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Rede von Staatsminister Gloser auf dem 1. Wissenschaftstag der Metropolregion Nürnberg, 23.07.2007

23.07.2007

Sehr geehrter Herr Dr. Maly,
Herr Professor Dr. Grüske,
Herr Dr. Spaenle,
meine Damen und Herren,
liebe Gäste,

Ihrer Einladung, beim Wissenschaftstag der Metropolregion Nürnberg über Wissenschaft und Innovation als Herausforderung für Europa im 21. Jahrhundert zu sprechen, bin ich gerne nachgekommen. Kann ich doch damit heute in meiner Heimatstadt Nürnberg Regionalpatriotismus und meine Aufgabe als Staatsminister für Europa bestens verbinden!

Die EU hat sich mit der Lissabon-Strategie ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Sie will zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt werden. Sie begegnet damit in der Tat, wie Sie es formuliert haben, den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts!

Der Rückstand zu den USA und Japan ist groß. Neue Wettbewerber wie China und Indien holen mit großer Geschwindigkeit auf. Zwar werden bereits jetzt in Deutschland 2,5% des Bruttoinlandproduktes für Forschung und Entwicklung aufgewendet, bis 2010 wollen wir aber national und EU-weit einen Anteil der Forschungsausgaben von Wirtschaft und Staat von 3% erreichen. Das ist kein abstraktes Bürokratenziel. Denn wir wissen: Wer heute nicht in Wissenschaft und Forschung investiert, wird morgen nicht die hochwertigen Arbeitsplätze schaffen können, die wir zur Erhaltung unseres Wohlstands brauchen!

Die Nürnberger wissen, wovon ich spreche: Wir in Nürnberg können auf eine lange Tradition von Innovationen zurückblicken. Ich erinnere allein daran, dass um 1510 herum der fast vergessene deutsche Erfinder Peter Henlein hier die Taschenuhr entwickelt hat. Zu jener Zeit war Nürnberg das führende Zentrum Europas in der Herstellung von Metallarbeiten und optischen Geräten. Was das für eine Stadt und ihre Region bedeutet, ist noch heute sichtbar!

Um bei Peter Henlein zu bleiben: ich bin froh darüber, dass es nunmehr die Zusammenarbeit gibt und nach zwei Jahren kann ich feststellen, die Metropolregion tickt richtig.

Heute verfügt die Metropolregion Nürnberg mit 19 Hochschulen über eine exzellente Forschungslandschaft. In 6 Universitäten, 10 Fachhochschulen, den Fraunhofer-Instituten, aber auch zahlreichen Unternehmen arbeiten Forscher und Entwickler an innovativen Projekten. Die Leistungsfähigkeit und Zukunftsorientierung des Standortes lässt sich anhand der Patentaktivitäten beurteilen: mit 100 Patentanmeldungen je 100.000 Einwohner belegt die Region Mittelfranken nach dem deutschen Patentatlas den 4. Rang in Deutschland. Und nach den Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt belegen wir sogar Platz 5 unter den europäischen Patentregionen.

Wichtig ist, dass sich die Wissenschaft nicht im Elfenbeinturm versteckt. Magnifizenz, Ihr Engagement für den Wissenschaftstag der Metropolregion zeigt, dass Sie und Ihre Kollegen gemeinsam mit Wirtschaft und Politik dazu beitragen, unsere Region zu stärken!

Die Schlüsseltechnologien der Region liegen inzwischen in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnik, Energietechnik und Mechatronik, Medizintechnik und Pharma, Neue Materialien sowie Verkehrstechnik und Logistik. Auf diesen Feldern hat der Großraum die wissenschaftliche, technische und wirtschaftliche Kompetenz, um auch europaweit eine Führungsposition einzunehmen, was durch mehrere Standortrankings bestätigt wird.

Nürnberg ist auch ein Zentrum der deutsch-französischen Forschungskooperation, die mir als Beauftragtem der Bundesregierung für die deutsch-französische Zusammenarbeit natürlich besonders am Herzen liegt. Ganz im Sinne des Elysée-Vertrages steht die deutsch-französische Zusammenarbeit natürlich im Dienste Europas.

Erst letzten September habe ich der damaligen französischen Europaministerin, Catherine Colonna, beim gemeinsamen Besuch des Unternehmens PRINOVIS ein EU-Projekt aus dem Bereich Energieeffizienz gezeigt.

Und in Erlangen ist – um ein weiteres Beispiel zu nennen – der Konsortialführer des deutsch-französischen Forschungsgroßprojektes "INUMAC" – Siemens Medical Solutions – beheimatet. Bei diesem Projekt geht es darum neue Verfahren bei der Kernspintomographie für die medizinische Diagnostik und Behandlung zu entwickeln. Das Projekt wurde durch den Deutsch-Französischen Ministerrat auf den Weg gebracht.

Deutschland schneidet im Innovationswettbewerb international gut ab, doch hat sich der Anteil der Investitionen in Forschung und Entwicklung in den letzten Jahren verringert. Die Bundesregierung hat daher beschlossen, in der aktuellen Legislaturperiode zusätzlich 6 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung zu investieren. Die Hightech-Strategie für Deutschland ist eine über alle Ressorts hinweg reichende nationale Strategie, mit der wir Deutschland wieder an die Spitze der wichtigsten Zukunftsmärkte führen wollen. Alle Politikbereiche, die Forschung und Entwicklung berühren, ziehen mit. Mit der Hightech-Strategie für Deutschland hat die Bundesregierung das Steuer in der Innovationspolitik herumgeworfen.

Die Hightech-Strategie setzt vier innovationspolitische Schwerpunkte:

Erstens: Die Bundesregierung definiert Ziele für 17 Zukunftsfelder, in denen neue Arbeitsplätze entstehen und Wohlstand in Deutschland geschaffen werden können. Für jedes Ziel gibt es einen klaren Fahrplan, der Forschungsförderung und ihre Rahmenbedingungen stets gemeinsam betrachtet. Eine Stärken-Schwächen-Analyse zeigt, wo Deutschland in den verschiedenen Zukunftsfeldern steht und wo Handlungsbedarf besteht. In allen Feldern ist die zentrale Aufgabe, neue Märkte für Produkte und Dienstleistungen zu erschließen oder bestehende Märkte zu Leitmärkten auszubauen. Die Hightech-Strategie ist auf Bereiche fokussiert, die von herausragendem nationalen Interesse sind und über wirtschaftliche und wissenschaftliche Potenziale verfügen. Hierzu zählen die Gesundheits-, Sicherheits- und Energieforschung.

Zweitens: Die Bundesregierung bündelt in der Hightech-Strategie die Kräfte von Wirtschaft und Wissenschaft. Kooperationen und Gemeinschaftsprojekte werden so stark gefördert wie noch nie zuvor. Beispiele dafür sind die Einführung einer Forschungsprämie, die Förderung von Spitzenclustern oder das Hervorheben der besten Beispiele für die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft.

Drittens:Die Bundesregierung gibt mit der Hightech-Strategie neue Impulse für eine schnellere Umsetzung von Forschungsergebnissen in Produkte, Dienstleistungen und Verfahren. Im Rahmen der Hightech-Strategie werden neue Förderinstrumente entwickelt, mit denen Ideen und Forschungsergebnisse unbürokratisch auf ihre wirtschaftliche Anwendbarkeit und Verwertbarkeit überprüft werden können. Mit der Hightech-Strategie wird die Wirtschaft unterstützt, schneller Normen und Standards zu etablieren und ihre Entwicklungen damit wettbewerbsfähiger zu machen. Die öffentliche Beschaffung wird Innovationstreiber. Bei Ausschreibung und Einkauf sollen konsequent neue Produkte und Technologien berücksichtigt werden.

Viertens:Die Bundesregierung verbessert die Bedingungen für Hightech-Gründungen und den innovativen Mittelstand. Wir haben Existenzgründern den Weg in den Markt erleichtert, Unternehmern bei Kontakten zur Wissenschaft und bei der Umsetzung ihrer eigenen Forschung in Produkte geholfen. Kleine und mittlere Unternehmen kommen leichter an Fördermittel. Die Rahmenbedingungen werden verbessert: Die Unternehmenssteuerreform fördert Existenzgründer und kleine Unternehmen, der fortlaufende Bürokratieabbau hilft ihnen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Finanzierung von Forschungsvorhaben durch Banken und Investoren soll erleichtert, die Bedingungen für Wagniskapital verbessert werden.

Zur Stärkung der Innovationskraft stellt die Bundesregierung bis 2009 insgesamt rund 15 Milliarden Euro für Spitzentechnologien und technologieübergreifende Querschnittsmaßnahmen bereit. Damit leistet die Bundesregierung einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung des Ziels der Lissabon-Agenda für Wachstum und Beschäftigung, den Anteil der Investitionen in Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt bis 2010 auf drei Prozent zu steigern. Jetzt sind auch die Länder und insbesondere die Wirtschaft gefordert, ihren Beitrag zu leisten.

Die Bundesregierung hat damit einen Prozess für die gesamte Legislaturperiode initiiert, der fachübergreifend und langfristig angelegt ist. Umsetzung und Weiterentwicklung der Hightech-Strategie werden mit der "Forschungsunion Wirtschaft - Wissenschaft" aus Vertretern der Wirtschaft und der Wissenschaft unter Beteiligung der jeweils relevanten Ressorts regelmäßig auf den Prüfstand gestellt. Die Bundesregierung wird jetzt im September eine erste Bilanz ziehen.

Und die Europäische Union? Wo hat sie ihre Handlungsfelder?

Prof. Ernst - Ludwig Winnacker schrieb 2003 in einem Beitrag für die Alfred Herrhausen Gesellschaft mit dem Titel "Ein Europa der Wissenschaft". Darin zitiert er aus den Lebenserinnerungen Jean Monnets, erschienen 1972. "Wenn er noch einmal beginnen dürfte, würde er zuerst bei Wissenschaft und Kultur ansetzen."Winnacker interpretiert ihn: "Weil Monnet in Wissenschaft und Kultur per se globale Unternehmungen erkannte, die sich relativ einfach über Staatsgrenzen hinweg organisieren ließen.“Und Winnacker führt 2003 aus: "In einem Rahmen wie dem Europäischen Forschungsraum braucht es mehr als wissenschaftliche Erfolge. Um Höchstes leisten zu können, benötigen Wissenschaftler ein geeignetes Umfeld, geeignete Instrumente und Strukturen....Das einzige Gremium, das noch immer seiner offiziellen Einrichtung harrt, ist ein Europäischer Forschungsrat...Ich stelle ihn mir als Finanzierungsinstrumentarium vor, das auf internationaler oder nationaler Ebene einen Mehrwert schafft." 2007 ist diese Forderung Winnackers eingelöst worden. Der Forschungsrat hat seine Aufgabe aufgenommen. Ich komme noch darauf zu sprechen. Vielleicht hat sich EU von dem Gedanken Jean Monnets leiten lassen, denn die EU hat im Oktober 2005 erstmals einen Aktionsplan zu Forschung und Innovation vorgelegt, der ein integriertes Konzept im Bereich Forschung und Innovation verfolgt. Ziel der in diesem Plan genannten 19 Initiativen ist es, den Bereich Forschung und Entwicklung zu einem zentralen Anliegen der EU-Politik, der EU-Förderung und der Unternehmen zu machen. Die wichtigsten Initiativen umfassen die Konzentration auf neue Schwerpunkte bei staatlichen Beihilfen, den wirksamen Schutz intellektuellen Eigentums, die Mobilisierung zusätzlicher Forschungsgelder, die Schaffung innovativer Cluster und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Universitäten.

Die EU realisiert diese Ziele durch Rahmenprogramme, die mit den EU-Finanzierungszyklen übereinstimmen. Die Laufzeit des jetzt relevanten Siebten Forschungs-Rahmenprogramms umfasst den Zeitraum 2007 bis 2013. Fast 54 Mrd. Euro stehen im EU-Haushalt für Forschung und Innovation zur Verfügung. Der neu geschaffene Europäische Forschungsraum soll die europäische Forschung dadurch effizienter machen, dass die bisher eher lockere Zusammenarbeit zwischen Forschern und Forschungseinrichtungen durch Forschungsprogramme ersetzt werden, die über die Grenzen und Fachrichtungen hinweg integriert sind.

Hierbei stehen zwei Ziele im Vordergrund:

Ziel Nummer Eins:
Der Aufbau EU-weiter Exzellenzforen und die Finanzierung von Forschungsprogrammen von Weltrang, um das Ziel der Lissabon-Agenda für Wachstum und Beschäftigung zu verwirklichen, Europa zu einem dynamischen und wettbewerbsfähigen wissensgestützten Wirtschaftsraum zu machen.

Ziel Nummer Zwei: 
Die effektivere Umsetzung der EU-Politik in Bereichen wie Gesundheit, Verbraucherschutz, Energie, Umwelt, Entwicklungshilfe, Landwirtschaft und Fischerei, Biotechnologie, Information und Kommunikation auf Basis neuer Forschungsergebnisse.

Das Siebte Forschungsrahmenprogramm konzentriert sich auf neun Fachdisziplinen: Gesundheit, Lebensmittel, Landwirtschaft und Biotechnologie, Informations- und Kommunikationstechnologien, Nanowissenschaften, Energie, Umwelt (einschließlich des Klimawandels), Verkehr (mit der Luftfahrt), Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften sowie Sicherheit und Weltraum

Dabei verfolgt das Rahmenprogramm folgende Ansätze:

Erstens: Länderübergreifende Zusammenarbeit (cooperation)
Annähernd 60 % der Fördermittel des Siebten Forschungs-Rahmenprogramms werden für länderübergreifende Projekte zur Verfügung gestellt..

Die EU kommt innerhalb des Siebten Forschungs-Rahmenprogramms in der Regel für 50 % der Forschungskosten auf, KMU können jedoch Zuschüsse von bis zu 75 % erhalten. Grundsätzlich sollen Fördermittel für Projekte mit länderübergreifendem Ansatz eingesetzt werden. In bestimmten Fällen können aber auch nationale Projekte für eine Förderung in Frage kommen. Viele Nicht-EU-Länder haben Kooperationsabkommen, die eine Teilnahme ihrer Forschungseinrichtungen an Rahmenprogramm-Projekten ermöglichen.

Zweitens: die Schaffung von Kapazitäten (capacities)
Das Siebte Forschungs-Rahmenprogramm fördert auch beispielsweise Projekte, die von der EU-eigenen Gemeinsamen Forschungsstelle durchgeführt werden. EU-weit gibt es sieben Forschungszentren, die Forschung in Bereichen betreiben, welche die Entwicklung der EU-Politik unterstützen, angefangen bei der Fernerkundung, um aufkommende Nahrungsmittelkrisen in Entwicklungsländern aufzuspüren, bis hin zur nuklearen Sicherheit, der Reduzierung der Notwendigkeit von Tierversuchen für Arzneimittel und der Bekämpfung der Luftverschmutzung.

Zu den Forschungsfeldern, die von der EU finanziell gefördert werden, gehört etwa auch die Kernfusion, eine technologisch äußerst schwer realisierbare Alternative zur Kernspaltung, die derzeit in den Kernkraftwerken eingesetzt wird. Im Rahmen des ITER-Projekts arbeiten die EU, China, Indien, Japan, Kanada, Korea, Russland und die Vereinigten Staaten an Plänen für den ersten Kernfusionsreaktor, der so viel Strom wie ein normales Kraftwerk erzeugen soll. Der Bau des ITER-Reaktors erfolgt in Cadarache/Frankreich. Der ITER-Reaktor arbeitet im wissenschaftlich-technischen Grenzbereichen. Er wird ein gewaltiger Wissensträger sein. Wir wollen sehen, ob Fusionsreaktoren einen sicheren, dauerhaft tragbaren, umweltverträglichen und wirtschaftlichen Beitrag zur Energieversorgung leisten können.

Die EU engagiert sich stärker im Weltraum, dem zum ersten Mal eine eigene Programmlinie des Siebten Forschungsrahmenprogramms gewidmet ist. Die EU kooperiert mit der Europäischen Weltraumagentur ESA in Bereichen wie Trägerraketen, satellitengestützte Kommunikation, bemannte Raumfahrt und Mikroschwerkraft. Während unserer Ratspräsidentschaft tagte am 21. Mai der gemeinsame Weltraumrat von EU und ESA. Dank des Projekts der Globalen Umwelt- und Sicherheitsüberwachung, das ein Schwerpunkt des Siebten Forschungsrahmenprogramms ist, sollen politische Entscheidungsträger in die Lage versetzt werden, Umwelt- und Sicherheitskrisen frühzeitig zu erkennen und entsprechend darauf reagieren zu können.

Drittens: die Förderung von Ideen (ideas)
Mit dem Startschuss für das Siebte Forschungsrahmenprogramm zum 1. Januar 2007 und der damit verbundenen Gründung des Europäischen Forschungsrates mit einer Fördersumme von mehr als 1 Mrd. Euro pro Jahr ist nun ein neues Kapitel der Europäischen Forschungsförderung eröffnet worden.

Augenfälligste Neuerungen sind:

  • die Förderung der Sicherheitsforschung,
  • eine vollständige Öffnung des Forschungsrahmenprogramms für die Kooperation mit Drittstaaten und
  • insbesondere der nunmehr mögliche, direkte Einstieg in die Grundlagenforschung.

Mit der Einrichtung eines Europäischen Forschungsrates wird die EU zum ersten Mal gezielt die Grundlagenforschung fördern, die bisher stets der nationalen Förderebene vorbehalten war, während der Schwerpunkt des EU-Forschungsrahmenprogramms auf der industriellen Forschung lag. Dieser Schritt ist richtig: Innovationen auf der Grundlage exzellenter Pionierforschung führen zur Überwindung bestehender Grenzen, zur Schaffung neuer und zur Sicherung bestehender Arbeitsplätze. Im Zeitraum von 2007 bis 2013 stehen dafür Mittel in Höhe von 7,5 Milliarden Euro zur Verfügung, die nach dem Exzellenzprinzip vergeben werden. Der Forschungsrat identifiziert und fördert auch exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchs. Nicht von ungefähr wurde Professor Winnacker, der vormalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, zum ersten Generalsekretär des Europäischen Forschungsrats ernannt. Die EU hat sich am bewährten deutschen Vorbild orientiert.

Viertens: die Förderung von Humanressourcen (people)
Einer europäischen Studie zufolge fehlen in Europa 700.000 Forscherinnen und Forscher. Befähigte jüngere Menschen entscheiden sich zu selten für eine Forscherkarriere oder brechen diese aufgrund der ungünstigen Rahmenbedingungen – insbesondere unzureichende Investitionen in die Forschung – ab. Auf deutsche Initiative erhielt das Programm zur Förderung von "Exzellenzteams" - das die Möglichkeit der Gründung eigener Arbeitsgruppen für exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchs eröffnet - eine neue und finanziell wesentlich besser ausgestattete Heimat im Europäischen Forschungsraum.

Der Start des Siebten Forschungsrahmenprogramms wird durch eine Reihe von forschungspolitischen und rechtlichen Entscheidungen flankiert. Hierzu gehören die Förderung von bis zu vier gemeinsamen Programmen von Mitgliedstaaten nach Art. 169 EG-Vertrag und bis zu 6 Gemeinsamen Technologieinitiativen nach Art. 171 EG-Vertrag. Diese Maßnahmenpakete sollen die zusammenhängende Umsetzung europäischer Forschungsbemühungen in strategischen Technologiebereichen der Zukunft sicherstellen und beschleunigen. Es sind wichtige Initiativen sowohl für die deutsche Hightech-Strategie als auch für die Stärkung des Europäischen Forschungsraums.

Fachliche Schwerpunkte dieser Initiativen sind innovative Arzneimittel, Nanoelektronik, Datenverarbeitung, Wasserstoff- und Brennstoffzellen, Luftfahrt- und Luftverkehrsmanagement sowie globale Überwachung für Umwelt und Sicherheit (GMES). Weitere gemeinsame Technologieinitiativen - wie etwa in den Bereichen der emissionsfreien Stromerzeugung und der erneuerbaren Energien – könnten zu einem späteren Zeitpunkt während der Durchführung des Siebten Forschungsrahmenprogramms vorgeschlagen werden.

Konkret wird hier in den Ratsgremien zur Zeit die Joint-Technologie Initiative Clean Sky beraten. Hierbei handelt es sich um die Entwicklung von umweltfreundlichen Luftverkehrstechnologien. Der Fokus liegt hierbei auf Wirtschaftlichkeit und Ökologie mit Blick auf eine frühestmögliche Umsetzung. Wenn wir uns die dynamische Zunahme des Luftverkehrs vor Augen halten, werden wir zur Erreichung der Klimaziele hier sehr schnelle Ergebnisse benötigen!

Last but not least sollen die Beratungen über den Vorschlag zur Einrichtung eines Europäischen Technologie Instituts abgeschlossen werden. Unter deutscher Ratspräsidentschaft konnten wir wichtige deutsche Anliegen wie eine lockere Netzwerkstruktur durchsetzen. Wir wollten keine unnötige Bürokratie! Der Finanzrahmen in Höhe von gut 300 Mio. EURO steht, jetzt geht es noch um die genaue Verankerung im EU-Haushalt. Die optimale Nutzung des Wissensdreiecks von Forschung, Bildung und Innovation ist für eine dynamische Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Das Europäische Technologieinstitut EIT, zu dem der politische Abstimmungsprozess auf EU-Ebene bis Ende des Jahres abgeschlossen werden soll, soll künftig die drei Seiten dieses Dreiecks stärker miteinander verbinden, Forschungsergebnisse stimulieren und in kommerzielle Anwendungen umsetzen. Der Name EIT erinnert bewusst an berühmte amerikanische Vorbilder. Es ist gut, dass sich Europa große Ziele setzt.

Das EIT soll Innovationspartnerschaften gründen, unternehmerische Initiative befördern und Ergebnisse aus dem Bereich Forschung und Entwicklung schneller in Geschäftsmodelle umsetzen. Die deutsche Ratspräsidentschaft hat sich für einen europäischen Exzellenzwettbewerb zur Erreichung dieser Ziele eingesetzt.

Das EIT übernimmt damit Funktionen, die wir in Nürnberg schon vor bald 60 Jahren mit der Einrichtung der Erfindermesse begonnen haben, nämlich die Vermarktung von Erfindungen.

Darüber hinaus geht es jedoch auch um die Verbesserung der Systeme, insbesondere der Mobilität und Durchlässigkeit von und zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Industrie. Der Mobilität zur Steigerung der Internationalität unserer Hochschulen und der Erhöhung ihrer Attraktivität gerade für die besten Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt muss in Zeiten einer zunehmenden Globalisierung und im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Darüber hinaus ist ein interdisziplinärer Austausch ebenso wichtig wie der Austausch zwischen Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung sowie zwischen Forschung und Industrie.

Was noch?

Wichtige Ergänzung für die europäische Zusammenarbeit bei Forschung und Innovation ist ein europäisches Patentrecht. Alle EU-Mitgliedstaaten wissen, wie wichtig dieses Thema zum Schutz des von unseren Forschern erarbeiteten geistigen Eigentums ist, dennoch lassen sich tief verwurzelte Traditionen leider nur sehr langsam zusammenführen. Dagegen wird es voraussichtlich bei der Schaffung übergreifender Standards im ebenso wichtigen Bereich der Normen schneller zu Übereinkünften kommen. Ein Zusammenwirken all dieser Bausteine wird Europa gegenüber den Herausforderungen des internationalen Wettbewerbs auch in Zukunft bestehen lassen.

Fast könnte man auch hier das Motto unserer Präsidentschaft anwenden: Europa gelingt gemeinsam.

Fazit:
Sie sehen, Forschungs- und Innovationsaktivitäten auf europäischer Ebene und die High-Tech-Strategie für Deutschland ergänzen sich! Gemeinsam erreichen wir in wichtigen Bereichen die häufig für finanzielle Unterstützung notwendige kritische Masse, mit denen wir Zukunftsprojekte erfolgreich starten können.

Um die Aussichten unserer Metropolregion Nürnberg mache ich mir deshalb keine Sorgen. Wir sind hier hervorragend aufgestellt, einen neuen Peter Henlein hervorzubringen. Vielleicht in der modernen Form eines Forschungsclusters!

Aber Vorsicht: wir können uns auf dem Erreichten nicht ausruhen. Nachhaltige Innovationsfähigkeit bedeutet vor allem: am Ball bleiben. In den Foren am heutigen Nachmittag wird erörtert wie die Innovationskraft unserer Region zu sichern ist.

Innovationen setzen nicht selten Mut voraus, eingefahrene Wege zu verlassen und Forschungs- und Anwendungsgebiete neu zu verknüpfen. Heute nachmittag werden wir uns beispielsweise in den Foren Medizin-Gesundheit und Information-Kommunikation begegnen. Bei einer nächsten Begegnung stellen wir vielleicht einmal die Dinge Kopf und suchen Kooperationsfelder in den Bereichen Medizin-Information und Gesundheit-Kommunikation.

Aus Anlass des 150 Geburtstags von Max Planck – so hat das Bundeskabinett vergangenen Mittwoch beschlossen – wird es eine 10-EURO-Gedenkmünze geben. Der glatte Münzrand enthält die Inschrift:

"Dem Anwenden muss das Erkennen voraus gehen"

Ich bin mir sicher, die Europäische Union, die Bundesregierung, die bayerische Staatsregierung sowie die Metropolregion fühlen sich Max Planck verpflichtet.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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