Hauptinhalt

Grundlagen

Die Welt ist im Umbruch: Staaten zerfallen, Konflikte eskalieren, Wirtschafts- und Klimakrisen verändern die internationale Ordnung. Das, was im Krisenbogen von Libyen über Syrien bis Afghanistan geschieht, erreicht uns nicht mehr nur im Internet und in Zeitungsmeldungen. Dabei zu helfen, diese Krisen zu bewältigen und Frieden zu fördern, ist ein Gebot der Menschlichkeit und gleichzeitig auch in unserem eigenen Interesse. Im Auswärtige Amt steht dafür ein breites und innovatives Instrumentarium zur Verfügung.

Ein Werkzeugkasten für den Frieden

Moderne Außenpolitik bedeutet heute mehr als nur klassische Diplomatie. Ob durch Mediation zwischen Konfliktparteien, Versöhnungsarbeit nach einem Konflikt oder humanitäre Hilfe für Not leidende Menschen: politische Lösungsansätze können durch viele Instrumente unterstützt werden.

Für diese „Außenpolitik mit Mitteln“ haben wir die Abteilung S für Krisenprävention, Stabilisierung, Konfliktnachsorge und Humanitäre Hilfe gegründet. Seit 2015 bündelt sie im Auswärtigen Amt Personal, Gelder und Wissen für Krisenengagement aus einer Hand. Unsere Instrumente machen es möglich, Hilfe und Unterstützung auf das jeweilige Land oder die Krisenregion zuzuschneiden.

Wir konzentrieren uns vor allem auf die Krisen und Konflikte, die deutsche und europäische Sicherheitsinteressen besonders betreffen: Nordafrika, der Nahe und Mittlere Osten, Afghanistan und Pakistan sowie Staaten in Subsahara-Afrika. Gleichzeitig ist Deutschland weltweit Menschen verpflichtet, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Der Deutsche Bundestag stellt dem Auswärtigen Amt allein in im Jahr 2017 rund 2 Milliarden Euro für diese Arbeit zur Verfügung

Unsere Ziele: Krisen vorbeugen und Konflikte stabilisieren

Prävention ist die beste Friedensförderung, denn sie reduziert Leid und spart Ressourcen. Deutsche Außenpolitik hat daher zum Ziel sowohl die Eskalation von Konflikten als auch ihr Wiederaufflammen zu verhindern. Krisen entstehen oft deshalb, weil Menschen sich nicht gehört oder nicht vertreten fühlen und Konfliktparteien keinen Weg finden, miteinander ins Gespräch zu kommen. Gesellschaftlichen Dialog und politische Teilhabe zu fördern, ist deshalb ein Schwerpunkt der Abteilung S. Ebenso wichtig ist es, staatliche Strukturen zu stärken, die den Interessen der Bevölkerung dienen.

Erst wenn Menschen nach einem Konflikt wieder Vertrauen in ihren Staat fassen, wenn sie sich sicher fühlen und auf eine Grundversorgung, etwa mit Strom oder Krankenhäusern, zählen können – erst dann wird Frieden mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Hier setzt das Konzept der Stabilisierung an. Die Abteilung S versucht, politische Prozesse zur friedlichen Lösung einer Krise zu ermöglichen. Oft werden dabei legitime Partner gestärkt, wie die irakische, malische oder afghanische Regierung, damit der Frieden für die Bevölkerung spürbar wird und Binnenvertriebene zurückkehren können. Zuweilen unterstützen wir auch eine gemäßigte Opposition, um ein politisches Vakuum zu vermeiden und die Versorgung der Menschen zu gewährleisten, etwa in Syrien. Denn gerade Menschen, die nicht aus ihrer Heimat fliehen, brauchen eine funktionierende Infrastruktur und eine zuverlässige öffentliche Verwaltung. Stabilisierung kann deshalb auch einen Beitrag zur Fluchtursachenbekämpfung leisten.

Krisen wiederholen sich, wenn die Ursachen der Probleme nicht angegangen werden. Die Abteilung S unterstützt deshalb über Projektpartner auch Konfliktnachsorge. Manchmal ist es wichtig, in einer Wahrheitskommission vergangenes Unrecht aufzuarbeiten, wie in Mali. In anderen Fällen müssen ehemalige Kämpfer reintegriert und ein politischer Dialog initiiert werden – wie in Kolumbien –, um Vertrauen und Sicherheit zu schaffen. Auch neue Strukturen des Zusammenlebens, beispielsweise eine föderale Staatsform, können helfen, eine Krise dauerhaft zu beenden.

Wie arbeiten wir?

Das Auswärtige Amt führt keine eigenen Projekte durch. Wir finanzieren stattdessen die Arbeit bewährter und erfahrener Organisationen. Zwei Drittel der Mittel gehen an internationale Partner wie die Vereinten Nationen und das Rote Kreuz; mit rund einem Drittel der Mittel unterstützt die Abteilung S nationale Partner wie die Welthungerhilfe oder die auf Friedensmediation spezialisierte Berghof Foundation.

Viel hilft dabei nicht immer viel, denn die Mittel müssen auch effektiv eingesetzt werden. Um zu überprüfen, ob sich der Einsatz der Steuergelder gelohnt hat, werden die Projekte laufend kritisch begleitet. Dafür hat das Auswärtige Amt eine eigene Arbeitseinheit gegründet, die von einem Expertenpanel unterstützt wird.

Unterstützung erhalten wir auch vom Beirat Zivile Krisenprävention. Bereits seit 2005 kommen in diesem Gremium Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Krisenprävention, Konfliktbewältigung und Friedensförderung zusammen, um die Arbeit der Bundesregierung fachlich zu begleiten. Der Beirat bildet damit die Schnittstelle zur deutschen Zivilgesellschaft, die sich weltweit für Friedensförderung engagiert.

Wie unterscheiden wir uns?

Die Hilfe des Auswärtigen Amts setzt dabei in der Regel bei einer akuten Krise an. Nicht immer können wir eine Eskalation verhindern. Dann versuchen wir Not lindern und möglichst schnell eine Befriedung der Lage für die Menschen zu erreichen. Darauf kann die Entwicklungszusammenarbeit mit ihren nachhaltigen Zielen anschließend aufbauen. Dabei stimmen wir uns eng ab, um gemeinsam und mit weiteren Partnern Frieden zu fördern. Grundlage für das ressortübergreifende Handeln sind die Leitlinien "Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern"


Stand 06.10.2017

Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise und Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere