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Kambodscha: Konservierung der Tempelanlage in Angkor

In Südostasien, inmitten  der Wälder Kambodschas, liegen einige der beeindruckendsten Kulturzeugnisse der Welt. Die Tempelstadt Angkor, seit 1992 in der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes eingetragen, zieht mit ihren gewaltigen Ausmaßen und der künstlerischen Vielfalt an Darstellungen die Menschen in ihren Bann. Durch sein Kulturerhalt-Programm unterstützt das Auswärtige Amt Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten in Angkor und bildet Restauratoren und Konservatoren aus.

Vom 9. bis ins 14. Jahrhundert lag in Kambodscha das Zentrum des Reiches der Khmer-Hochkultur. Größter und wichtigster Tempel  im Angkor Park ist der Angkor Wat. Seine Oberfläche zieren einmalige Steinbildhauerarbeiten, darunter nahezu 1850, im Volksmund "Apsaras" genannte, himmlische Wesen, bis zu 100 Meter lange Flachreliefs in den Galerien und wie aus Holz geschnitzte Giebelfelder, deren Zustand jedoch zum Teil besorgniserregend ist. Viele wurden bereits Opfer der Verwit­terung.

Nach der Anerkennung von Angkor als Weltkulturerbe durch die UNESCO wurde das "International Coordinating Committee for the Safeguarding and Development of the Historic Site of Angkor (ICC Angkor)" ins Leben gerufen, das die internationalen Anstrengungen zum Erhalt von Angkor gemeinsam mit der UNESCO koordiniert. Expertenteams aus 16 Nationen arbeiten seit 1993  an Erhalt und Erforschung der Tempelanlagen, die eine magnetische Anziehungskraft auf eine ständig wachsende Zahl von Touristen ausüben. Allein 2015 kamen circa dreieinhalb Millionen Menschen in den rund vierhundert Quadratkilometer großen Angkor Park.

Mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amts restauriert ein Team der Technischen Hochschule Köln unter Leitung von Prof. Dr. Hans Leisen seit 1995 die aus dem 12. Jahrhundert stammenden Sandstein-Reliefs am größten Sakralbau der Welt und Dekorationen aus Sandstein, Ziegel und Stuck an vielen anderen Tempeln.

Restaurierungsarbeiten am Prasat Kravan Tempel

Restaurierungsarbeiten am Prasat Kravan Tempel
© Leisen/TH Köln

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Restaurierungsarbeiten am Prasat Kravan Tempel

Restaurierungsarbeiten am Prasat Kravan Tempel

Restaurierungsarbeiten am Prasat Kravan Tempel

Deutsch-Kambodschanische Zusammenarbeit

Die Restaurierungs- und Konservierungsmaß­nahmen werden durch Dozenten und Studierende des Instituts für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft gemeinsam mit einem kambodschanischen Konservatorenteam ausgeführt. Eine wesentliche Komponente des Projekts ist die Aus‐ und Fortbildung sowohl einheimischer als auch deutscher Restauratoren im Bereich der Stein-, Stuck- und Ziegelrestaurierung. Unterstützung erhält das Projekt durch externe Wissenschaftler der Fachrich­tungen Geologie, Geo-Mi­krobiologie, Materialwissenschaften, und Chemie, die die Restauratoren häufig unentgeltlich unterstützen.

Jeder Naturstein hat seine charakteristischen Eigenschaften; jeder verwittert unterschiedlich. Seit 1995 wurden deshalb die Sandsteine von Angkor und die Schadenseinflüsse genau unter die Lupe genommen und Methoden zur Konservierung erarbeitet. Jede Situation, jeder Tempel wird individuell bearbeitet, und alle Schritte müssen detailliert dokumentiert werden. Vergleichbar ist das Vorgehen bei den Ziegeltempeln und ihren Stuckdekorationen.

Restaurierung und Konservierung von 25 Tempeln

Seit 2002 hat das "German Apsara Conservation Project" (GACP) seine Aktivitäten auf viele Tempel im Angkor Park, auf den Kulen Bergen im Norden Angkors, in Koh Ker und Preah Khan Kompong Svey ausgedehnt. Insgesamt wurde bislang an rund 25 Tempeln und einzelnen Objekten, wie den lebensgroßen Tieren auf den Kulen Bergen, gearbeitet. 

Derzeit finden durch das GACP Erhaltungsmaßnahmen an den Sandstein-Reliefs, den Stuckdekorationen und an Ziegelstrukturen an mehreren Tempeln statt: Angkor Wat, Bakong Tempel, Lolei Tempel, Prasat Kravan, West Mebon und Ta Keo Tempel. Wissenschaftler des GACP haben zudem ein Inventar der Innenraumfassungen (gemalte Dekorationen) in den Tempeln von Angkor, Koh Ker und Sambor Prei Kuk und der Stuckdekorationen in der vorangkorianischen Tempelstadt Sambor Prei Kuk erstellt und sie vor dem endgültigen Verlust durch Notsicherungsmaßnahmen gesichert.

Das GACP zählt zu den umfangreichsten Kulturerhalt-Projekten der Bundesregierung. Mit seinen Arbeitsmethoden und -techniken sowie den Ergebnissen seiner Arbeit hat sich das deutsche Team hohe internationale Anerkennung erworben und einen bedeutenden Beitrag zur Stärkung der Wirtschaft Kambodschas geleistet.

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