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Rede von Europa-Staatsminister Michael Roth bei der Abschlussveranstaltung des Deutsch-Norwegischen Jugendforums

26.09.2016

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Deutsch-Norwegischen Jugendforums,

God dag og hei til Tysk-Norsk Ungdomsforum.

Das war’s dann aber auch schon mit meinen sehr bescheidenen Norwegisch-Kenntnissen. Auch wenn wir heute den "Europäischen Tag der Sprachen" feiern, spreche ich nun doch besser auf Deutsch weiter – zumal ich gehört habe, dass Ihr alle sehr gut deutsch versteht.

Das diesjährige Motto des Deutsch-Norwegischen Jugendforums lautet: „Neue Helden! Wer inspiriert Dich?“ Helden kennen wir alle aus den klassischen Sagen des Altertums, aus der griechischen Mythologie – ob nun Odysseus oder Achilles.

Helden prägen unsere Geschichte. Fast jedes Land in Europa hat seinen großen Nationalhelden:

Denken wir an Jeanne d’Arc in Frankreich, an Wilhelm Tell in der Schweiz oder – bei Norwegen – an Roald Amundsen, den großen Polarforscher, der als erster Mensch den Südpol erreichte.

"Helden sind zum Sterben da" – so hat es der vor zwei Jahren verstorbene Sänger und Komponist Udo Jürgens in einem seiner Lieder mal formuliert. Mir ist das alles eine Nummer zu groß. Und vermutlich hat Willy Brandt wie so oft recht, der einmal sagte: "Wir sind nicht zu Helden geboren." Für mich haben Helden eher etwas mit dem Leben zu tun, oder besser gesagt: mit dem Vorleben von einer bestimmten Idee oder Überzeugung, für die sie bereit sind gegen Widerstände zu kämpfen. Heutzutage sprechen wir vielleicht eher von Vorbildern als von Helden.

Solche Vorbilder machen durch ihr öffentliches Wirken und Handeln auf sich aufmerksam – und sie inspirieren uns selbst zu eigenen Taten.

Wir bewundern sie und eifern Ihnen nach. Eure modernen Helden kennt Ihr sicher aus Hollywoodfilmen, aus Musikvideos bei Youtube oder aus der Welt des Sports.

Aber es gibt auch die vielen Helden des Alltags, die nicht so sehr im Scheinwerferlicht stehen. Ich denke dabei an den Feuerwehrmann, der mitunter an die Grenzen seine körperlichen Kräfte gehen und sein Leben riskieren muss, um Menschen in Not zu retten. Ebenso denke ich an die vielen Menschen, die sich neben ihrem eigentlichen Beruf mit großen Einsatz ehrenamtlich für Kinder, Kranke oder Flüchtlinge engagieren.

Auch diese Menschen, von denen man in keiner Zeitung liest oder keiner Fernsehsendung sieht, sind vorbildlich in ihrem Einsatz für andere.

Ja, und auch in der Politik kennen wir große Vorbilder. Willy Brandt sah sich zwar nie als Held, aber er war ein echter Brückenbauer – zwischen Ost und West, aber auch zwischen Deutschland und Norwegen. Er war 1933 vor den Nazis nach Norwegen geflüchtet und lebte und arbeitete dort sieben Jahre lang. Doch Norwegen war für ihn weit mehr als nur ein sicherer Zufluchtsort in schweren Zeiten. Es wurde seine zweite Heimat. 1940 nahm er sogar die norwegische Staatsbürgerschaft an. Kaum jemand hat wohl so entscheidend zur Versöhnung der deutsch-norwegischen Beziehungen beigetragen wie Willy Brandt.

Wenn sich jetzt einige von Euch fragen: Was hat das alles mit mir zu tun? Was habe ich als Teilnehmerin oder Teilnehmer des Deutsch-Norwegischen Jugendforums mit Willy Brandt gemeinsam? Dann sage ich Euch: Eine ganze Menge!

Denn auch Ihr seid wichtige Brückenbauer zwischen unseren beiden Ländern. Erfreulicherweise sind die deutsch-norwegischen Beziehungen keine reine Angelegenheit von Ministern und Abgeordneten. Sie werden vielmehr getragen von einem dichten Netzwerk persönlicher Kontakte und Freundschaften zwischen den Bürgerinnen und Bürgern unserer Länder.

Und dafür seid auch Ihr ein gutes Beispiel: Wenn 60 Jugendliche aus Deutschland und Norwegen zusammenkommen, um miteinander zu diskutieren, ja vielleicht auch mal in der Sache zu streiten, dann bleibt das nicht ohne Folgen. Aus den Begegnungen der vergangenen Tage werden Freundschaften wachsen, die auf gegenseitigem Verständnis und Respekt beruhen. Und das macht mir Hoffnung. Denn genau darauf kommt es doch gerade in diesen Krisenzeiten an: Einander zu verstehen und nicht zu verurteilen, einander zu erklären und nicht zu verklären, Vertrauen auf- und Skepsis abzubauen!

Das Deutsch-Norwegische Jugendforum feiert in diesem Jahr bereits sein zehnjähriges Bestehen.

Rund tausend Jugendliche aus Deutschland und Norwegen haben in den vergangenen Jahren an dem Projekt teilgenommen.

Und bei diesem Forum geht es ja nicht nur um Sprach- und Projektcamps, sondern auch darum, wie Ihr Euch die Welt von morgen vorstellt und wie Ihr Euch dabei einbringen könnt.

Dazu möchte ich gerne Anne zitieren, eine von Euch, die an einem vorangegangenen Treffen des Jugendforums teilnahm und sich zum Thema Klima und Energie geäußert hat: „Es ist toll, dass das Jugendforum ins Leben gerufen wurde. Denn wir jungen Erwachsenen sind das Gesicht von morgen – und Betroffene der Klimaveränderungen in einer globalen Welt!“

Und Anne hat - so leid mir das tut - Unrecht: Ihr seid nicht das Gesicht von morgen, Ihr seid das Gesicht von Heute! Es liegt in Euren Köpfen und Händen der Politik in Deutschland und Norwegen, aber auch in Europa und der Welt eine andere Richtung zu geben, wenn Ihr unzufrieden damit seid. Meine Parole lautet ja immer: Mitmachen statt nur Meckern.

Damit kann man gar nicht früh genug anfangen! Dafür muss man auch nicht gleich zum Helden werden. Es reicht schon, wenn Euch nicht gleichgültig ist, was um Euch herum geschieht, und Ihr Euch mit Euren Ideen einbringt!

Und ganz nebenbei helft Ihr auch dabei mit, die deutsch-norwegischen Beziehung weiter zu verbessern. Offen gestanden: Wir Deutschen lieben ja Norwegen – nicht nur als Reiseziel. Norwegen steht für viel mehr als nur für landschaftliche Schönheiten, imposante Fjorde, die Bergwelt und einsame Inseln oder "Feriehus" und "Hytte" inmitten der Natur. Wir Deutschen bewundern das viel beschworene "nordische Modell". Wir sind fasziniert vom stabilen sozialen Netz, von der liberalen und aufgeschlossenen Kultur und das alles bei einer starken Wirtschaft.

Und ein letzter Satz, der bei einem Europa-Staatsminister nicht fehlen darf: Wie schön wäre es, wenn wir auch Norwegen irgendwann mal als Mitglied unseres EU-Teams begrüßen könnten. Ich zumindest gebe die Hoffnung nicht auf. Unsere Tür steht immer offen! Denn Norwegen würde uns in der Europäischen Union wirklich gut tun. Genauso gut wie so großartige Projekte wie das Deutsch-Norwegische Jugendforum. Ich gratuliere herzlich zum zehnjährigen Jubiläum. Das ist ja viel zu jung, um ans Aufhören zu denken. Jetzt geht's richtig los! Alles Gute für die weitere Zukunft!

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