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Ansprache von Außenminister Guido Westerwelle anlässlich des Afrikatags im KfW-Gebäude in Berlin

07.06.2010

Vor fünfzig Jahren sah die Welt gebannt auf Afrika. 17 Staaten wurden 1960 unabhängig. Es war der Anfang vom Ende der europäischen Kolonisation. Es war der Beginn der Selbstbestimmung und des Aufbruchs eines ganzen Kontinents.

Deshalb nennt man 1960 auch das „Afrikanische Jahr“. 2010 kann ein neues „Afrikanisches Jahr“ werden. In drei Tagen wird in Johannesburg die Fußballweltmeisterschaft angepfiffen. Zum ersten Mal kommt dieses Weltereignis auf den afrikanischen Kontinent. Das wird den Blick der Welt auf ganz Afrika über Jahre prägen. Wir wissen das aus Erfahrung. Der Sommer 2006 hat für das Bild Deutschlands in der Welt unendlich viel gebracht. Vor vier Jahren feierten wir in Deutschland unser „Sommermärchen“. Auf der Südhalbkugel beginnt jetzt der Winter. Ich wünsche Südafrika ein „Wintermärchen“.

Die Welt wird nach der Weltmeisterschaft anders auf Afrika schauen als je zuvor.

Vor vier Jahren hat die ganze Welt sich über Deutschland gewundert. Die Deutschen konnten ja richtig nett sein. Viele Klischees haben wir überwunden. Die Deutschen waren auch vor der WM lässiger, humorvoller, toleranter, friedlicher und gastfreundlicher als einige wahrhaben wollten. Aber es brauchte eine WM, bis Menschen, die noch nie in Deutschland waren, das auch bemerkten.

Für Südafrika und für den ganzen Kontinent ist die Weltmeisterschaft eine Riesenchance. Wir können einen Afrika-Blick überwinden, der mit Vorurteilen aufgeladen ist. Dieses Afrika-Bild bietet bestenfalls ein Zerrbild. Afrika ist viel mehr als Armut, Krisen und Katastrophen. In vielen Ländern Afrikas wächst die Wirtschaft kaum langsamer als in Asien. Afrika ist politisch und wirtschaftlich im Aufbruch. Das hat mir meine Reise nach Tansania, Südafrika und Dschibuti Anfang April erneut bestätigt.

Ich will die Probleme in Afrika nicht klein reden. Es gibt noch viel Aufholbedarf. Viele Konflikte und Probleme müssen noch gelöst werden. Aber wenn ich an Afrika denke, dann sehe ich vor allem große Chancen und ein ungeahntes Potential.

Wir brauchen einen neuen Blick auf Afrika. Wir brauchen einen Blick, der die Staaten an ihren eigenen Anstrengungen und an eigenen Erfolgen misst. Der genau hinsieht, welcher Staat die Menschenrechte verletzt und welcher Staat sie schützt. Ein moderner Blick nach Afrika sieht Staaten, die die Herausforderungen auf ihrem Kontinent angehen. In Afrika entstehen für afrikanische Probleme zunehmend afrikanische Lösungen.

Der Grundstein dazu wurde an dem Afrikatag gelegt, den wir heute etwas verspätet begehen. Am 25. Mai 1963 unterzeichneten 32 unabhängige afrikanische Staaten die Charta der Organisation für Afrikanische Einheit (Organisation for African Unity - OAU).

Das war für die jungen Staaten Afrikas ein Riesenschritt. Die Nachfolge-Organisation der OAU, die Afrikanische Union (AU), ist heute ein entscheidender Partner für die Europäische Union in Afrika.

Deutschland unterstützt die Afrikanische Union beispielsweise beim Aufbau eines Operationszentrums in Addis Abeba und bei der Ausbildung somalischer Polizisten in Äthiopien. Wir fördern das Grenzprogramm der Afrikanischen Union. Ziel ist es, Grenzstreitigkeiten zu bewältigen, bevor daraus Konflikte entstehen. Wir unterstützen die Bemühungen, gemeinsam mit den Vereinten Nationen die Konflikte im Sudan zu lösen. Friede und Sicherheit in Afrika bleibt auch in Zukunft eine außenpolitische Priorität Deutschlands.

Auch in der Wirtschaft wollen wir mehr miteinander tun. Wirtschaftlicher Austausch ist unverzichtbar für das friedliche Miteinander der Völker und Nationen. Als Liberaler bin ich überzeugt, er kommt auf wirtschaftliche Verflechtung, Investitionen, Handel und Unternehmergeist an. Sie schaffen Arbeitsplätze, Wachstum und Wohlstand bei uns und in Afrika. Das Wachstum vieler Afrikanischer Staaten ist beeindruckend. Nach und nach entsteht eine neue Mittelklasse. Ihre wachsende Kaufkraft stützt die heimische Nachfrage. Immer mehr internationale Unternehmen entdecken Afrika als Investitionsstandort. Wir unterstützen diese positiven Kräfte. Wir wollen den Aufbruch Afrikas. Frieden und Stabilität, wirtschaftliche Entwicklung und kulturelle Verständigung für Afrika sind Ziele unserer Außenpolitik.

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