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Ziele der Außenwissen­schaftspolitik

Die Außenwissenschaftspolitik des Auswärtigen Amts fördert den akademischen und wissenschaftlichen Austausch zwischen Deutschland und der Welt. In einer globalisierten Wissensgesellschaft, in der Bildung und Know-how weltweit verfügbar und in Sekundenschnelle abrufbar sind, ist die grenzüberschreitende Vernetzung des Wissenschafts- und Forschungsstandorts Deutschland unverzichtbar. Sie ist Voraussetzung für den Zugewinn an Wissen und für technologischen Fortschritt sowie Wachstum und Wohlstand hierzulande. Zudem ermöglicht es der weltweite Austausch, gemeinsam nach Lösungen für globale Herausforderungen – wie Klimawandel, Energiesicherheit und Terrorismus – zu suchen.

Insbesondere in Zeiten, in denen sich das Umfeld durch neue Konflikte in der Nachbarschaft Europas und darüber hinaus verändert, leistet die Außenwissenschaftspolitik (AWP) einen wichtigen Beitrag: denn AWP ist Außenpolitik und Standortpolitik zugleich. Für Deutschland ist es als Hightech-Standort wichtig, in weltweite Wissensflüsse und Wertschöpfungsketten integriert zu sein. Eine gelungene internationale Vernetzung bedeutet einen unmittelbaren Wettbewerbsvorteil. Wissenschaftliche Exzellenz lebt vom Austausch und vom Wettbewerb der weltweit Besten. Die AWP ergreift daher Maßnahmen, um Deutschlands Position als international attraktiver Studien- und Forschungsstandort weiter zu festigen.

Durch die Ausbildung künftiger Eliten in Partnerländern kann Bildung und Wissenschaft zu Krisenprävention und -bewältigung sowie Transformationsanstrengungen beitragen. Der akademische und wissenschaftliche Austausch wirkt nicht nur über Ländergrenzen hinweg, er führt auch über kulturelle und politische Gräben. AWP ist damit ein wesentlicher Baustein der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik.

Deutschland ist als Studienstandort für ausländische Studierende in den vergangenen Jahren immer attraktiver geworden. Im Jahr 2015 waren an deutschen Hochschulen 321.569 ausländische Studierende eingeschrieben. Somit kommen mittlerweile 11,9 Prozent aller Studierenden an deutschen Hochschulen aus dem Ausland. Die meisten von ihnen kamen im Jahr 2015 aus China (30.000). Auf Platz zwei und drei der wichtigsten Herkunftsländer folgen Indien und Russland vor Österreich, Frankreich und Italien. Dabei wählen ausländische Studierende im Vergleich zu ihren deutschen Kommilitonen überdurchschnittlich häufig ein ingenieurswissenschaftliches Fach.

Ebenso steigt die Zahl der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in Deutschland arbeiten. Schätzungen zufolge beläuft sich die Zahl der ausländischen Wissenschaftler, die sich im Jahr 2014 zeitweise oder dauerhaft in Deutschland aufhielten, auf über 85.000. Zu den wichtigsten Herkunftsländern dieser Wissenschaftler, die an Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und in Unternehmen arbeiten, zählen China, Italien, Österreich, Russland und die USA. Stark steigend im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Wissenschaftler aus Iran (+17 Prozent) und Indien (+11 Prozent). Dabei stammen die ausländischen Wissenschaftler im Vergleich zu ihren deutschen Kollegen überdurchschnittlich oft aus den Fachgebieten Mathematik und Naturwissenschaften, Ingenieurswissenschaften, sowie Medizin und Gesundheitswissenschaften. Deutsche Hochschulen sind mit allen Regionen der Welt vernetzt. Insgesamt unterhalten rund 280 deutsche Hochschulen mehr als 20.000 internationale Kooperationen mit etwa 4.100 Partnerschulen in 141 Ländern.

Was heißt Außenwissenschaftspolitik konkret?

Die wichtigsten Maßnahmen der Außenwissenschaftspolitik umfassen im Wesentlichen folgendes:

  • Transnationale Bildungsprojekte (TNB)

    TNB reichen von bi-nationalen Studiengängen über Exzellenz- und Fachzentren bis zur Gründung umfassender bi-nationaler Hochschulen. Deutsche Hochschulen sind weltweit an 261 TNB-Studiengängen mit insgesamt 28.500 Studierenden beteiligt. Sie sind Leuchttürme deutscher Wissenschaftskooperation in Partnerländern. Ein Schwerpunkt der Aktivitäten des Auswärtigen Amts liegt hier auf der Weiterentwicklung bewährter Maßnahmen wie den DAAD-Exzellenzzentren der Forschung und Lehre und den DAAD-Fachzentren in Afrika. Als herausragendes Beispiel für ein TNB ist die Deutsch-Jordanische Universität zu nennen, deren Studienverlauf ein obligatorisches Ausbildungsjahr in Deutschland beinhaltet. Jeder der ca. 4000 Studierenden verbringt dieses Jahr zur Hälfte an einer deutschen Partnerhochschule, die restlichen sechs Monate absolvieren die Studierenden ein Praktikum bei einem deutschen Unternehmen.

  • Stärkung und Sichtbarkeit des Forschungs- und Innovationsstandorts Deutschland im Ausland

    In den Jahren 2008/2009 initiierten das Auswärtige Amt und die Allianz der Wissenschaftsorganisationen die Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser (DWIH) mit dem Ziel, Deutschland als Forschungs-, Wissenschafts- und Innovationsstandort zu stärken. Grundlage für die Arbeit der DWIH bilden die Strategie zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung der Bundesregierung (2008), die Initiative AWP (seit 2009) und der Aktionsplan "Internationale Kooperation" (2014). Als "Schaufenster" deutscher Wissenschaftsorganisationen bewerben die DWIH in New York, Tokio, São Paulo, Neu-Delhi und Moskau den Standort Deutschland. Daneben zählen die Förderung von Netzwerken zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie die Beratung und Unterstützung interessierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu den Aufgaben der DWIH. Ein gemeinschaftlicher und organisationsübergreifender Auftritt deutscher Wissenschafts- und Forschungsorganisationen sowie der forschenden Industrie im Ausland stärkt Deutschlands Rolle und vernetzt die entscheidenden Akteure wie es keine andere deutsche Einrichtung im Ausland vermag.

    Die Basis der AWP liegt in der systematischen Förderung von internationalen Netzwerken in den Bereichen Hochschule, Wissenschaft und Forschung zur Schaffung innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen. Die Förderung von Strukturen sowie die Unterstützung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gehen hier Hand in Hand. Dabei kommt den deutschen Auslandsvertretungen als Portalen für den Wissenschaftsstandort zentrale Bedeutung zu. Mit ihren Analysen und ihrer Berichterstattung zu forschungs- und technologiepolitischen Entwicklungen in den jeweiligen Gastländern und mit der konkreten Unterstützung bilateraler Kooperationsbeziehungen, der Betreuung von Expertinnen und Experten aus Deutschland, sowie deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Ausland und der Kontaktpflege zu wichtigen Akteuren im Gastland, legen sie eine breite Basis für die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit weltweit. Dieses für die Außenwissenschaftspolitik wichtige Netzwerk an Wissenschaftsreferentinnen und -referenten soll im Sinne von Innovationsstandorten ausgebaut werden.

  • Netzwerkausbau in Wissenschaft und Forschung

    Zentral für eine erfolgreiche AWP ist die Förderung internationaler Netzwerke von Partnern in den Bereichen Hochschule, Wissenschaft und Forschung. In aller Welt gibt es heute Alumni – Kenner und Freunde Deutschlands – die das Ansehen unseres Landes in der Welt mitbestimmen. Dieser Austausch von Erfahrung und Erkenntnis bildet die Basis wissenschaftlicher Zusammenarbeit.

    Die Förderung von Bildungsbiographien mit Deutschlandbezug ist dabei das Kernelement. Das Auswärtige Amt begleitet kontinuierlich die Entstehung von Bildungsbiographien von Schul- und Sprachausbildung bis zum nobelpreiswürdigen Stipendiat. Eine herausragende Stellung nimmt hier die Förderung exzellenter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt der AvH ein. Dabei wird es fachlich herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglicht, als eine oder einer von weltweit über 27.000 Alumni der Humboldt-Stiftung ein Forschungsprojekt zu verwirklichen.

    Die Leibniz-Wissenschaftshospitationen tragen dazu bei, das internationale Netzwerk im Wissenschafts- und Forschungsbereich zu verdichten. Das 2012 vom Auswärtigen Amt und der Leibniz-Gemeinschaft entwickelte Programm ermöglicht es leitenden Mitarbeitern der Leibniz-Gemeinschaft, an Auslandsvertretungen zu hospitieren und so interkulturelle Kompetenzen zu erwerben, die den nationalen Forschungseinrichtungen nach ihrer Rückkehr zugutekommen.

    Die deutsche AWP blickt nicht allein auf die Erweiterung ihres internationalen Netzwerkes, sondern auch auf traditionsreiche bi-nationale Institutionen: So ist beispielsweise die Fulbright-Kommission im deutsch-amerikanischen Verhältnis eine der bedeutendstes Partnerorganisationen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Seitdem am 18. Juli 1952 das Deutsch-Amerikanische Fulbright Abkommen unterzeichnet wurde, widmet sich das Programm mit herausragendem Erfolg der Förderung des gegenseitigen Verständnisses zwischen den USA und Deutschland durch akademischen und kulturellen Austausch von hochqualifizierten Studierenden, Lehrenden und Wissenschaftlern mit großer Bereitschaft zu interkultureller Verständigung und hohem sozialem Engagement.

  • Integrationsauftrag und Krisenprävention

    Die stetige Weiterentwicklung bewährter Maßnahmen wie die Stipendien- und Betreuungsprogramms (STIBET) des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) für ausländische Studierende an deutschen Hochschulen ermöglicht eine effektive Integration von Menschen aus dem Ausland in das deutsche Bildungs- und Wissenschaftssystem. Ziel ist es, ihre Studien- und Arbeitsanstrengungen zu unterstützen und damit auch die Erfolgsquote der wissenschaftlichen Kooperation zu erhöhen. Die AWP leistet darüber hinaus einen substantiellen Beitrag zur Fluchtursachenbekämpfung und Krisenprävention. Dies geschieht durch Studienunterstützung und Ausbildung aktueller und zukünftiger Eliten von Ländern in Krisenregionen. In Zusammenarbeit mit dem UNHCR ermöglicht die vom Auswärtigen Amt geförderte Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative Albert Einstein (DAFI) seit 25 Jahren Geflüchteten ein Hochschulstudium in einem Drittland.

    Gemeinsam mit dem DAAD hat das Auswärtige Amt im Jahr 2015 das Stipendienprogramm "Leadership for Syria" aufgelegt, das von 2015-2019 insgesamt 225 Stipendien an qualifizierte syrische Bewerber verschiedener Fachrichtungen für ein Studium in Deutschland vergibt. Einen besonderen Schwerpunkt wird auf den Schutz gefährdeter Wissenschaftler gelegt. Das Auswärtige Amt hat gemeinsam mit der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH)  die "Philipp Schwartz – Initiative" (PSI) für verfolgte Wissenschaftler auf den Weg gebracht. Die Initiative versetzt deutsche Universitäten und Forschungseinrichtungen in die Lage, Forscher bei sich aufzunehmen, die in ihrer Heimat von Krieg und Verfolgung bedroht sind. Im Mai 2016 wurden 23 Forscherinnen und Forscher für ein Zweijahresstipendium ausgewählt und haben inzwischen mit ihrer Arbeit begonnen; 46 weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden ab Januar 2017 durch PSI gefördert. Von den insgesamt 69 Stipendiaten stammen 32 aus Syrien und 27 aus Türkei. Die anderen Stipendiaten kommen aus Irak (3), Libyen, Pakistan, Usbekistan, Jemen, Sudan, Burundi, Tadschikistan (jeweils 1). 2017 wird eine dritte Kohorte für ca. 25 weitere von Krieg und Verfolgung bedrohte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgeschrieben.

Stand 07.02.2017

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