Türkei
Enge Beziehungen zur Türkei im deutschen Interesse
Westerwelle und Patriarch Bartholomäus I.
(photothek/Thomas Trutschel)
Bundesaußenminister Westerwelle hat die Bedeutung guter Beziehungen zur Türkei betont. In Istanbul unterstrich Westerwelle, Deutschland habe ein Eigeninteresse daran, ein aufstrebendes Land wie die Türkei nicht aus den Augen zu verĺieren. Beim Annäherungsprozess Ankaras an die EU sei auf beiden Seiten noch "eine Menge Arbeit zu leisten". Westerwelle zeigte sich aber optimistisch, "dass immer mehr Menschen erkennen, wie wichtig die Türkei für die europäischen Interessen ist".
"Wir arbeiten an guten deutsch-türkischen Beziehungen, weil diese im nationalen wohlverstandenen deutschen Interesse sind". Dies betonte Westerwelle nach einem Gespräch mit dem türkischen Europaminister, Egemen Bağis in Istanbul. Beiden Seiten profitierten "wirtschaftlich, kulturell, wissenschaftlich und politisch" von einem engen Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei. Deutschland sei ein Exportland. Wer Arbeits- und Ausbildungsplätze sichern wolle, dürfe ein aufstrebendes Land wie die Türkei nicht ignorieren.
Die deutschen Ausfuhren in die Türkei belaufen sich auf 15 Milliarden Euro im Jahr. Damit ist die Türkei ein größerer Zielmarkt für die deutsche Wirtschaft als Japan.
Der Bundesaußenminister verwies darauf, dass der Türkei in "großen Teilen der Welt" eine "Brückenfunktion" zukomme. Es gebe kaum einen internationalen Konflikt, der nicht auch türkischer Unterstützung bedürfe. Westerwelle nannte Afghanistan, Iran, Irak und den Nahostkonflikt. "Wir brauchen die Türkei und ihren wichtigen Einfluss". Beim Annäherungsprozess der Türkei müssten beide Seiten ihre "Hausaufgaben machen". Die Bundesregierung habe aber klar gemacht, dass es bei dem bleibe, was zwischen Europa und der Türkei vereinbart worden sei.
Beim Ökumenischen Patriarchat
(photothek/Thomas Trutschel)
Schutz der religiösen Minderheiten
In Istanbul kam der Bundesaußenminister darüber hinaus mit dem Ökumenischen Patriarchen, Bartholomäus I. zusammen, um die Lage der christlichen Minderheit in der Türkei zu erörtern. Westerwelle unterstrich die Bedeutung, die dem Schutz von Minderheiten und der religiösen Vielfalt zukomme.
Die Europäische Union hat der Türkei in ihrem letzten Bericht Fortschritte in der Minderheitenfrage bescheinigt. Das Land müsse aber noch weitere Anstrengungen unternehmen, um die Rahmenbedingungen für eine uneingeschränkte Achtung der Religionsfreiheit zu schaffen.
Deutsch-türkische Begegnungsstätte Tarabya
Zum Abschluss besuchte Westerwelle die historische Sommerresidenz des Deutschen Botschafters in Tarabya. Dort kam er mit zahlreichen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen und besuchte die Deutsch-Türkische Industrie- und Handelskammer.
Die historische Sommerresidenz des Deutschen Botschafters in Tarabya ist ein Stück Geschichte des Kaiserreichs. 1880 schenkte Sultan Abduühamid II. dem Deutschen Reich das 18 Hektar große, parkartige Gelände, um dort eine Sommerresidenz zu errichten. Fünf Jahre später begannen die Bauarbeiten, die 1887 beendet wurden. Heute wird die Residenz als Ort des deutsch-türkischen Dialogs genutzt. In einem der historischen Gebäude hat seit 2008 die Deutsch-Türkische Industrie- und Handelskammer ihren Sitz. Das Auswärtige Amt plant, auf dem Gelände in Tarabya eine Künstlerakademie einzurichten.
Istanbul - Kulturhauptstadt Europas 2010
Istanbul ist Kulturhauptstadt Europas des Jahres 2010. Die Stadt trägt den Titel gemeinsam mit Essen und dem Ruhrgebiet und der ungarischen Stadt Pécs.
Istanbul ist die einzige Stadt der Welt, die auf zwei Kontinenten gelegen ist. Sie erhebt sich an den Ufern des Goldenen Horns und zu beiden Seiten des Bosporus, einer Wasserstraße, die Europa und Asien trennt und das Schwarze mit dem Marmara-Meer verbindet. Die Metropole hat rund 15 Millionen Einwohner und erstreckt sich von Osten nach Westen über rund 100 Kilometer.
Von Istanbul aus fliegt der Bundesaußenminister nach Saudi-Arabien. Weitere Stationen der sechstägigen Reise sind Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Westerwelle wird von einer Wirtschaftsdelegation begleitet.
Stand 08.01.2010