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Iran: Das Sistani Haus in der Zitadelle von Bam

Nach dem verheerenden Erdbeben von 2003 waren weite Teile der Zitadelle von Bam im südöstlichen Iran schwer beschädigt. Auch das so genannte Sistani Haus gehörte zu diesen beschädigten Bauwerken. Es wurde in den Jahren 2007 bis 2014 durch eine Kooperation zwischen der Iranischen Kulturerbeorganisation ICHHTO und der Technischen Universität Dresden, Lehrstuhl für Tragwerksplanung im Rahmen des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amts erdbebenresistent wiederhergestellt.

Beim Sistani Haus handelt es sich um ein Wohnhaus einer wohlhabenden Familie; es entstand in seiner heutigen Form weitgehend kurz nach 1800 im zentralen Bereich der umwehrten Stadt. Das Haus ist vollständig aus Lehmsteinen hergestellt und verfügt über zwei begrünte Höfe, um die sich elegant proportionierte Räume mit Gewölbedecken gruppieren.

UNESCO Weltkulturerbe

Das Erdbeben vom Dezember 2003 verursachte starke Schäden an sämtlichen Bauwerken der Zitadelle. Unmittelbar nach dem Erdbeben wurde die Zitadelle auf die Welterbeliste der UNESCO gesetzt. Der Zerstörungsgrad im Sistani Haus war sehr unterschiedlich. In einigen Räumen waren die Wände bis auf das Fußbodenniveau kollabiert, in anderen Bereichen haben sogar Teile der Gewölbedecken die Erschütterungen überstanden.

Blick auf den Nordflügel im Jahr 2008

Blick auf den Nordflügel im Jahr 2008
© Babak Sedighi

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Blick auf den Nordflügel im Jahr 2008

Blick auf den Nordflügel im Jahr 2008

Blick auf den Nordflügel im Jahr 2008

Erdbebenresistente Rekonstruktion des Hauses

Im Jahr 2007 wurde der Lehrstuhl Professor Jäger der Technischen Universität Dresden um einen Vorschlag zur erdbebenresistenten Festigung und Rekonstruktion des Hauses gebeten. Der vorgestellte Vorschlag umfasste einen mehrstufigen Ansatz. Zunächst wurde die überkommene Substanz vermessen und bauforscherisch untersucht. Gleichzeitig wurden palmenfasernbewehrte Lehmsteine entwickelt und in Serie produziert. Das erhalten gebliebene Mauerwerk wurde gesichert und verstärkt. Dadurch wurde es in den Zustand versetzt, wieder Lasten aufnehmen zu können. Ferner wurde in das Mauerwerk ein System von Vertikal- und Horizontalankern aus Glasfaserstäben eingebracht.

Den Arbeiten ist eine intensive Phase theoretischer und praktischer Untersuchungen vorausgegangen. In diesen Tests konnte die angewendete Technologie erfolgreich auf ihre Wirksamkeit geprüft werden.

Deutsch-iranische Kooperation

Die Umsetzung vor Ort erfolgte in mehreren Jahreskampagnen. Dabei wurde von deutscher Seite die Bauaufnahme und die bauhistorische Dokumentation sowie die technischen Sicherungs- und Verankerungsarbeiten durchgeführt. Der iranische Projektpartner übernahm die Produktion der entwickelten Lehmsteine, sowie die praktische Rekonstruktion von zerstörten Mauerwerks- und Gewölbeteilen.

Über die Bearbeitungszeit hat sich eine kollegiale Zusammenarbeit mit der iranischen Kulturerbeorganisation (ICHHTO) ergeben, die sich bis heute erhalten hat und von der das Projekt ohne Zweifel sehr profitiert hat.

Nach einer längeren Bauphase kann das Gebäude im Jahr 2016 fertiggestellt werden und feierlich zur Nutzung durch die iranische Kulturerbehörde übergeben werden.


Stand 07.04.2016

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