Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Außenminister Wadephul vor seiner Abreise nach New York zur Teilnahme an der Generaldebatte der 81. UN-Generalversammlung

21.09.2026 - Pressemitteilung

Vor seiner Abreise nach New York zur Teilnahme an der Generaldebatte der 81. UN-Generalversammlung erklärte Außenminister Wadephul heute (21.09.2026):

Die Blicke der Welt richten sich in den kommenden Tagen auf New York: ein Ort, der wie kein anderer Menschen von allen Kontinenten zusammenbringt und für viele weltweit Hoffnung auf ein freies Leben bedeutet. Ein Ort, der selbst im Angesicht tiefster Erschütterungen wie den Terroranschlägen vor 25 Jahren für Zusammenhalt und die Kraft der Erneuerung steht. Der Ort, an dem die Vereinten Nationen ihren Sitz haben.

Die Staaten der Welt haben die UN vor über 80 Jahren gegründet, um der Menschheit nach dem Entsetzen des Zweiten Weltkriegs eine Schaltzentrale für eine friedliche internationale Ordnung zu geben. Die Perspektive auf ein nachhaltiges konfliktfreies Miteinander ist heute einem Modus der Dauereskalation gewichen. Daran können und wollen wir uns nicht gewöhnen. Wir haben eine Verpflichtung, unsere Kräfte zu bündeln, damit eine Umkehr möglich ist. Die zahllosen Gespräche dieser Woche bieten eine der wenigen Gelegenheiten dazu. Deutschland wird seinen Teil dafür tun und darauf hinarbeiten, die beklemmende Sprachlosigkeit zwischen den Konfliktparteien zu überwinden - sowohl in Europa als auch im Mittleren Osten.

Denn wenn die Staatengemeinschaft in diesen Tagen in New York zusammenkommt, dann darf es nicht nur um eine reine Bestandsaufnahme all der Krisen, Konflikte und Kriege gehen. Dann sollten alle politisch Verantwortlichen bereit sein, ernsthaft um jeden noch so kleinen Schritt zur Lösung zu ringen.

Wir wollen gerade dort nicht nachlassen, wo unsere Interessen besonders betroffen sind: Putins Krieg mit immer tödlicheren Angriffen auf zivile Infrastruktur lässt die Ukrainerinnen und Ukrainer bange auf den nächsten Winter blicken – und führt auch sein Land in den wirtschaftlichen Abgrund und abertausendfachen Tod. Russland muss zur Erkenntnis gebracht werden, dass es an der Zeit ist, auf einen Kurs ernsthafter Verhandlungen einzuschwenken. Auf dem Weg dorthin wollen wir die Ukraine so stärken, dass sie mit internationaler Unterstützung den längeren Atem hat. Gleichzeitig bedroht Russland EU- und NATO-Mitgliedstaaten immer unverhohlener, verletzt Lufträume, zerstört Unterseekabel, verübt hybride Angriffe. Wir werden uns daher mit unseren Partnern darüber abstimmen, wie wir unsere kritische Infrastruktur unter Wasser besser schützen und wie wir vor unseren Küsten wirksamer gegen die maroden Tanker der russischen Schattenflotte vorgehen können.

Wir werden auch beraten, wie die Staatengemeinschaft gemeinsam mehr Verantwortung für maritime Sicherheit übernehmen kann. Denn an der Straße von Hormus und am Bab al-Mandab halten Iran und seine Milizen seit Monaten die Lebensadern des freien Handelsverkehrs im Würgegriff. Energielieferungen, Düngemittel und Hilfsgüter werden unbezahlbar oder kommen kaum mehr da an, wo sie dringend benötigt werden. Unter den Folgen leiden wir in Deutschland und Europa – und noch dramatischer viele Länder des globalen Südens, wo steigende Preise und Ernteausfälle existenzbedrohend sind.

Die UN-Generaldebatte bietet Möglichkeiten wie kein zweites Forum, sich zu diesen und weiteren grundlegenden Herausforderungen international breit abzustimmen. Ich treffe daher unsere engsten Partner der G7 und werde die Gelegenheit nutzen, Partnerschaften auf der ganzen Welt weiter zu vertiefen. Mit den kleinen Inselstaaten werden wir darüber sprechen, wie wir resilienter gegen die Bedrohung durch den Klimawandel werden können. Oder uns mit lateinamerikanischen Staaten abstimmen, wie wir wirtschaftlich enger zusammenarbeiten.
Bei all dem ist klar: Für die Perspektive einer stabilen internationalen Ordnung braucht es Vereinte Nationen, die die Krisen und Konflikte unserer Zeit nicht vor allem verwalten, sondern den Boden für Lösungen bereiten. Als handelnder Arm der Staatengemeinschaft, der beispielsweise im Krieg im Sudan vermittelt, an der Deblockade von Handelsrouten mitarbeitet oder gegen Menschenrechtsverletzungen vorgeht. Und die UN muss Verantwortung bei den Fragen der Gegenwart übernehmen, etwa beim gemeinsamen Umgang mit Chancen und Herausforderungen künstlicher Intelligenz.

Dabei ist auch klar: Die Vereinten Nationen benötigen heute selbst die Kraft der Erneuerung und der Reform, die sie einst aus der Taufe gehoben hat. Darin liegt die Schicksalsaufgabe des neuen UN-Generalsekretärs oder der neuen UN-Generalsekretärin. Deutschland steht als einer der größten Unterstützer der UN bereit, diesen Weg mitzugestalten.

Schlagworte

nach oben