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Zusammenarbeit mit Afghanistan im Bereich Bildung und Kultur
Arbeit am Ort der durch die Taliban zerstörten Buddhastatue
Insgesamt hat die Bundesregierung seit 2003 rund 110 Millionen Euro für den afghanischen Kultur- und Bildungssektor bereitgestellt. Die Mittel werden insbesondere für die Bereiche Schulen und Hochschulen eingesetzt. Daneben werden herausragende Projekte im Bereich Kulturerhalt finanziert, die dazu beitragen, das kulturelle Erbe Afghanistans zu bewahren.
Schul-, Universitäts- und Berufsbildung
Sichtbare Fortschritte sind dabei besonders im Bereich Schulbildung festzustellen: Die Schülerzahl hat sich seit dem Sturz der Taliban auf ca. 7,2 Mio (2009) verfünffacht. Heute gehen rund zwei Drittel der Jungen und die Hälfte der Mädchen in Afghanistan zur Schule.
Das Auswärtige Amt unterstützt insbesondere drei weiterführende Schulen in Kabul (Amani-Jungenoberrealschule, Durani-Mädchengymnasium und das Jamhuriat Verwaltungs- und Wirtschaftsgymnasium für Mädchen) materiell und personell mit deutschen Auslandslehrern. Diese Schulen gehören neben vier weiteren Schulen der weltweiten Initiative "Schulen - Partner der Zukunft" (PASCH) an.
Im Rahmen des so genannten Partnerschulprogramms wurden seit 2005 zudem an 17 staatlichen Schulen afghanische Ortslehrkräfte in verschiedenen Fachbereichen fortgebildet. Die Teilnehmer kommen dabei aus jeweils einer Jungen- und Mädchenschule der Städte Herat, Faisabad, Mazar-i-Sharif, Kunduz, Kabul (drei Schulen), Khost, Nangahar und Takhar. Insgesamt konnten bisher 162 Lehrkräfte in das Fortbildungsprogramm eingebunden werden, die als Multiplikatoren fungieren. Der Bildung von Mädchen und Frauen, die lange Zeit komplett aus dem Bildungssystem ausgeschlossen waren, kommt dabei besondere Bedeutung zu.
Deutschunterricht an afghanischen Schulen, Hochschulen und im berufsbegleitenden Bereich hat langjährige Tradition und wird durch vielfältige Projekte des Goethe-Instituts und des DAAD-Lektorenprogramms seit 2002 maßgeblich unterstützt.
Den akademischen Wiederaufbau in Afghanistan treibt im Auftrag des Auswärtigen Amts der DAAD voran. Seit 2005 unterhält der DAAD ein Koordinierungsbüro, das im afghanischen Hochschulministerium untergebracht ist. Neben zahlreichen Stipendien für afghanische Studierende und Dozenten unterhalten einige Universitäten in Deutschland bilaterale Kooperationsabkommen mit afghanischen Universitäten. Weitere Maßnahmen sind u. a. mehrwöchige Sommer- und Winterakademien in Deutschland, Fortbildungen für Dozenten in Afghanistan und Sachspenden. Außerdem wurden Kurz- und Langzeitdozenten entsandt. An der Universität Kabul wurde mit deutscher Hilfe ein IT-Rechenzentrum aufgebaut.
15 junge Afghanen sind für ein Masterstudium nach Deutschland gekommen. Die jungen afghanischen Führungskräfte lernen an der Erfurt School of Public Policy, wie gutes Regieren gelingen kann, um den zivilen Wiederaufbau Afghanistans voranzubringen.
Im Bereich Berufsbildung will Deutschland mit der Rehabilitierung des Technikums Kandahar im Süden Afghanistans einen sichtbaren Beitrag zum Aufbau des während der Kriegsjahre zerstörten Berufsschulwesens leisten.
Im Rahmen des CrossCulture-Praktikantenprogramms wird Afghanistan seit 2006 verstärkt berücksichtigt: Das Programm ermöglicht es jungen Berufstätigen aus islamisch geprägten Ländern, Praktika in Deutschland zu absolvieren und dadurch ihre interkulturellen, politischen und fachlichen Kompetenzen zu erweitern.
Kultur
Das Kulturleben ist durch die Kriege und die Talibanherrschaft schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Das 2003 in Kabul eröffnete Goethe-Institut bietet neben Sprachkursen und Fortbildung von afghanischen Deutschlehrern kulturelle Veranstaltungen und Workshops in den Bereichen Film, Kunst und Musik an.
Die erste Musikschule in Kabul, die am 20. Juni 2010 eröffnet wurde, wird ebenfalls mit Mitteln des AA unterstützt. Musikalische Erziehung war in Afghanistan bislang kaum ein Thema. Jetzt ist mit dem Nationalen Afghanischen Musikinstitut (ANIM) die erste qualifizierte Musikschule in Betrieb genommen worden. Deutschland ist mit einer Förderung von knapp 100.000 Euro nach der Weltbank der zweitgrößte Geber. Einen wichtigen Anteil davon übernahmen private Spender aus der Musikinstrumentenbranche.
Schließlich unterstützt das Auswärtige Amt Initiativen, die das Ziel haben, afghanische Kultur auch in Deutschland bekannt zu machen. 2008 wurde das Afghanische Filmfestival in Köln gefördert, die Ausstellung "Afghanistan - Gerettete Schätze" wurde am 10. Juni 2010 durch Staatsministerin Pieper in der Bundeskunsthalle in Bonn eröffnet und zog mehr als 70.000 Besucher an.
Eine transportable pädagogische Fotoausstellung zur Stärkung der nationalen Identität Afghanistans und zur Festigung der traditionellen Freundschaft zum deutschen Sprachraum wurde am 14. Juli 2010 in Kabul eingeweiht. Mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amts werden diese historischen Fotos in allen 34 Provinzen zirkulieren, um vor allen jungen Menschen Wissen über die Geschichte und die Entwicklung Afghanistans zu vermitteln.
Kulturerhalt
Dem Erhalt und der Pflege afghanischer Kulturdenkmäler kommt bei der Stärkung der nationalen Identität und dem Aufbau einer Zivilgesellschaft eine wichtige Rolle zu. Mit einer Gesamtfördersumme von rund 5,8 Millionen Euro in den Jahren 2000 bis 2010 ist Afghanistan das wichtigste Partnerland für deutsche Kulturerhaltsmaßnahmen.
Die Mittel ermöglichten die Förderung von bisher 64 Einzelmaßnahmen - von kleinen Sachspenden und Restaurierungsmaßnahmen bis zu komplexen, in einzelnen Phasen über mehrere Jahre geförderten Projekten, wie:
- die Instandsetzung des Babur Gartens (Bagh-e Babur) in Kabul in Kooperation mit dem Aga Khan Trust for Culture,
- die durch das Deutsche Archäologische Institut (DAI) bzw. das Museum für Islamische Kunst - Staatliche Museen Berlin durchgeführten Projekte zur Stadtkernforschung und zur Einrichtung des Nationalmuseums Herat,
- die Sicherung der Buddhas von Bamiyan in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) in München. Die Kolossal-Statuen des Kleinen und des Großen Buddha von Bamiyan sind wohl die bekanntesten historischen Kulturdenkmale Afghanistans, deren Zerstörung 2001 durch die Taliban weltweite Entrüstung auslöste. Seit 2002 arbeitet das Deutsche Nationalkomitee von ICOMOS in Kooperation mit deutschen Hochschulen daran, die Fragmente zu dokumentieren und zu sichern sowie die Nische der Buddha-Statuen zu sichern. Die Arbeiten wurden von 2002 bis 2009 mit rund einer Million Euro aus dem Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amts gefördert.
UNESCO -Auszeichnung für Wiederaufbau der Altstadt von Herat
Die UNESCO hat den Wiederaufbau der Altstadt von Herat mit ihrem „Award of Excellence“ ausgezeichnet. Die Bundesregierung unterstützt die Aga Khan Stiftung bei diesem wegweisenden Projekt.
UNESCO - Auszeichnung für Wiederaufbau der Altstadt von Herat, Afghanistan
Stand 07.02.2011
