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Wirtschaft
Beim Außenministertreffen zur Initiative "Neue Seidenstraße"
© Photothek/Imo
Das langfristige Engagement der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan nach der Übergabe der Sicherheitsverantwortung (Transition) ist eines der zentralen Themen der Internationalen Afghanistan-Konferenz in Bonn am 5. Dezember 2011. Für die Ausgestaltung des langfristigen Engagements ist von Bedeutung, dass die Bereiche Sicherheit, (Staats-)Finanzierung und wirtschaftliche Entwicklung voneinander abhängen. Letztere gewinnt zunehmend an Relevanz, da eine wachsende afghanische Wirtschaft entscheidend zur sozioökonomischen Stabilisierung und Autarkie Afghanistans beiträgt.
Die im September 2011 von 30 Staaten und internationalen Organisationen in New York unter Vorsitz von Bundesaußenminister Westerwelle ins Leben gerufene Regionalinitiative „Neue Seidenstraße“ („New Silk Road“) hat sich bereits zum Ziel gemacht, die weitere Entwicklung der afghanischen Wirtschaft nachhaltig zu unterstützen. Gelingen soll dies vor allem durch eine engere wirtschaftliche Vernetzung Afghanistans mit seinen Nachbarn in der Region. Vorgesehen sind beispielsweise intensivere Handels-, Transport- und Energieverbindungen mit angrenzenden Ländern. Die gemeinsame Erklärung der Außenminister Afghanistans, Deutschlands und der USA schlägt zudem strukturelle Maßnahmen wie beispielsweise regionale und bilaterale Handelsabkommen, Maßnahmen zur Erleichterung der Grenzabfertigung oder verbesserten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten vor. Die Internationalen Afghanistan-Konferenz in Bonn hat die Initiative weiter konkretisiert.
Als aussichtsreich erscheint die Förderung des afghanischen Wirtschaftssektors deshalb, da sich das wirtschaftliche Potential des Landes als durchaus groß erweist: Neben dem klassischen Sektor der Landwirtschaft, der allein schon wegen seiner Beschäftigungschancen (80% der Arbeitsplätze) weiter unterstützt werden muss, verspricht der Bergbau ein wichtiges Standbein der wirtschaftlichen Entwicklung Afghanistans zu werden. So verfügt das Land über natürliche Ressourcen im Wert von geschätzten drei Billionen US-Dollar, darunter bedeutende Vorräte an strategischen Rohstoffen wie Kupfer und Lithium und anderen Mineralien, die auch für die europäische Rohstoffversorgung von großer Bedeutung sind. Afghanistan selbst verfolgt das Ziel, einen dynamischen Rohstoffsektor zu entwickeln, der einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung der afghanischen Wirtschaft leisten soll. So warb bereits im Juni 2011 der afghanische Minister für Bergbau, Wirtschafts- und Infrastrukturentwicklung, Wahidulla Shahrani, im Auswärtigen Amt im Rahmen eines Runden Tisches mit deutschen Wirtschaftsvertretern für Investitionen in den afghanischen Rohstoffsektor.
Botschafter Michael Steiner, Sonderbeauftragter für Afghanistan und Pakistan beim Mining Investors Forum
© AA
Eine am 26. Oktober 2011 vom Europäischen Bergbaudachverband EUROMINES ausgerichtete Veranstaltung auf europäischer Ebene hat sowohl die Chancen des Sektors wie auch die Anforderungen der internationalen Wirtschaft aus OECD-Ländern zu geschäftlichen Rahmenbedingungen an Afghanistan beleuchtet.
Die Förderung und Nutzung der afghanischen Ressourcen hängt entscheidend von internationalen Investitionen und privatwirtschaftlichem Engagement ab. Beides wird sich jedoch nur dann einstellen, wenn von afghanischer Seite die notwendigen politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Für die Zukunft der afghanischen Wirtschaft wird es von großer Bedeutung sein, dass bestehende Missstände in diesem Bereich identifiziert und reformiert werden. Erst wenn Handelshemmnisse, die sich vor allem aus Defiziten im afghanischen Justiz- und Katasterwesen sowie Zoll- und Steuerrecht ergeben, behoben sind, wird das Land für ausländische Wirtschaftsunternehmen einen attraktiven Investitionsort darstellen. Selbstverständlich wird die Beachtung der geltenden Standards zu Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfungen ebenfalls vorausgesetzt.
Stand 14.12.2011
