Hauptinhalt

Naturkatastrophen als Fluchtursache: Deutschland übernimmt Vorsitz der "Platform on Disaster Displacement"

Erdbeben, Überschwemmungen, Dürren, Stürme und der Klimawandel zwingen im Schnitt jede Sekunde einen Menschen zur Flucht aus der Heimat - über 200 Millionen allein seit 2008. Um auf diese Herausforderung globale und koordinierte Antworten zu geben, wurde auf dem Humanitären Weltgipfel in Istanbul im Mai 2016 die "Platform on Disaster Displacement" ins Leben gerufen, die sich mit Naturkatastrophen als Fluchtursache beschäftigt. Als erstes Land hat Deutschland ab dem 1. Juli 2016 für 18 Monate den Vorsitz der Plattform übernommen. Mit Achim Steiner ist seit dem 13. Oktober 2016 ein deutscher UN-Experte als „Envoy of the Chair“ internationaler Botschafter der Plattform.

Besser Prävention statt Krisenmanagement

Januar 2010: Von einem Moment zum nächsten verlieren in Haiti 1,5 Millionen Menschen durch ein Erdbeben ihr Zuhause. November 2013: Der Taifun Haiyan zwingt vier Millionen Menschen zur Flucht. In beiden Fällen stand die internationale Gemeinschaft schnell zur Hilfe bereit. Allerdings, so kritisierte UN Generalsekretär Ban Ki Moon beim Humanitären Weltgipfel in Istanbul: Die Hilfe konzentriert sich zu stark auf das bloße Krisenmanagement, obwohl vorheriges Risikomanagement und Prävention viel wirksamer wären.

Die Antwort auf dieses Problem folgte auf eben diesem Gipfel: die Gründung der "Platform on Disaster Displacement". Dies war ein großer Schritt, dem ein langer Weg vorausgegangen war. Meilensteine auf diesem Weg waren die Klimakonferenz in Cancún 2010 und die sogenannte Nansen Konferenz zu Flucht durch Klimawandel in Norwegen 2011. Knapp ein Jahr später wurde die Nansen Initiative in der Schweiz gegründet, die im Jahr 2015 ihre Schutzagenda für Flüchtlinge vor Naturkatastrophen vorlegte. 109 Regierungen weltweit stellten sich hinter diese Agenda, die insbesondere darauf hinweist, dass in den globalen Flüchtlingskonventionen eine Schutzlücke für Opfer von Naturkatastrophen besteht.

Überblick für ein unübersichtliches Problemfeld

Naturkatastrophen werden als Fluchtursache immer bedeutender

Naturkatastrophen werden als Fluchtursache immer bedeutender
© IOM

Bild vergrößern
Naturkatastrophen werden als Fluchtursache immer bedeutender

Naturkatastrophen werden als Fluchtursache immer bedeutender

Naturkatastrophen werden als Fluchtursache immer bedeutender

Ziel der Plattform ist es, die Empfehlungen der Nansen Initiative in die Tat umzusetzen und das Handeln der vielen Akteure weltweit aufeinander abzustimmen. Zu den strategischen Prioritäten zählt etwa, weltweit umfassende und verlässliche Daten zu diesem Problem zu sammeln. Auch sollen bekannte effektive Praktiken wie geordnete freiwillige Migration und geplante Umsiedlungen als Alternativen zur spontanen Flucht gefördert werden.

Flucht vor Naturkatastrophen hat unzählige Ursachen, etwa Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Armut, schlechte Regierungsführung und unzureichende Stadtplanung. Es ist daher eine wichtige Aufgabe der Plattform, diese sehr unterschiedlichen Forschungsfelder zusammenzuführen und dabei den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu fördern. Die Plattform bringt dazu Regierungen, internationale Organisationen wie das UN-Flüchtlingswerk UNHCR und die Internationale Organisation für Migration (IOM), Forschende und NGOs zusammen. Die Koordination all dieser Akteure übernimmt die sogenannte "Coordination Unit", die von Deutschland finanziert wird.

Deutschland als erstes Vorsitzland

Zu den Gründern der Plattform zählen neben Deutschland 16 weitere Staaten sowie die Europäische Union. In der Steuerungsgruppe übernimmt Deutschland für die ersten 18 Monate den Vorsitz. Stellvertretender Vorsitzender ist Bangladesh, dessen dicht besiedeltes Territorium größtenteils unterhalb des Meerespiegels liegt - wodurch es besonders durch Überschwemmungen bedroht ist. Ein Beraterkomitee versorgt die Steuerungsgruppe mit der notwendigen technischen Expertise.

Achim Steiner, Direktor der Oxford Martin School und ehemaliger Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, ist seit dem 13. Oktober 2016 "Envoy of the Chair" der Plattform, und wird als solcher das Thema in internationale Zusammenhänge einbringen und bei hochrangigen Veranstaltungen über die Arbeit der Plattform informieren und für sie werben.

2016 ist ein trauriges Rekordjahr, da mit über 65 Millionen Menschen mehr denn je seit Bestehen der UNO auf der Flucht sind. Nicht alle fliehen vor Krieg und Gewalt. Und Klimaforschende warnen, dass Naturkatastrophen künftig noch deutlich mehr Menschen aus ihrer Heimat vertreiben werden. Die "Platform on Disaster Management" ist ein wichtiger Baustein, um dieses Problem anzugehen.

Zum Weiterlesen

Der Humanitäre Weltgipfel in Istanbul

Deutsche Humanitäre Hilfe

Homepage der Platform on Disaster Displacement


Stand 14.10.2016

Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise und Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere