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Wirtschaft

Stand: März 2015

Grundlinien der Finanz- und Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftsverfassung der Republik Zypern ist eine liberale Marktwirtschaft. im Zuge der gegenwärtigen Finanzkrise ist das Land bestrebt, seine europäische und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und als EU-Mitgliedsland im östlichen Mittelmeer die Wirtschaftsbeziehungen zu den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens auszubauen. Die zyprische Wirtschaft ist aufgrund ihrer Größe ist im europäischen Binnenmarkt starkem Wettbewerb ausgesetzt.

Ende Juni 2012 beantragte die zyprische Regierung wegen der prekären fiskalischen Situation internationale Finanzhilfen. Mit Entscheidung der Eurogruppe vom 25. März 2013 wurde unter der neuen Regierung Anastasiades ein Memorandum of Understanding (MoU) vereinbart. Inhaltlich legt das MoU neben der Haushaltskonsolidierung und Strukturreformen den Schwerpunkt auf die Reform des überdimensionierten Finanzsektors. Dabei geht es vor allem darum, das Geschäftsmodell des Finanzsektors neu auszurichten und diesen stark zu verkleinern. Daneben steht der Aufbau und Fortentwicklung der Realwirtschaft im Mittelpunkt der Reformen.

Erstmals bei einem Rettungsprogramm in der Eurozone wurden auch Gläubiger mit Einlagen(oberhalb von 100.000 Euro) im Rahmen eines debt-to-equitiy-swap bei den beiden Großbanken Cyprus Popular Bank (CPB, vormals Laiki) und Bank of Cyprus (BoC) zur Rekapitalisierung direkt herangezogen. Die zuvor bereits verstaatlichte CPB wurde abgewickelt. Die  Programmmittel aus dem ESM bzw. IWF in Höhe von 10 Mrd. Euro werden nicht zur Rekapitalisierung dieser Banken genutzt, sondern kommen in Höhe von 7,5 Mrd. Euro der Haushaltskonsolidierung und in Höhe von 2,5 Mrd. Euro der Restrukturierung der übrigen Banken zugute. Begleitet werden die Restrukturierungsmaßnahmen von Kapitalverkehrskontrollen, die mittlerweile durch mehrere Dekrete des Finanzministeriums deutlich gelockert wurden. Derzeit existieren nur noch geringe Kapitalverkehrseinschränkungen  für grenzüberschreitende Transaktionen.

Zypern strebt an, seine Stellung als attraktives Finanzzentrum mit Brückenfunktion in den Nahen- und Mittleren Osten und nach Russland zu erhalten. Im Rahmen des MoU wurde der Unternehmenssteuersatz von 10 Prozent auf 12,5 Prozent angehoben. Es gibt drei einheitliche Einkommensteuersätze von 20, 25 und 30 Prozent (Stufentarif), wobei ein Jahreseinkommen bis 19.500 Euro steuerfrei bleibt. Zudem wird seit Januar 2014 auf Monatseinkommen ab 1500 Euro eine monatliche Sonderabgabe (Special Contribution) in Höhe von 2,5 bis 3,5 Prozent erhoben. Auf Zypern besteht ein indexiertes System der automatischen halbjährlichen Anpassung von Löhnen und Gehältern an die Inflationsrate (Cost of Living Allowance, CoLA). Auch dieses Indizierungssystem wurde durch das MoU zunächst suspendiert, Lohnanpassungen werden während Rezessionsjahren ausgesetzt. Gesetzlicher Mindestlohn ist für Verkäufer, Pflegepersonal, Büroangestellte, Friseure und Erzieher festgelegt: Dieser beträgt derzeit 870 Euro während der ersten 6 Monate eines Beschäftigungsverhältnisses und danach 924 Euro. In allen anderen Bereichen gibt es keinen gesetzlichen Mindestlohn.

Die Mehrwertsteuer wurde im Jahr 2014 von 18 auf 19 Prozent erhöht.

Große Hoffnungen setzte die Republik Zypern in Gasvorkommen in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, gemäß internationaler Seerechtskonvention UNCLOS) der Insel im südöstlichen Mittelmeer, nachdem Probebohrungen der US-Firma Noble Energy Ende 2011 erfolgreich verliefen. In einem  mehrstufigen internationalen Lizenzierungsverfahren zur Exploration wurden in der Folge die einzelnen Blöcke in der zyprischen AWZ durch die zyprische Regierung an int. tätige Unternehmen (z.B. Noble Energy, Delek Drilling, Avner Oil Exploration, ENI, Kogas und Tota)l vergeben.  Allerdings ergaben erste Untersuchungsergebnisse der weiteren durchgeführten Probebohrungen, die im Dezember 2014 und Januar 2015 bekannt gegeben wurden,  dass weniger Erdgas- und Erdölvorkommen, als erwartet, in den Blöcken vorhanden sind.

Die Diskussion um die Gasvorkommen befördert Spannungen zwischen Zypern und der Türkei, welche die zyprische AWZ (Ausschließliche Wirtschaftszone) nicht anerkennt und teilnehmenden Firmen ihrerseits mit bilateralen Konsequenzen gedroht hat. Ohnehin ist die völkerrechtliche Delimitierung der Seegrenzen in großen Teilen des an die bisher bekannten Gasfelder angrenzenden östlichen Mittelmeeres umstritten.


Aktuelle Wirtschaftslage

Die wirtschaftliche Entwicklung der Republik Zypern ist stark von der weltwirtschaftlichen Entwicklung geprägt. Das wirtschaftliche Wachstum Zyperns der letzten Jahrzehnte (Durchschnitt des BIP-Wachstums 1975 – 2000: real circa 5,5 Prozent) hat sich vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise und eines verschärften Wettbewerbs im Tourismus insbesondere seit 2009 deutlich verlangsamt. Mit Einsetzen der zyprischen Bankenkrise schlitterte das Land endgültig in die Rezession. Im Jahr 2014 betrug das Negativwachstum 2,8 Prozent im Vergleich zu einem Negativwachstum in 2013 von 5,3 Prozent.  Prognosen der EU-KOM sehen aber spätestens für das Jahr 2016 wieder Wachstumstendenzen. Die Inflationsrate im Jahr 2014 betrug -1,35 Prozent. Das BIP betrug im Jahr 2014 16,0 Milliarden Euro. Das Pro-Kopf-Einkommen sank von 19.400 Euro im Jahr 2013 auf 18.751 Euro im Jahr 2014.

Im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit (2014: 16,1 Prozent und ca. 33 Prozent Jugendarbeitslosigkeit) wurden seit Januar 2014 Maßnahmen im Umfang von insgesamt 340 Mio. Euro umgesetzt. Zudem hat die EIB zwei innovative Programme im Umfang von 150 Mio. Euro finanziert. Zypern rechnet laut Finanzministerium allerdings auch in 2015 mit einem weiterem Anstieg der Arbeitslosenquote.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Der bedeutendste Wirtschaftszweig Zyperns ist das Dienstleistungsgewerbe, vornehmlich bestehend aus Tourismus-, sowie Finanz- und Unternehmensdienstleistungen (zusammen 80 Prozent der Wirtschaftsleistung). Die Tourismusbranche (circa 2,44 Millionen Besucher 2014, davon ca. 872.000 aus Großbritannien, ca. 637.000 aus Russland und 86.000 aus Deutschland) bildet die wichtigste Einnahmequelle der Wirtschaft des Landes. Die Touristenzahlen sind 2014 leicht um 1,5 Prozent gestiegen, wobei sich ein erneut deutlicher  Rückgang  bei den deutschen Touristenzahlen (2013: 99.000) zeigte.

Die Einnahmen aus dem Tourismus gingen im Vergleich zu 2013 leicht zurück. . Im Zeitraum Januar – November 2014 betrugen sie 1,98 Mrd. Euro(Januar- November 2013: 2,04 Mrd. Euro). Dies entspricht einem Rückgang  von2,9 Prozent. Bei den Herkunftsländern lässt sich eine Verschiebung weg von Europa (UK) hin zu Russland beobachten.

Im Bereich der Finanzdienstleistungen bleibt Zypern nicht zuletzt aufgrund der attraktiven Steuergesetzgebung ein interessanter Standort. Der Bankensektor und angrenzende Sektoren wie Beratungen und Wirtschaftskanzleien, aber auch der Immobiliensektor, sind nach wie vor von großer Bedeutung für die zyprische Wirtschaft.. Ein großes Problem stellen die faulen Kredite der Vergangenheit dar. Nach Angaben aus Bankenkreisen (BoC, Coop) und des Finanzministeriums sind ca. 48 Prozent aller Kredite notleidend.   Um den Anteil der notleidenden Kredite zu senken wurde im MoU vereinbart, ein Gesetz zu Zwangsversteigerungen zu implementieren. Die Umsetzung ist aktuell aufgrund innerpolitischer Meinungsverschiedenheiten allerdings erschwert.

Daneben versucht die zyprische Regierung vor allem die Realwirtschaft zu fördern und zu stärken. So bestehen derzeit mehrere KMU-Förderprogramme, die zum größten Teil von der EU kofinanziert werden. Daneben ist, nicht nur auf Grund der EU-2030-Ziele, der Ausbau sowie Förderung des Bereiches der Erneuerbaren Energien in den Fokus der Regierung geraten. Aufgrund der vielen Sonnentage und der geringen, vorhanden Maßnahmen zur Energieeffizienz besteht hier deutliches Potential.   

Das Programm „Land für Staatsbürgerschaft“ brachte Zypern im Jahr 2013 rund 300 Millionen Euro Einnahmen. Grundbedingungen eines dauerhaften Aufenthaltsrechts für Drittstaatler sind der Kauf eines privaten Heims im Wert von mindestens 300.000 Euro und Bankeinlagen von mindestens 30.000 Euro in einer zyprischen Bank für wenigstens 3 Jahre. Die Mehrzahl der Antragsteller stammt aus Russland und China. 


Außenhandel

Die zyprische Wirtschaft leidet traditionell an einer Exportschwäche, die sich im Zeitraum Januar bis Dezember 2014 in einem Handelsbilanzdefizit von 3,67 Milliarden Euro niederschlug. Damit stieg das Handelsbilanzdefizit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Jan-Dez. 2013: 3,2 Mrd.) etwas an. Es wurden 2014 Importe im Wert von 5,11 Milliarden Euro (2013: 4,81 Mrd. Euro) verzeichnet.  Die Exporte sanken in 2014  auf 1,44 Mrd Euro (2013: 1,61 Mrd. Euro). Die Importe wurden zuletzt  durch Einnahmen aus dem Tourismus und dem aktuell leidenden Finanz- und Dienstleistungssektor finanziert.

Größter Abnehmer der Exporte ist weiterhin die EU, darunter an erster Stelle  Großbritannien gefolgt von Griechenland. Der Export nach Deutschland sank wie in den vergangenen Jahren weiter.  So exportierte Zypern nach Deutschland  nach Angaben des Statistical Service Cyprus  von Januar bis November 2014 Waren im Wert von ca. 32,4 Millionen Euro und damit etwas weniger  als im Vorjahreszeitraum (Jan-Nov. 2013: 38,3 Mio. Euro).  Zyprische Exporte bestehen überwiegend aus chemischen Erzeugnissen, Nahrungsmitteln (Kartoffeln, Wein, Zitrusfrüchte) und Rohstoffen. Ferner erfolgen Re-Exporte (bspw. japanische Kraftfahrzeuge nach Großbritannien). Die Re-Exporte stiegen 2013 im Vergleich zu 2012 um 13,3 Prozent.

Von Januar bis November 2014 führte Zypern nach Angaben des Statistical Service Cyprus aus Deutschland insgesamt Waren im Werte von rund 323,6 Millionen Euro (Jan-Nov. 2013: 287,2 Mio. Euro) ein. Mit einem Anteil von 6,8 Prozent der Gesamtlieferungen war Deutschland in der jüngeren Vergangenheit viertgrößter Lieferant Zyperns und auf Platz 5 der wichtigsten Exportländer mit einem Anteil von 2,4 Prozent der gesamten Exporte. Die wichtigsten Einfuhrgüter sind Kraftfahrzeuge, Maschinen, Industriebedarf,

Weitere Informationen zum zyprischen Finanzsektor: 

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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