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Rede von Staatsministerin Cornelia Pieper anlässlich des Internationalen Bildungsfestes des Auswärtigen Amtes

08.09.2011

Staatsministerin Cornelia Pieper beim Internationalen Bildungsfest des Auswärtigen Amtes, 08. September 2011, Allianz-Forum/ Berlin

„Exzellenz und Innovation im Schulwesen“

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-- Es gilt das gesprochene Wort!--

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie heute ganz herzlich zu unserem Internationalen Bildungsfest im Allianz-Forum. Dies ist das erste Bildungsfest des Auswärtigen Amtes. Es zeigt, wie wichtig uns die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik ist, nicht nur für die Auswärtige Politik insgesamt, sondern für den Wissenschafts-, Bildungs- und Wirtschaftsstandort Deutschland. Ganz herzlich danke ich vorab denjenigen, die neben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Amtes dieses Fest ermöglicht haben: der Allianz als Gastgeber in diesem schönen Forum, der Initiative D21, in der sich bedeutende Unternehmen für das digitale Lernen engagieren, sowie insbesondere auch der Firma Intel und der Siemens-Stiftung. Ich danke sehr dem deutschen Außenminister, der mit seiner Rede soeben das neue Konzept zur Auswärtigen Kultur-und Bildungspolitik vorgestellt hat, und insbesondere den Deutschen Auslandsschulen, ihren Leitern und ihren Vorständen, die zum Teil auch lange Wege nicht gescheut haben, um heute hier dabei sein zu können. Ebenso danke ich den Schülerinnen und Schülern, die sich nachher gewissermaßen als „Versuchskaninchen“ im digitalen Klassenzimmer bewähren wollen.

Ich habe Sie eingeladen, weil wir mit dem heutigen Internationalen Bildungsfest dem Potential der deutschen Auslandsschulen hier im Inland mehr Präsenz verleihen und eine engere Verzahnung zwischen Wirtschaft, Politik und zukünftigen Fachkräften aus dem Ausland herstellen wollen. Das Thema Bildung und Schule liegt mir – wie Sie wissen – sehr am Herzen. Heute entscheidet Bildung darüber, ob eine Gesellschaft Beschäftigung und Wohlstand langfristig sichern kann. Mit Investitionen in Bildung und Ausbildung investieren wir in unsere Zukunft.

Wissenschaftliche Vergleiche zeigen: Unterschiede im Bruttoinlandsprodukt der Industrieländer beruhen fast ausschließlich auf der Qualität des Humankapitals. Wer im globalen Wettbewerb um das größte Innovationspotential bestehen will, muss den besten Köpfen mit den kreativsten Ideen optimale Entfaltungsmöglichkeiten bieten.

Mit Förderung seiner Auslandsschulen, den PASCH-Schulen, den Goethe-Instituten, dem DAAD, der Alexander von Humboldt-Stiftung und den vielen Bildungspartnerschaften spielt das Auswärtige Amt dabei eine oft unterschätzte, aber entscheidende Rolle.

Unsere Deutschen Auslandsschulen haben in den letzen Jahrzehnten immer wichtigere Leuchtturm- und Brückenfunktionen für Deutschland im Gastland entwickelt.

Unsere Auslandsschulen sprechen gezielt zukünftige Partner in Wirtschaft, Politik und Kultur an. Wir wollen nicht nur junge Menschen schulisch auf ihre Zukunft vorbereiten. Sie bekommen dort auch ein modernes und authentisches Bild von Deutschland vermittelt: eine wertebasierte, freiheitliche, für die Herausforderungen des globalen Wandels offene deutsche Gesellschaft, die für Toleranz, für Freiheit und soziale Marktwirtschaft, für Leistungsbereitschaft und Innovation steht. Wir werben für ein Studium und den Arbeitsmarkt in Deutschland. Unsere Auslandsschulen sind bildlich gesprochen der Humus, auf dem kluge junge Menschen wachsen.

Über eine halbe Million Schülerinnen und Schüler lernen an den von uns im Ausland geförderten Schulen Deutsch, davon 80.000 an den 140 Deutschen Auslandsschulen, weitere 440.000 an den 1500 geförderten PASCH und FIT-Schulen. Mein politisches Ziel ist es, diese Zahl noch deutlich zu vergrößern: Ich strebe an, die Zahl der geförderten Schulen bis zum Jahr 2014 auf 2000 zu erhöhen. Fakt ist, die jungen Leute, die diese Schulen verlassen, sind im wahrsten Sinne des Wortes Botschafter für Deutschland.

Der amerikanische Zukunftforscher John Naisbitt sagte einmal „Ohne einen Computer bedienen zu können, wird man in der neuen Informationsgesellschaft dastehen, wie ein zufälliger Besucher.“-  Damit hat er völlig richtig gelegen.

Digitale Medien sind heute aus unserem Lern- und Lebensalltag nicht mehr wegzudenken. Unsere Kinder wachsen ganz selbstverständlich in einer digitalen Welt auf.

In der Arbeitswelt von heute ist digitales Arbeiten, verbunden mit einer hohen Selbständigkeit, inzwischen eine Selbstverständlichkeit geworden, die in fast allen Berufen abverlangt wird. Unsere moderne Arbeitswelt ist auf Menschen angewiesen, die schnell und selbstständig denken, kreativ sind, Probleme lösen und eigene Vorstellungen haben. Der  sichere Umgang mit neuen Medien ist daher genauso unverzichtbar wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Die Schule von heute muss gezielt darauf vorbereiten.

Mit der von mir gestarteten „ Exzellenzinitiative innovatives Lernen“ führen wir mit unseren Partnern gemeinsam an ausgewählten Deutschen Auslandsschulen Modellprojekte für multimediales innovatives Lernen durch. Diese Schulen sollen Exzellenz-Zentren für innovatives Lernen werden und zukunftsweisende Methoden und Techniken für den Unterricht entwickeln und einsetzen. Der Ausbau des „digitalen Klassenzimmers“ ist dabei für mich ein ganz wichtiger Schritt.

Fünf Deutsche Auslandsschulen werden wir heute Abend feierlich als Gewinner des Ideenwettbewerbs „Exzellenzinitiative innovatives Lernen“ auszeichnen. Ich möchte Sie schon jetzt dazu einladen, gemeinsam mit mir in der nachfolgenden Pause die Präsentationen der fünf Gewinnerschulen hier in der Rotunde anzuschauen. Ich freue mich besonders, dass wir Vertreter aller Gewinnerschulen perönlich begrüßen können, die uns gleich ihre Projekte vorstellen werden. Diese Schulen sollen und können über das Auslandsschulwesen hinaus auch für Schulen in Deutschland eine Leuchtturmfunktion haben. Der Erfahrungs- und Ideenaustausch zwischen den Auslandsschulen und den Schulen im Inland findet ja heute nicht mehr nur durch die Lehrkräfte, die ins Ausland gehen und dann nach Deutschland zurückkehren statt, sondern auch durch vielfältige digitale Kontakte und Partnerschaften.

Nichts geht ohne die nötigen Mittel. Aber schon Benjamin Franklin sagte „Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen“. Sie wissen, dass ich mich für eine Ausweitung und Verstetigung des Schulfonds eingesetzt habe. Das Auswärtige Amt plant, im nächsten Jahr rund 24 Millionen Euro mehr in die deutschen Auslandsschulen zu investieren. Das von Bund und Ländern vorgesehene Reformkonzept sichert die Finanzierung der Schulen für die nähere Zukunft und gibt ihnen zugleich die dringend erforderliche größere Eigenständigkeit.

Ich möchte aber noch einen Schritt weiter gehen: Die Diskussion in den letzten Monaten über den einseitig von den Ländern aufgekündigten Versorgungszuschlag, sowie die immer wieder aufkommenden Fragen zur finanziellen Ausstattung des Schulfonds allgemein zeigen die Notwendigkeit einer grundlegend neuen Initiative. Es darf zukünftig nicht sein, dass – wodurch auch immer- erhebliche Schwierigkeiten in der Kalkulation unserer Auslandsschulen entstehen. Die Schulen, ihre Schülerinnen und Schüler und deren Eltern  brauchen langfristige Planungssicherheit. Deshalb setze ich mich für ein Auslandsschul-Finanzierungsgesetz ein. Das Auslandsschulwesen muss nach meinen Vorstellungen endgültig von den Unsicherheiten des Zuwendungsrechts befreit werden.  Die Diskussionen über eine mögliche Ausgestaltung werden demnächst beginnen.

Zur Erfüllung ihrer Aufgaben ist die Qualität der Schulen entscheidend. Zentrale  Elemente der Qualitätssicherung sind das Pädagogische Qualitätsmanagement und die seit 2008 laufenden gemeinsamen Bund-Länder-Inspektionen. Ich freue mich über die gute Zusammenarbeit von Bund und Ländern, von ZfA und KMK, gerade in diesem wichtigen Bereich. Die Ausgestaltung des deutschen Auslandsschulwesens ist zwar leider nicht im verfassungsrechtlichen, aber im politischen Sinne eine wichtige Gemeinschaftsaufgabe für Bund und Länder. Die Aufgaben im Bildungs- und Auslandsschulbereich können wir nur gemeinsam bewältigen!

Lassen Sie mich an dieser Stelle eine klare politische Botschaft setzen: Ich verstehe nicht, warum eine gute Kooperation von Bund und Ländern bei der Bildung nicht auch im Inland möglich sein soll. Deshalb mein Appell an die Bundesländer: Machen Sie den Weg frei für mehr Kooperation im Bildungswesen auch bei uns in Deutschland. Stimmen Sie der Aufhebung des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern bei der Bildung im Inland zu. Um im globalen Wettbewerb um die besten Köpfe zu bestehen, brauchen wir  mehr Zusammenarbeit und weniger Angst vor Machtverlust. Ganz wichtig ist mir, dass es dabei nicht um Zentralismus geht, sondern darum, das Bildungswesen durch mehr Mittel zu stärken und auch unseren Schulen im Inland mehr Entscheidungsfreiheit über ihr Personal, aber auch ihre Organisation und Abschlüsse zu geben. Gerade in Bezug auf diese Freiheiten können und sollen unsere Auslandsschulen Vorreiter sein.

Im Gegensatz zu den Inlandsschulen stehen unsere Auslandsschulen in einem harten internationalen Wettbewerb, in dem sie sich bewährt haben und fortlaufend bewähren müssen. Für sie ist es daher sehr wichtig, dass sie in die Lage versetzt werden, hochwertige und nachfrageorientierte Schulabschlüsse anzubieten, die den Hochschulzugang in Deutschland ermöglichen. Dazu zählt neben dem Abitur auch das GIB, das das hoch anerkannte internationale Baccalaureat mit sehr guten deutschen Sprachkenntnissen verbindet und das zunehmend nachgefragt wird.

Deutschland war bei der jährlichen Umfrage des BBC World Service 2010 erneut das Land, dessen Einfluss in der Welt am positivsten gesehen wurde. Mit einer starken, nachhaltigen und innovativen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, mit exzellenten Deutschen Auslandsschulen und zahlreichen Partnerschulen in aller Welt wollen wir auch zukünftig dazu beitragen, dass wir diese Spitzenposition halten können.

Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit!

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