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Grußwort des Bundesaußenministers anlässlich des Empfangs für die Teilnehmer des 7. Internationalen Literaturfestivals Berlin

06.09.2007

Sehr geehrte Damen und Herren,

"Das gute Buch macht den Leser einzigartig und befreit ihn aus der Menge", so hat David Grossmann die Aufgabe von Literatur in seinem Eröffnungsvortrag beschrieben. Und er hat mich gestern in unserem gemeinsamen Gespräch noch einmal darin bestärkt, dass wir durch unsere Aussenpolitik und besonders durch unsere Auswärtige Kulturpolitik noch mehr dafür tun, um Menschen den Zugang zu unserer Kultur und Sprache zu ermöglichen, und auch umgekehrt unser Land noch mehr öffnen gegenüber Anregungen, Anstößen und Ansichten, die uns aus anderen Ländern und Kulturen erreichen.

Ich glaube, das Internationale Literaturfestival ist hierfür ein besonders gelungenes Beispiel.

Und so ist es vielleicht kein – und wenn dann ein glücklicher Zufall, dass Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus aller Welt zum gleichen Zeitpunkt in Berlin auf einander treffen, zu dem wir hier die Leiterinnen und Leiter unserer Vertretungen im Ausland versammelt haben.

Und so ist es eine besondere Ehre für mich, Sie heute als die Botschafter der Literaturen der Welt hier im Auswärtigen Amt zu empfangen.

Denn eines ist gewiß: dort wo Literatur Grenzen überschreiten kann, dort ist es nicht schlecht bestellt um die Freiheit des Geistes und der Menschen. Schon allein das macht Literatur politisch relevant und unverzichtbar.

Das Internationale Literaturfestival Berlin ist bekannt dafür, dass es sich nicht nur mit poetologischen und ästhetischen, sondern gerade auch mit kontroversen politischen Themen auseinandersetzt. Ob es um die Menschenrechte geht, um die Grenzen der Toleranz oder um soziale Probleme – in Lesungen, Werkstattgesprächen und Podiumsdiskussionen werden diese Themen angesprochen und damit auch einer größeren Öffentlichkeit präsentiert.

Und ich finde es ein wichtiges Zeichen, wenn im Rahmen des Literaturfestivals Lesungen aus den Werken der simbabwischen Dichter Hoves, Chirikurés und Marecharas hinweisen auf die Mißstände, die in diesem gebeutelten Land bestehen.

Aber mit der Überschreitung von Grenzen meine ich nicht nur die Überschreitung der geografischen Grenzen – auch das ist wichtig! – und auch nicht nur die Situation in anderen Ländern.

Sondern ich denke auch und besonders an die Überschreitung der Grenzen unseres Denkens, unserer Vorstellungen, Vorurteile und manchmal unserer Ordnung.

Denn eines scheint mir im Zeitalter der Globalisierung wichtiger denn je: Wir benötigen ein globales Bewußtsein von der Notwendigkeit einer Zusammenarbeit.

Und das schaffen wir nur, wenn wir geographische, politische, wirtschaftliche und kulturelle Trennlinien nicht als Grenzen verstehen, sondern als Orte der Begegnung und des Zusammenflusses.

Wir sollten keine Angst haben vor dem Fremden, dem Unbekannten oder dem Anderen. Denn Angst ist ein schlechter Ratgeber: sie führt zu Argwohn, Abschottung und im schlimmsten Fall zu Agressionen.

Sten Nadolny hat in seinem vor zwanzig Jahren erschienen Roman "Die Entdeckung der Langsamkeit" schon das beste Mittel gegen die Angst beschrieben. Es heißt: lernen!

Und so sind Sprache und Kultur – und Literatur als die Synthese der beiden vielleicht im besonderen Maße – das beste Mittel gegen Angst: Literatur kann uns helfen zu lernen, was uns an uns selbst und an anderen fremd und unbekannt erscheint.

Vielen Dank!

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