Hauptinhalt

Zum Überleben im Krieg: Deutsche humanitäre Hilfe für Syrien

Deutschland zählt bei der Versorgung der Not leidenden Menschen in den Kriegsgebieten in Syrien zu den führenden Geberstaaten. Fast siebzig humanitäre Hilfsprojekte hat das Auswärtige Amt für syrische Flüchtlinge im Land selbst und in den Anrainerstaaten finanziert. Hinter den Zahlen stehen unzählige bewegende Einzelschicksale. Ein Bericht vom Alltag der humanitären Helfer:

Faris kam mit flauschiger brauner Haarmähne zur Welt: 48 Zentimeter groß, 3400 Gramm schwer und gesund. Es war keine leichte Geburt. Der Kleine musste per Kaiserschnitt geholt werden. Ohne das Ärzteteam in dem syrischen Feldkrankenhaus Bab al-Salam direkt an der Grenze zur Türkei hätten er und seine Mutter Fatimeh möglicherweise nicht überlebt.

Faris ist einer von 70 bis 80 Säuglingen, die in Bab al-Salam – was auf Deutsch "Tor zum Frieden" bedeutet – pro Monat zur Welt kommen. "Allein im Oktober wurden 66 Notkaiserschnitte vorgenommen", sagt Janine Lietmeyer, Nahostkoordinatorin von Malteser International. Die Hilfsorganisation hat das Feldkrankenhaus aufgebaut und betreibt es zusammen mit einer syrischen Partnerorganisation – finanziert aus den Mitteln für humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amts. In 2016 erhielt die inzwischen in einem Hangar untergebrachte Klinik über zwei Millionen Euro. „Ohne die Unterstützung Deutschlands gäbe es dieses Krankenhaus gar nicht“, so Lietmeyer. "300.000 Menschen würden nicht versorgt."

Im Feldkrankenhaus Bab al-Salam werden künftig auch Gefäßchirurgen operieren, damit Amputationen möglichst vermieden werden können

Im Feldkrankenhaus Bab al-Salam werden künftig auch Gefäßchirurgen operieren, damit Amputationen möglichst vermieden werden können
© Malteser

Bild vergrößern
Im Feldkrankenhaus Bab al-Salam werden künftig auch Gefäßchirurgen operieren, damit Amputationen möglichst vermieden werden können

Im Feldkrankenhaus Bab al-Salam werden künftig auch Gefäßchirurgen operieren, damit Amputationen möglichst vermieden werden können

Im Feldkrankenhaus Bab al-Salam werden künftig auch Gefäßchirurgen operieren, damit Amputationen möglichst vermieden werden können

Das bedeutet: nicht nur typische Kriegsverletzungen, etwa Schrapnellwunden nach einem Raketenbeschuss oder einer Bombardierung, könnten nicht operiert werden, sondern viele Menschen, gerade auch Kinder, würden an eigentlich nicht lebensbedrohlichen Krankheiten sterben, für die aber ein operativer Eingriff nötig ist: Blinddarmentzündungen beispielsweise. Frühgeburten hätten gar keine Überlebenschance. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Syrien ist nicht zuletzt aufgrund der katastrophalen gesundheitlichen Versorgung um 20 Jahre gesunken.

Bab al-Salam ist eines von fast 70 humanitären Hilfsprojekten, die das Auswärtige Amt für syrische Flüchtlinge im Land selbst und in den Anrainerstaaten finanziert. In den vergangenen vier Jahren hat Deutschland 1,25 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe ausgegeben und zählt bei der Versorgung der Not leidenden Menschen im Kriegsgebiet zu den führenden Geberstaaten. Ein Viertel dieser Gelder geht direkt an Hilfsorganisationen wie die Malteser; drei Viertel werden an multilaterale Partner wie die Vereinten Nationen ausgezahlt.

Luftbrücke für 100.000 von der Außenwelt abgeschnittene Zivilisten

Mit dieser Hilfe will Deutschland dazu beitragen, im Syrien-Krieg die größte Not zu lindern. Am schlimmsten ist die Lage für die Zivilbevölkerung in den eingeschlossenen und belagerten Gebieten. Von den 13,5 Millionen Hilfsbedürftigen in Syrien leben fast sechs Millionen Syrer in Gegenden, die für humanitäre Hilfe schwer oder gar nicht mehr zugänglich sind. Besonders dramatisch ist die Versorgungssituation in der Stadt Deir ez-Zor im Nordosten Syriens. Dort ist wegen der Kämpfe mit dem „Islamischen Staat“ (IS) die Bevölkerung fast komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Die wenigen Nahrungsmittel, die es noch gibt, sind extrem teuer. Die Menschen hungern.

Deutschland hat deshalb die Luftbrücke des Welternährungsprogramms (WFP) der Uno in 2016 mit zehn Millionen Euro unterstützt. Für die Abwürfe werden Nahrungsmittel, Medikamente und andere humanitäre Güter fest auf Holzpaletten verschnürt. Wie an einer Perlenkette werden sie dann etwas außerhalb der Stadt aus einem Transportflugzeug abgeworfen, die weißen Fallschirme öffnen sich, und sie gleiten zur Erde. Am Boden warten Mitarbeiter des Syrischen Roten Halbmonds (SARC) – dem Pendant zum Roten Kreuz –, um die Lieferungen in Empfang zu nehmen und zu verteilen.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist es dem WFP seit April 2016 gelungen, im Verlauf des Jahres 2958 Tonnen Hilfsgüter in der Hungerregion abzuwerfen. Rund 100.000 Menschen in Deir ez-Zor haben sich für Essensrationen beim SARC registrieren lassen. Sie konnten durch die Luftbrücke mit dem Allernötigsten versorgt werden. Das WFP schätzt, dass dadurch 20.000 Familien geholfen werden konnte.

Mehr Hilfe für Minenopfer in IS-befreiten Gebieten

Mitarbeiter des Roten Halbmonds warten im syrischen Deir ez-Zor auf Lebensmittelabwürfe

Mitarbeiter des Roten Halbmonds warten im syrischen Deir ez-Zor auf Lebensmittelabwürfe
© WFP

Bild vergrößern
Mitarbeiter des Roten Halbmonds warten im syrischen Deir ez-Zor auf Lebensmittelabwürfe

Mitarbeiter des Roten Halbmonds warten im syrischen Deir ez-Zor auf Lebensmittelabwürfe

Mitarbeiter des Roten Halbmonds warten im syrischen Deir ez-Zor auf Lebensmittelabwürfe

Auch in 2017 wird das Auswärtige Amt mit seiner humanitären Hilfe weiter zahlreiche Projekte und Hilfsaktionen unterstützen. Das Feldkrankenhaus Bab al-Salam beispielsweise soll eine dringend benötigte Gefäßchirurgie bekommen. Denn derzeit muss oft amputiert werden, obwohl die verwundeten Gliedmaßen mithilfe von Spezialisten gerettet werden könnten. Die Zahl der Verletzten ist in jüngster Zeit sehr stark gestiegen, denn in den vom IS befreiten Gebieten hat die Terrormiliz viele Sprengfallen und Minen hinterlassen. Für Zivilisten, die in ihre Dörfer und Häuser zurückkehren, bedeuten diese Fallen eine extrem große Gefahr.

 "In ganz Nord-Syrien gibt es keinen Gefäßchirurgen mehr", sagt Lietmeyer. Sie sind längst aus den Kriegsgebieten geflohen, leben aber in einigen Fällen noch nahe der Heimat in der Türkei. Da das Feldhospital Bab al-Salam direkt an der Grenze liegt, können Spezialisten dort tagsüber operieren und am Abend in die Türkei zurückkehren. Sie hätten so einen Job, der ihren Fähigkeiten entspricht und mit dem sie ihre Familien ernähren können. Gleichzeitig bewahren sie viele ihrer Landsleute vor Behinderung und damit oft auch lebenslanger Armut und Abhängigkeit.


Stand 09.01.2017

Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise und Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere