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Rede von Außenminister Sigmar Gabriel anlässlich der Verleihung des Ehrenpreises "Deutscher Fußball-Botschafter" an Miroslav Klose

16.05.2017

Lieber Herr Bischof,
sehr geehrter Herr Holzschuh,
lieber Uwe Seeler,
meine Damen und Herren,
vor allem aber: lieber Miroslav Klose!

Ich bin sehr froh, dass wir Sie hier heute als Fußball-Botschafter ehren. Ein Botschafter – in einem Haus voller Diplomatinnen und Diplomaten, Menschen also, die sich bemühen, gute Beziehungen zu ihrem Gegenüber herzustellen, so sagt es jedenfalls der Duden. Die versuchen, jemandem zu begegnen, „ohne dabei den anderen zu verärgern“.

Nun, bei allem Respekt, lieber Miroslav Klose: Ich weiß nicht, ob Sie bei den Begegnungen auf dem Fußballplatz in den letzten Jahren nicht eher Leute verärgert haben, zumindest Ihre fußballerischen Gegenüber!

Denn Ihre Leistungsbilanz wird einige Ihrer Gegner weltweit beeindruckt haben!

Meine Damen und Herren, Miroslav Klose hat wahrlich alle Torrekorde gebrochen, die ein Stürmer für sich verbuchen kann:

- Torschützenkönig der Fußball-Bundesliga!

- Rekordtorschütze der Nationalmannschaft!

- Torschützenkönig der WM 2006!

- WM-Torrekord mit 16 Treffern!

- und natürlich – Weltmeister!

Aber ich frage mich dennoch: Ist das eigentlich auf diplomatischem Wege möglich gewesen? Mit Blick auf unsere guten Beziehungen in dieser Welt? Ich vermute, dass es ein paar Länder gibt, die kritisch auf Deutschland geschaut haben, wenn Miroslav Klose vom Platz gegangen ist.

Man muss sich das noch einmal vor Augen führen: Spektakuläre Treffer wie etwa beim 8:0 Sieg gegen Saudi Arabien, einem Land mit dem wir ständig versuchen, bessere Beziehungen aufzubauen – drei davon von Ihnen per Kopf! Oder das wichtige Ausgleichstor gegen Argentinien im WM-Viertelfinale hier in Deutschland. Oder der 7:1 Sieg gegen Brasilien im WM-Halbfinale vor drei Jahren! Sie können sich gar nicht vorstellen, wieviel Arbeit Sie diesem Haus hier verschafft haben!

Aber das Besondere an Ihnen, Miroslav Klose, ist doch: Sie sind natürlich ein ehrgeiziger Sportler, Sie wollen gewinnen – sonst hätten Sie in Ihrer Fußballerkarriere nicht so ungeheuer viel erreicht. Aber Sie schaffen es, dass ihre fußballerischen Gegner sich nicht wie Besiegte fühlen müssen. Deshalb ist Fußballbotschafter, Diplomat, eben doch ein richtiger Begriff.

Denn auch wenn er anderen Mannschaften so viele Tore eingeschenkt hat, Miroslav Klose sticht heraus durch seinen Respekt vor dem Gegner, seinem Teamgeist, seiner Fairness, seinem Anstand – das was ihn auch ganz sicher mit Uwe Seeler verbindet. Und genau darum können wir uns niemand besseren für diesen Ehrenpreis vorstellen!

Miroslav Klose hat einmal gesagt: „Wer mich kennt, der weiß: Zuerst kommt immer die Mannschaft, dann kommt nix, und dann komme irgendwann ich.“

Und es stimmt: Auf all seinen Stationen – ob in Kaiserslautern, in Bremen, in München und zuletzt bei Lazio Rom - hat Miro Klose sich zuallererst für seine Mannschaft stark gemacht. Und zwar auf und neben dem Fußballplatz!

Ich glaube Fußballfans haben ein feines Gespür dafür, wer keine Starallüren an den Tag legt, wer sich nicht verstellt im ganzen Rummel um den Profifußball. Miroslav Klose ist so einer. Er hat nie mit lauten Sprüchen oder Posen auf sich aufmerksam gemacht hat. Das schätzen so viele Fans an ihm. Nicht nur hier in Deutschland, sondern auch in Italien, wo er sich in Rom sofort in die Herzen der Tifosi gespielt hat, und das ist nun wirklich nicht einfach.

Vielleicht lag es auch ein bisschen daran, dass er einmal in der dritten Minute der Nachspielzeit das römische Derby für Lazio Rom entschieden hat…Den „wahren König von Rom“ hat ihn eine italienische Sportzeitung danach genannt.

Und für viele ist er sogar zum „Kaiser von Rom“ geworden, als er bei einem Spiel für Lazio Rom ein bereits vom Schiedsrichter gegebenes Tor nicht gelten ließ. Weil er zuvor ein nicht bemerktes Handspiel begangen hatte! Seine Mannschaft verlor das Spiel schließlich. Womöglich hätte sein Schweigen die Mannschaft sogar gerettet! Kloses Geste jedoch brachte ihm den Respekt von Teamkollegen und Gegnern in der ganzen Fußballwelt ein.

Und deswegen, meine Damen und Herren, ist Miroslav Klose ein großartiger Fußballbotschafter. Er steht für Fairness, für Teamgeist, für Engagement und natürlich: für außergewöhnlichen Einsatz!

Lieber Miroslav Klose, wir alle freuen uns, dass Sie dem deutschen Fußball auch nach Ihrer Karriere als Trainer erhalten bleiben!

Sie haben sich um den Fußball verdient gemacht. Sie haben das Bild Deutschlands im Ausland im besten Sinne geprägt. Und: Sie haben gleichzeitig noch ein Beispiel gegeben, nämlich wie man seine eigene Kultur und nationale Herkunft nicht verleugnen darf und trotzdem in unserem Land ein Vorbild für viele andere Menschen ist.

Ich hoffe, dass Sie sich über diesen besonderen Preis freuen.

Auch wenn ich durchaus Verständnis dafür habe, wenn Sie Ihre Freude nicht in der gleichen formvollendeten Art und Weise feiern, wie wir es bei Ihren Toren kennen … nämlich mit einem Salto!

Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank!

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