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Teaching Remembrance: für ein Europa der Freiheit und Rechtsstaatlichkeit

05.11.2008


- Übersetzung des englischen Redetexts -

Sehr geehrter Herr Generalsekretär des Europarats,

sehr geehrte Herren Minister,

sehr verehrter Herr Dr. Bartoszewski,

sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

Exzellenzen,

meine Damen und Herren,

Gäste in der Heimat begrüßen zu dürfen, bereitet große Freude. Und so freue ich mich ganz besonders, Sie heute Abend in meiner Heimatstadt Nürnberg willkommen zu heißen.

„Teaching Remembrance“ – das heißt, dass wir mit  Schülerinnen und Schülern in den Mitgliedsländern des Europarats darüber reden wollen, was zwischen 1933 und 1945 in Deutschland geschehen ist. Wir wollen sie informieren, ihnen historische Fakten und Hintergründe vermitteln.

Doch nicht nur das: sie sollen vor allem verinnerlichen, was als Lehre aus dieser Zeit bis heute weiterlebt: So etwas wie der Holocaust darf nie wieder, unter gar keinen Umständen, geschehen.

Wir müssen den Schülerinnen und Schüler auch verdeutlichen, dass hieraus aus meiner Überzeugung zwei Botschaften ableiten lassen: Wir brauchen Europa!

Und Europa braucht uns alle!

Europa kann nicht in Frieden leben und wachsen, wenn es nicht als Bürgergesellschaft, als unser aller Projekt funktioniert und gelebt wird.

Das kann aber nicht gelingen, wenn wir Bildung, auch die historische Bildung auf Fachbücher beschränken.  Die Erziehung von Kindern zu frei denkenden, verantwortungsbewussten und engagierten jungen Menschen ist ein Anliegen, das Anschauungsmaterial benötigt. Geschichte muss im Wortsinne greifbar gemacht werden. Das kennen wir aus der modernen Museumspädagogik, die das Geschehene – etwa im Ort der Erinnerung des Holocaust-Mahnmals in Berlin – durch die Darstellung von Einzelschicksalen konkret macht.

Es geht uns dabei darum, gerade jungen Menschen eine anschauliche Vorstellung davon zu geben, was in der Zeit des Nationalsozialismus passiert ist: Allzu oft verschwindet hinter den monströsen Zahlen die individuelle Dimension, und dann geht auch die Vorstellung davon verloren, wie einzigartig nicht nur jedes Leben ist, sondern eben auch: wie wichtig, schützenswert, aber eben auch fragil Menschenrechte und Rechtsstaat sind.

Um hier ein Zeichen zu setzen, hat die Bundesregierung erst vor sehr kurzer Zeit der Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem eine Liste mit Daten von 600.000 jüdischen Einwohnern in Deutschland aus der Zeit von 1933 bis 1945 übergeben. Jeder Name der Liste ist ein Einzelschicksal.

Warum sage ich das, und warum sage ich das gerade hier? Nürnberg steht in besonderer Weise für die ideologische Dimension des nationalsozialistischen Wahnsinns. Nürnberg war die „Stadt der Reichsparteitage“. Hier wurden 1935 die menschenverachtenden Rassegesetze geschrieben.

Aber: Nürnberg war eben auch die Stadt der „Nürnberger Prozesse“, die nicht nur ein Meilenstein des Völkerrechts und damit auch unserer heutigen Rechtskultur sind, sondern auch am Anfang der historischen Aufarbeitung des NS-Unrechts standen.

Nürnberg ist also in vielfältiger Hinsicht „Ort des Geschehens“. Geschichte kann hier greifbar, wenn auch nicht fassbar werden.

Als Nürnberger sei mir mit angemessenem Lokalpatriotismus allerdings der Hinweis erlaubt: Nürnberg ist viel mehr als das! Ich hoffe, dass Sie auch Gelegenheit finden werden, Nürnberg in seiner ganzen Schönheit und historischen Bedeutung kennen zu lernen.

Die Aufarbeitung der eigenen Geschichte ist ein langwieriger und höchst komplexer Prozess.  Er wird – das sage ich gerade auch als Deutscher – kaum je abgeschlossen werden können. Zusammenkünfte wie diese bieten eine wichtige Möglichkeit zum Austausch von Meinungen und Erfahrungen über dieses Thema. Mir liegt sehr am Herzen, dass Sie diese Gelegenheit ergreifen.

Vielen Dank !

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