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Grußwort von Außenminister Guido Westerwelle anlässlich des Festakts zum 40. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit China

11.10.2012

-- es gilt das gesprochene Wort --

Herr Xu,
Herr Minister Yang,
Frau Li,
Exzellenzen,
sehr geehrte Damen und Herren,

es ist mir eine besondere Freude, heute Abend mit Ihnen die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und China vor 40 Jahren feiern zu können.

Auf den Tag genau am 11. Oktober 1972 besuchte der damalige Bundesaußenminister Walter Scheel China. Mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen haben China und Deutschland damals einen großen Schritt aufeinander zugetan. Heute verbindet unsere Länder eine strategische Partnerschaft. Heute spielen Deutschland und China in der Champions League der Globalisierung. Auf globaler Ebene ist die Kooperation zwischen Deutschland und China eine notwendige Bedingung für eine bessere Zukunft. China und Deutschland gestalten Globalisierung.

Vor wenigen Wochen haben wir zum zweiten Mal deutsch-chinesische Regierungskonsultationen durchgeführt. Dieses hochrangige Format unserer Zusammenarbeit ist Ausdruck der Tiefe unserer Beziehungen. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um der chinesischen Regierung noch einmal für diesen guten Dialog zu danken und meine große persönliche Anerkennung für das Erreichte auszusprechen. Daran wollen wir mit einer neuen chinesischen Regierung anknüpfen. 

Ich komme heute in Begleitung einer parlamentarischen Delegation. Und mit Britta Heidemann begleitet mich nicht nur eine Sportlerin von Weltrang, sondern auch eine ausgewiesene Kennerin Chinas und gute Freundin des Landes.

Gute Regierungskontakte sind wichtig. Die Freundschaft der Völker ist unersetzlich.

Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen unserer beiden Länder hat China eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte geschrieben.

Vor etwa dreißig Jahren begann mit Chinas Reform- und Öffnungspolitik der große Aufbruch in Ihrem Land. Heute ist China die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt.

China befreite in wenigen Jahrzehnten hunderte Millionen seiner Menschen aus Hunger und Armut. Der Lebensstandard und das Bildungsniveau haben sich für viele spürbar verbessert.

China hat die Chancen der Globalisierung genutzt. In diesem riesigen Vielvölkerstaat gehören inzwischen hunderte Millionen Chinesinnen und Chinesen zu einer gebildeten Mittelschicht. Diese Mittelschicht wird bald die Einwohnerzahl Europas erreichen. Sie wird das Rückgrat einer stabilen, dynamischen Gesellschaft bilden. Dies verdient unsere Anerkennung.

Deutschland begleitet den Aufstieg Chinas mit großer Faszination und großem Respekt.

Wir freuen uns über den Aufstieg Chinas, weil er unseren Ländern mehr Chancen für mehr Kooperation eröffnet.

Deutschland und China haben die vergangenen vierzig Jahre im gegenseitigen Interesse gut genutzt.

China ist heute unser wichtigster Wirtschaftspartner in Asien. Unser Handelsvolumen belief sich im vergangenen Jahr auf 144 Mrd Euro. Deutschland ist der größte europäische Investor in China. Zugleich investieren immer mehr chinesische Firmen in den deutschen und europäischen Markt. Als Exportnationen eint uns das elementare Interesse an freiem Handel und offenen Handelswegen.

Heute studieren über 25.000 Studenten aus China in Deutschland. Dies ist die größte ausländische Studentengruppe in Deutschland. Etwa 4000 deutsche Studenten studieren in China. Wir wünschen uns mehr. Junge Deutsche sollten die Chance nutzen, die ein Studium in China, eines der Kraftzentren des 21. Jahrhunderts, bietet.

Die Faszination am Leben und an der Kultur des jeweils anderen ist ungebrochen. Das erfahren wir auch bei dem Chinesischen Kulturjahr in Deutschland, das derzeit läuft. Die Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ aus Deutschland hatte hier in Peking fast eine halbe Million Besucher.

Unsere Welt hat sich in den vergangenen vierzig Jahren stark verändert. Die Gewichte in der Welt verschieben sich. Die Veränderungsgeschwindigkeit nimmt zu. Chinas rasanter Aufstieg belegt das in beeindruckender Weise.

Neue Kraftzentren entstehen. Aus wirtschaftlicher Stärke wird politisches Gewicht. Daraus ergibt sich wiederum eine große Mitverantwortung für die Welt.

In den 40 Jahren unserer bilateralen Beziehungen haben Deutschland und China einen intensiven, vertrauensvollen politischen Dialog aufgebaut.

Wir haben Beziehungen zueinander entwickelt, die auch Meinungsunterschiede aushalten.

Das ist der Geist, in dem wir unsere Gespräche führen, zum Beispiel im Rechtsstaatsdialog. Wir sind uns einig, dass der Respekt vor den Traditionen und Auffassungen des anderen die Grundlage für einen offenen und produktiven Dialog ist.

Jedes Land ist anders. Jedes Land hat seine eigene Geschichte. Und dennoch werden in Partnerschaft eine gemeinsame Zukunft bauen.

Als China und Deutschland vor vierzig Jahren diplomatische Beziehungen zueinander begründeten, war Deutschland ein geteiltes Land. In Europa herrschte der Kalte Krieg. Der ganze Kontinent war gespalten.

Das geeinte Europa ist die Antwort auf das dunkelste Kapitel unserer Geschichte und es ist Deutschlands erste Antwort auf die Globalisierung.

Viele in China fragen sich, ob Europa seine Schuldenkrise überwinden kann und eine gestaltende Rolle in der Welt auch künftig wahrnehmen wird. Die Antwort lautet eindeutig: Ja!

Europa hat eine große Verantwortung in der Welt. Und Deutschland kennt seine Verantwortung für Europa. Und wir sind dankbar dafür, dass auch China in der Krise Verantwortung übernimmt.

Erlauben Sie mir, Ihnen die herzlichen Grüße des damaligen Bundesminister und Altbundespräsident Walter Scheel zu übermitteln. Bitte lassen Sie mich auch Staatspräsident Hu und Ministerpräsident Wen die allerherzlichsten Glückwünsche des Herrn Bundespräsidenten und der Frau Bundeskanzlerin ausrichten.

Lang lebe die chinesisch-deutsche Freundschaft.

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