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"Wir trauern mit Israel"

Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Tod des früheren israelischen Präsidenten Shimon Peres. Erschienen in der israelischen Zeitung Haaretz (30.09.2016).

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Heute kommt die Welt in Jerusalem zusammen, um Abschied zu nehmen von einem der ganz Großen unserer Zeit. Wir trauern mit Israel, dem Land der Überlebenden, das Shimon Peres mit aufgebaut, dem er über Jahrzehnte mit Stolz gedient und das er mit Wort und Tat geprägt hat. Deutschland trauert um einen hoch geschätzten treuen Freund und Partner und verneigt sich in großer Dankbarkeit und tiefem Respekt vor seinem Lebenswerk.

Shimon Peres hat im festen Willen, Vergangenheit und Zukunft zu verbinden, die einzigartige Freundschaft mit begründet, die zwischen Israel und Deutschland gewachsen ist. 1986 besuchte er als erster israelischer Premierminister das damals geteilte Berlin - eine Stadt mit vielen Erinnerungen, und auch, wie er damals sagte, mit vielen Hoffnungen verknüpft. Er hat Recht behalten: Wie selbstverständlich genießt, nur wenige Jahrzehnte später, Israels Jugend, was das bunte Berlin zu bieten hat.

Dass wir uns finden konnten, durch alle Dunkelheit hindurch, ist uns Deutschen ein wahrhaftiges Wunder. 2010 sagte Shimon Peres vor dem Deutschen Bundestag: „Die Brücke über dem Abgrund wurde mit schmerzenden Händen und Schultern, die dem Gewicht der Erinnerung kaum standhielten, aufgebaut, und sie steht auf starken, moralischen Grundfesten“. Und in der Tat: Wir Heutigen stehen in Demut vor der menschlichen und politischen Größe Shimon Peres‘ und seiner Generation.

Shimon Peres war überzeugt, dass die Zukunft erträumt werden muss – und nicht etwa, weil das ein hehres Ziel ist. Den „Horizont der Hoffnung“ nie aus den Augen zu verlieren war ihm nichts weniger als eine handfeste Verpflichtung. Vielleicht auch weil der Blick zurück den Blick nach vorn schärft, wollte Shimon Peres eine Zukunft des gemeinsamen Fortschritts, des Erfolgs, der Freiheit für die Jugend Israels und in der Region.

Aus der tiefen Überzeugung, dass es möglich ist, den Lauf der Geschichte zu verändern, stand Shimon Peres dafür ein, Konfrontation und Feindseligkeit zu überwinden. Unermüdlich trat er dafür ein, dass, wie er sagte, der jüdische Staat mit dem Namen Israel eines Tages Seite an Seite in Freundschaft und Zusammenarbeit mit einem arabischen Staat Palästina leben würde – auch aus der Überzeugung, dass Frieden „nicht unbedingt aus Liebe, sondern aus Notwendigkeit“ entsteht.

Er legte den Grundstein für einen israelisch-palästinensischen Ausgleich und eine friedliche und gemeinsame Zukunft für Israel und seine Nachbarn – und blieb diesem Ziel bis zuletzt treu. Um bloße Wünsche und Luftschlösser ging es ihm nie, sondern darum gangbare Wege zu finden.

Ich habe, wie so viele, die heute hier zusammenkommen oder von fern mit dem israelischen Volk trauern, die Weitsicht und den Mut Shimon Peres‘ bewundert. Er war ein großer Mann, sein Lebenswerk ist uns Vorbild und Auftrag. Er wird uns allen so sehr fehlen.

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