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Grußwort von Außenminister Steinmeier zum Festakt des fünfjährigen Bestehens des Freiwilligendienstes des Auswärtigen Amtes "Kulturweit"

17.09.2014

--- es gilt das gesprochene Wort ---

Liebe Verena Metze-Mangold,
lieber Stephan Dorgerloh,
meine Damen und Herren,
und vor allem liebe „Kulturweit“-Alumni!

Als wir „Kulturweit“ vor fünf Jahren aus der Taufe gehoben haben, da war dieser neue Freiwilligendienst nur den wenigsten ein Begriff.

Wenn ich mich hier im Stattbad umsehe, dann bietet sich ein anderes Bild. Offensichtlich hat sich herumgesprochen, dass wir hier heute Abend fünf Jahre „Kulturweit“ feiern. Dieses „Kulturweit“ hat sich etabliert.

Fünf Jahre „Kulturweit“ – da ist ein Traum Wirklichkeit geworden. Liebe Frau Metze-Mangold, was wir uns 2009 gemeinsam mit den Partnern in den Mittlerorganisationen ausgedacht haben, das hat – auch manchen Widrigkeiten zum Trotz - Gestalt angenommen.

Liebe Kulturweit-Alumni, das ist vor allem euer Verdienst! Bald 2000 junge Leute sind in den letzten fünf Jahren als Kulturbotschafter unseres Landes in alle Welt ausgeschwärmt. In über siebzig Ländern sind „Kulturweit“-Freiwillige am Werk.

Ob sie als Lehrerin im serbischen Subotica, als Jungarchäologen in Istanbul oder bei der UNESCO in Mexiko Stadt gearbeitet haben - ihr Elan ist nicht mehr aus unserer Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik wegzudenken.

Worum es „Kulturweit“ im Kern geht, das hat vor zwei Wochen der Schriftsteller Rajivinder Singh auf den Punkt gebracht, als er mich auf meine Reise nach Indien begleitet hat. Unterwegs im Flugzeug hat er von einer auswärtigen Kulturpolitik der sechs Augen gesprochen:

Wir sollen die Welt mit unseren Augen sehen, mit denen unserer Freunde – und mit einem gemeinsamen Blick. Ich finde das eine treffende Aufgabenbeschreibung für Außenpolitik insgesamt, aber auch für das, worauf es „Kulturweit“ ankommt.

Wie unerlässlich das ist, das erleben wir gerade heute in einer ganz neuen Dringlichkeit. Wir spüren das in der Ukraine-Krise, im Kampf gegen die Terroristen des Islamischen Staats, im Ringen um Frieden für den Nahen Osten. Wir merken es aber auch immer stärker im Alltag unserer immer enger vernetzten Welt.

Liebe Ehemalige, den Blick der sechs Augen haben viele von Ihnen während des „Kulturweit“-Jahrs eingeübt: als Streitschlichter in Albanien, als Umwelt-Beraterin in Argentinien oder als Organisator einer Schreibwerkstatt in Weißrussland.

Damit haben Sie eben nicht nur Ihren Blick auf die Welt geweitet. Mit Ihrem Engagement wird sich diese Welt auch ein bisschen verändern - und ich glaube zum Besseren. Darauf können Sie stolz sein.

Im August 2009 ist Valentin Schmehl als einer der ersten „Kulturweit“-Freiwilligen nach Bethlehem gereist. Er hat dort als Volontär in einem Internat für Kinder mit schwierigem familiärem Hintergrund gearbeitet. Über diese eindringliche Erfahrung hat er einige Monate später geschrieben:

„Die Hälfte des interkulturellen Kuchens ist gegessen. Satt bin ich noch lange nicht, und das Verdauen wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.“

Ich glaube, diese Worte sprechen vielen hier aus der Seele, denen „Kulturweit“ Lust auf mehr Engagement gemacht hat. Deshalb ist es eine großartige Nachricht, dass es jetzt Pläne gibt, einen Alumni-Verein zu gründen.

Deshalb freue ich mich besonders, dass wir in diesem Sommer eine schmerzhafte Kürzung des „Kulturweit“-Etats haben abwenden können. Und deshalb wollen wir uns in den nächsten Jahren gemeinsam dafür einsetzen, dass dieses einzigartige Projekt weitergeht und weiter gedeiht!

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