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Rede von Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei der Eröffnung des Innovation Accelerators des Welternährungs­programms

11.07.2016

Sehr geehrter Minister Müller,
Sehr geehrter Minister Brunner,
Sehr geehrte Frau Cousin,
meine Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass wir heute hier in München das neue Innovationszentrum des Welternährungsprogramms eröffnen können.

Frische Ideen, Kreativität und Innovation – all das brauchen wir bei unserem Engagement in der humanitären Hilfe heute mehr denn je. Denn noch nie waren die Herausforderungen wohl so immens wie heute.

Mehr als 65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Ein trauriges Rekordniveau, das nur erahnen lässt, welch persönliche Not Menschen erleiden, die aus ihrer Heimat vertrieben werden - durch Krieg, Terror und Gewalt.

Aus Syrien etwa sind nicht nur fünf Millionen Menschen in die Nachbarländer geflohen. Im Land selbst gibt es fast sieben Millionen Binnenvertriebene – viele von ihnen mussten in den letzten Jahren sogar wiederholt fliehen. Man kann es nicht anders sagen: Die humanitäre Lage ist schlichtweg katastrophal. Unzählige Häuser wurden zerstört. Vielerorts gibt es keine medizinische Versorgung mehr. Kinder können nicht zur Schule gehen. Familien sind auf Lebensmittelhilfe angewiesen ohne die sie hungern müssten.

Die Bundesregierung unterstützt in diesem Jahr das Welternährungsprogram in Syrien und den Nachbarländern mit 570 Millionen Euro – das ist ein Rekord. Aber die schlechte Nachricht ist: Humanitäre Notlagen wie im Irak, in Jemen oder Libyen, aber auch die Auswirkungen des Klima-Phänomens El-Nino lassen den Hilfsbedarf weiter wachsen.

Ich bin überzeugt: Angesichts dieser großen Herausforderungen wird es nicht nur immer wichtiger, wieviel humanitäre Hilfe wir leisten, sondern auch: wie vorausschauend, wie schnell, wie nachhaltig und mit welchen Partnern wir diese Hilfe am besten steuern.

Genau für diesen umfassenden, innovativen Ansatz haben wir uns auf dem humanitären Weltgipfel in Istanbul eingesetzt. Und: Deutschland hat seit diesem Monat den Vorsitz der „Platform on Disaster Displacement“, einem Forum, das Naturkatastrophen als Fluchtursache in den Blick nimmt und dabei vor allem auf Prävention und Risikomanagement setzt.

Zu all diesen wichtigen Fragen erhoffen wir uns Impulse von Ihnen, meine Damen und Herren, hier aus dem neuen Zentrum.

Zahlreiche hervorragende Beispiele gibt es schon. Wir haben sie eben auf unserem Rundgang gesehen: in der syrischen Stadt Homs etwa versorgt das Welternährungsprogram 2.000 Mütter und ihre Kinder mit Nahrungsmitteln. Die Gelder für diese Hilfe wurden in nur vier Monaten von privaten Spendern eingeworben: und zwar in Kleinstbeträgen von 40 Cent über die Smartphone App „Share the Meal“.

Ich habe sie mir gerade zeigen lassen: Mit einem Klick wählt man den Betrag, den man spenden möchte und erfährt gleichzeitig, wohin das Geld geht! Das ist ein gutes Beispiel für eine innovative Finanzierungs-Idee – und zugleich für die Einbindung neuer, auch nicht-staatlicher Partner.

Denn auch darum muss es uns gehen: Um die Frage, wie wir neue und existierende Partnerschaften und Expertise am besten nutzen. Ich freue mich, dass wir hier in München jetzt ein Zentrum haben, in dem Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam mit Experten aus der humanitären Hilfe Lösungen entwickeln.

Und, meine Damen und Herren, Sie haben dabei eine stehende Einladung nach Berlin, um sich auch mit uns auszutauschen!

Ich danke dem BMZ und dem Land Bayern für die hervorragende Zusammenarbeit. Und ich wünsche Ihnen allen hier im Innovation Accelerator viel kreative Energie!

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