel in der Herangehensweise an internationale Konflikte und auch in der politischen Rhetorik. Sich die jeweiligen Unterschiede bewusst zu machen und zu verstehen ist wichtig, damit wir miteinander kooperieren können.

Das Reizvollste an Ihrer Aufgabe?

Nicht die Suche nach Harmonie ist das Interessanteste in meiner Arbeit. Differenzen sollte man als Anstoß für beiderseitige Lernprozesse nutzen, mit dem Ziel, die Gemeinsamkeiten mit Blick auf die praktische Politik zu stärken. Ein wichtiges Beispiel ist dafür gegenwärtig die internationale Klimapolitik, in der sich trotz mancher Gegensätze immer mehr Ausgangspunkte für eine kreative Zusammenarbeit abzeichnen. Die USA sind für uns weiterhin der wichtigste Partner außerhalb der Europäischen Union, politisch, wirtschaftlich und kulturell. Die transatlantische Partnerschaft allein ist zwar aus meiner Sicht nicht ausreichend, um globale Stabilität zu gewährleisten. Aber sie ist die notwendige Vorbedingung zur Lösung globaler Probleme und zahlreicher regionaler Konflikte.

Welche Rolle spielt Deutschland überhaupt noch in der politischen und gesellschaftlichen Debatte der USA und Kanadas?

Die Rolle Deutschlands verändert sich. Das zeigt sich auch in den Erwartungen der transatlantischen Partner an uns: In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts waren wir die Ursache von globalen Kriegen, in der zweiten Hälfte waren wir im Zentrum eines globalen Konflikts, nämlich des Kalten Krieges. Jetzt werden wir zum ersten Mal seit über 100 Jahren als Deutsche gebeten, außerhalb von Europa zu demokratischer Stabilität und zu nachhaltiger Entwicklung beizutragen. Das heißt, wir sind nicht mehr primär Importeur von Sicherheit, sondern sind zunehmend als Exporteur von Stabilität und Demokratie gefordert.

Die Erwartungen die sich hieraus an uns richten, sind viel größer, als es wir Deutsche es bisher wahrnehmen und bereit sind zu akzeptieren. Dies betrifft ein breites Spektrum: das transatlantische Verhältnis, Deutschlands Rolle in der EU, im Verhandlungsprozess mit Iran, im Friedensprozess im Nahen Osten, das Verhältnis zu Russland, sowie globale Fragen wie internationaler Umweltschutz, oder die WTO-Verhandlungen.

Was sehen Sie als die größte Herausforderung im transatlantischen Verhältnis der nächsten Jahre?

Die öffentliche Aufmerksamkeit konzentriert sich oft auf das persönliche Verhältnis der führenden Persönlichkeiten. Das ist zwar wichtig, aber nicht alles.

Angesichts der neuen globalen Herausforderungen müssen wir die Interessen beider Seiten, auch mit Hinweis auf unsere gemeinsamen Werte, neu definieren. Das heißt, wir brauchen eine Partnerschaft in einem veränderten geostrategischen Umfeld. Unsere heutige Welt ist geprägt von Problemen wie zerfallenden Staaten, dem zerstörerischen Werk terroristischer Gruppen, fundamentalistischen Ideologien, Klimaveränderungen. Auf all dies müssen wir Antworten finden. Und die größten Gemeinsamkeiten findet man dabei immer noch bei den transatlantischen Partnern.

Für uns wird sich immer die Frage stellen, wie man die USA beeinflusst, während man sich in den USA immer die Frage stellt, wie relevant wir als Deutsche sind. Unsere Relevanz hängt vor allem davon ab, wie sehr wir uns in Europa zu einem gemeinsamen außenpolitischen Handeln zusammenfinden. Die Antwort ist also: Wir brauchen ein starkes Europa, um in Washington gehört zu werden und um ein interessanter Partner zu bleiben. Ein starkes Europa sollte auch im Interesse der USA und Kanadas liegen.

Was schätzen Sie am meisten in den USA?

Mein erster Kontakt mit den USA war meine Teilnahme an Anti-Vietnamkriegs-Demonstrationen. Dabei betrat ich sogar einmal ungebeten das amerikanische Generalkonsulat in Frankfurt. Die transatlantische Orientierung war bei mir also nicht zwangsläufig vorherbestimmt.

Aber ich habe im Laufe der Zeit nicht nur viele Freundschaften in den USA geschlossen, sondern das Land auch in seiner Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit schätzen gelernt. Darüber hinaus liebe ich es, intellektuell und politisch mit Herausforderungen zu leben – und die USA sind immer eine politische und intellektuelle Herausforderung!

Der Koordinator ist im Auswärtigen Amt wie folgt erreichbar:

Tel.: 030-5000-2870,
Fax: 030-5000-1197,
E-Mail: ko-usa-vz@auswaertiges-amt.de

Postadresse: Deutsch-amerikanischer Koordinator, Auswärtiges Amt, 11013 Berlin

Stand 30.10.2007

Zusatzinformationen:

Karsten D. Voigt

Ausgewählte Reden, Artikel und Interviews

Ausgewählte Termine

02.09.2008 - Podiumsteilnahme am "Berliner Wirtschaftsgespräch" zum Wahlkampf in den USA

16.09.2008  - Vortrag zu US-Präsidentschaftswahlen bei Amerika-Gesellschaft, Hamburg

18.-21.09.2008 - Teilnahme an 1. Aspen Strategy Forum zu "International State Building", Bonn

30.09.2008 - Vortrag zu "USA vor den Wahlen" beim Übersee-Club, Hamburg

05.10.2008 - Verleihung der L.D.Clay-Medaille, Deutsch Amerikanischer Club, Erfurt

06.-11.10.2008 - Dienstreise nach Minneapolis: Teilnahme an Veranstaltungen u.a. bei University of Minnesota, Min. International Center, ACG, AmCham Transatlantic Partnership Award, Besuch des deutschen Sprachzentrums in Waldsee

Die transatlantischen Beziehungen

Die transatlantischen Beziehungen

Die transatlantische Partnerschaft ist neben der europäischen Integration der wichtigste Pfeiler der deutschen Außenpolitik. Die USA sind Deutschlands engste Verbündete außerhalb Europas.

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Die Vereinigten Staaten - Beziehungen zu Deutschland und Europa

Kanada - Länderinformationen

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