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"Es wäre ein großer Fehler, dieses Abkommen aufs Spiel zu setzen"

Außenminister Gabriel im Interview mit der Huffington Post (23.09.2017). Themen: Nordkorea-Konflikt, Iran-Abkommen, Deutschlands Rolle in der Welt

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Herr Gabriel, die Nordkorea-Krise hält die Welt in Atem, das Iran-Abkommen wackelt: Es gibt viele Menschen, die sich sorgen, die Welt, wie wir sie kennen, könnte aus den Fugen geraten. Was antworten Sie denen?

Die Lage ist tatsächlich beunruhigend. Ich bin Vater von drei Kindern und frage mich manchmal, in was für einer Welt sie da aufwachsen.

Was ist das für eine Welt?

Wenn wir nicht aufpassen, stehen wir vor einer dramatischen Aufrüstungsspirale. Wenn es Nordkorea gelingt, sich eine Atombombe zu besorgen, während die Welt tatenlos zuschaut, werden andere Länder folgen. Dadurch wird die Welt viel gefährlicher.

US-Präsident Donald Trump hat vor der UN-Vollversammlung eine sehr deutliche Botschaft Richtung Iran gesendet und mit dem Ende des Atom-Abkommens gedroht.

Die restliche Welt hat klar auf Donald Trump geantwortet: Es wäre ein großer Fehler, dieses Abkommen aufs Spiel zu setzen.

Meinen Sie, das hat Trump beeindruckt?

Ich weiß es nicht. Ich kenne seinen Außenminister, der ein sehr kluger und abwägender Mann ist. Er hat den Nordkoreanern ein beispielloses Angebot gemacht: Verzichtet das Land auf die Atombombe, sichern die USA zu, weder einen Einmarsch noch einen Regimewechsel anzustreben.

Glauben Sie, das wird den nordkoreanischen Staatschef beeindrucken?

Genau das ist das Problem. Wenn die USA ein solches Angebot machen und zeitgleich einen Vertrag mit einem anderen Land auflösen - warum sollten sich die Nordkoreaner dann auf diesen Deal einlassen? Das ist einer der Gründe, warum wir als Europäer und Deutsche für den Erhalt des Nuklearabkommens mit dem Iran sind. Ein Scheitern dieses Abkommens wäre eine Katastrophe. Es ist das einzige funktionierende Abkommen dieser Art auf der Welt. Kein Land würde sich jemals wieder auf einen solchen Prozess einlassen, wenn dieses Abkommen scheitert.

Warum verstehen die Amerikaner das nicht?

Trump sieht den Iran als Treiber von Krieg und Bürgerkrieg im Jemen, in Syrien und in anderen Regionen. Deshalb gilt ein Deal mit den Iranern als so schwierig.

Teilen Sie die Position?

Der Iran verhält sich problematisch, keine Frage. Wir müssen deshalb den Druck erhöhen. Aber ein Scheitern des Atom-Abkommens würde daran nichts ändern. Das muss Trump begreifen.

Schmieden Sie zu diesem Thema eine Koalition gegen die USA?

Es gibt sowieso eine Koalition mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Wir sind überzeugt, dass das Nuklearabkommen erhalten werden muss. Diese Position teilen übrigens auch China und Russland. Nur die USA wollen es aufkündigen.

Inwiefern ändert sich in dieser Lage die Rolle Deutschlands in der Welt?

Unsere Rolle hat sich längst geändert. Viele Deutsche wissen gar nicht, wie gut unser Ruf weltweit ist. Wir gelten als ein Land, das im Zweifel seine eigenen Interessen zurückstellt im Sinne einer gemeinschaftlichen Lösung. Wir gelten als fair und hilfsbereit. In der UN sind wir der zweitgrößte Geldgeber.

Aber wir hadern damit, eine Führungsrolle zu übernehmen.

Die deutsche Erfahrung ist, dass es nichts nützt, allein loszulaufen. Wir suchen immer das Gespräch mit Frankreich, Großbritannien und anderen Ländern.

Interview:  Cherno Jobatey, Jürgen Klöckner, Sebastian Matthes

www.huffingtonpost.de

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