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Endlich die Chance auf Aufklärung und Gerechtigkeit. So sehen die meisten Kambodschaner den Beginn des ersten Prozesses gegen einen der Angehörigen des Terrorregimes der Roten Khmer. 30 Jahre nach Ende der Schreckensherrschaft befasst sich erstmals ein Gericht mit den Gräueltaten.

Der Prozessbeginn am 17. Februar gegen den ersten von fünf angeklagten hohen Funktionären erregt großes Interesse. Bis zu 1000 Menschen wurden am ersten Tag des Sondertribunals als Zuschauer erwartet. 30 Jahre nach dem Ende des Regimes erhoffen sich die Menschen Gerechtigkeit.

Von 1975 bis 1979 hatten die Roten Khmer die Macht in Kambodscha. Das totalitäre Regime um Pol Pot wollte das Land durch eine Agrarrevolution zu alter Größe zurückführen. Das Land sollte befreit werden von den alten Eliten, die ihm angeblich nur Elend gebracht hatten. Was für die Moderne stand, war verboten: Autos, Geld, sogar Schulen. Die traditionelle Gesellschaft wurde zerstört, Kinder von ihren Eltern getrennt, Bewohner ganzer Dörfer umgesiedelt. Mindestens 1,7 Millionen Menschen, fast ein Viertel der Bevölkerung, starben durch Krankheiten, die Zwangsarbeit auf dem Feld oder verhungerten.

Grausame Verbrechen

Angeklagt ist der 66-jährige Kaing Guek Eav alias Duch (gesprochen Doik). Duch leitete das berüchtigte Folterzentrum Tuol Sleng, "S21" genannt. Seine ehemaligen Opfer sollen als Zeugen aussagen.

Mehr als 20 Jahre versteckte sich Duch auf dem Land in Kambodscha. Ein britischer Journalist fand ihn in einem Dorf. Nach seiner Entdeckung stellte der sich der Polizei. Der inzwischen zum Christentum übergetretene Duch hat seine Opfer um Vergebung gebeten. Ihm droht die Höchststrafe - lebenslange Haft.

Schätzungen zufolge wurden in dem Lager 16.000 Menschen grausam ermordet. Die Tötungen wurden von dem Regime dokumentiert und fotografiert - zur Abschreckung für Regimegegner. Duch werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Folter, Mord und Vergewaltigung zur Last gelegt.

Die anderen Angeklagten sind der ehemalige Staatschef Khieu Samphan, Außenminister Ieng Sary, dessen Frau und Sozialministerin Ieng Thirith sowie der Chefideologe Nuon Chea.

Rechtssprechung mit Unterstützung der Internationalen Gemeinschaft

Das Tribunal wurde mit Unterstützung der Vereinten Nationen eingerichtet. Es setzt sich aus kambodschanischen und internationalen Richtern zusammen. Auch die Ko-Ankläger stammen aus dem Ausland. Unter anderem ist auch ein deutscher Staatsanwalt beteiligt, der der kambodschanischen Chefanklägerin assistiert.

Die Bundesregierung hat für das Tribunal bislang 6,8 Millionen Euro Unterstützung zugesagt. Daneben unterstützt das Auswärtige Amt die so genannte “Victims Unit“ des Tribunals, die die Wahrung der Rechte der Opfer verbessert. 


Stand 17.02.2009