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Wirtschaft

Stand: Juni 2016

Grundlinien der Finanz- und Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftsverfassung der Republik Zypern ist eine liberale Marktwirtschaft. im Zuge der Finanzkrise ist das Land bestrebt, seine europäische und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und als EU-Mitgliedsland im östlichen Mittelmeer die Wirtschaftsbeziehungen zu den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens auszubauen.

Ende Juni 2012 beantragte die zyprische Regierung wegen der prekären fiskalischen Situation internationale Finanzhilfen. Mit Entscheidung der Eurogruppe vom 25. März 2013 wurde unter der neuen Regierung Anastasiades ein Memorandum of Understanding (MoU) vereinbart. Inhaltlich legt das MoU neben der Haushaltskonsolidierung und Strukturreformen den Schwerpunkt auf die Reform des überdimensionierten Finanzsektors. Dabei ging es vor allem darum, das Geschäftsmodell des Finanzsektors neu auszurichten und diesen stark zu verkleinern. Daneben steht der Aufbau und Fortentwicklung der Realwirtschaft im Mittelpunkt der Reformen.

Erstmals bei einem Rettungsprogramm in der Eurozone wurden auch Gläubiger mit Einlagen(oberhalb von 100.000 Euro) im Rahmen eines debt-to-equitiy-swap bei den beiden Großbanken Cyprus Popular Bank (CPB, vormals Laiki) und Bank of Cyprus (BoC) zur Rekapitalisierung direkt herangezogen. Die zuvor bereits verstaatlichte CPB wurde abgewickelt. Die Programmmittel aus dem ESM bzw. IWF in Höhe von 10 Mrd. Euro wurden nicht zur Rekapitalisierung dieser Banken genutzt, sondern kamen der Haushaltskonsolidierung  und der Restrukturierung der übrigen Banken zugute. Begleitet wurden die Restrukturierungsmaßnahmen von Kapitalverkehrskontrollen die zwischenzeitlich wieder vollständig aufgehoben wurden. . Auch aufgrund der vorgenommenen Reformen konnte Zypern das Programm im März durch Beschluss der Europgruppe 2016 verlassen.  Von den im Rahmen des Anpassungsprogrammes zur Verfügung gestellten 10 Milliarden Euro wurden nur insgesamt 7,25 Milliarden Euro in Anspruch genommen.

Zypern strebt weiterhin an, seine Stellung als attraktives Finanzzentrum mit Brückenfunktion in den Nahen- und Mittleren Osten und nach Russland zu erhalten. Im Rahmen des MoU wurde der Unternehmenssteuersatz von 10 auf 12,5 Prozent angehoben. Es gibt drei einheitliche Einkommensteuersätze von 20, 25 und 30 Prozent (Stufentarif), wobei ein Jahreseinkommen bis 19.500 Euro steuerfrei bleibt. Zudem wird seit Januar 2014 auf Monatseinkommen ab 1500 Euro eine monatliche Sonderabgabe (Special Contribution) in Höhe von 2,5 bis 3,5 Prozent erhoben. Auf Zypern besteht ein indexiertes System der automatischen halbjährlichen Anpassung von Löhnen und Gehältern an die Inflationsrate (Cost of Living Allowance, CoLA). Auch dieses Indizierungssystem bleibt zunächst suspendiert, Lohnanpassungen wurden während Rezessionsjahren ausgesetzt. Gesetzlicher Mindestlohn ist für Verkäufer, Pflegepersonal, Büroangestellte, Friseure und Erzieher festgelegt: Dieser beträgt derzeit 870 Euro während der ersten 6 Monate eines Beschäftigungsverhältnisses und danach 924 Euro. In allen anderen Bereichen gibt es keinen gesetzlichen Mindestlohn.

Die Mehrwertsteuer wurde im Jahr 2014 von 18 auf 19 Prozent erhöht.

Große Hoffnungen setzte die Republik Zypern in Gasvorkommen in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, gemäß internationaler Seerechtskonvention UNCLOS) der Insel im südöstlichen Mittelmeer, nachdem Probebohrungen der US-Firma Noble Energy Ende 2011 erfolgreich verliefen. In einem  mehrstufigen internationalen Lizenzierungsverfahren zur Exploration wurden in der Folge die einzelnen Blöcke in der zyprischen AWZ durch die zyprische Regierung an international tätige Unternehmen vergeben. Allerdings ergaben erste Untersuchungsergebnisse der weiteren durchgeführten Probebohrungen, die im Dezember 2014 und Januar 2015 bekannt gegeben wurden, dass weniger Erdgasvorkommen, als erwartet, in den Blöcken vorhanden sind. Zudem macht der aktuell niedrige Gaspreis eine Bewirtschaftung dieser Vorkommen weniger attraktiv.

Die Diskussion um die Gasvorkommen befördert Spannungen zwischen Zypern und der Türkei, welche die zyprische AWZ (Ausschließliche Wirtschaftszone) nicht anerkennt und teilnehmenden Firmen ihrerseits mit bilateralen Konsequenzen gedroht hat. Ohnehin ist die völkerrechtliche Delimitierung der Seegrenzen in großen Teilen des an die bisher bekannten Gasfelder angrenzenden östlichen Mittelmeeres umstritten.


Aktuelle Wirtschaftslage

Die wirtschaftliche Entwicklung der Republik Zypern ist stark von der weltwirtschaftlichen Entwicklung geprägt. Das wirtschaftliche Wachstum Zyperns der letzten Jahrzehnte (Durchschnitt des BIP-Wachstums 1975 – 2000: real circa 5,5 Prozent) hat sich vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise und eines verschärften Wettbewerbs im Tourismus insbesondere seit 2009 deutlich verlangsamt. Mit Einsetzen der zyprischen Bankenkrise schlitterte das Land endgültig in die Rezession. Im Jahr 2015   lag das Wachstum nach derzeitigen Schätzungen wieder bei 1,6  Prozent im Vergleich zu einem Negativwachstum in 2014 von 2,5 Prozent. Für 2016 prognostizierte die zyprische Regierung ein Wachstum von 2,0. Die Inflationsrate im Jahr 2015 betrug -1,1 Prozent. Das BIP betrug im Jahr 2015 17,4 Milliarden Euro. Das Pro-Kopf-Einkommen stieg  von  18.751 Euro im Jahr 2014 auf 20.363 Euro im Jahr 2015.

Im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit (2014: 16,1 Prozent und ca. 33 Prozent Jugendarbeitslosigkeit) wurden seit Januar 2014 Maßnahmen im Umfang von insgesamt 340 Mio. Euro umgesetzt. Zudem hat die Europäische Investitionsbank zwei innovative Programme im Umfang von 150 Mio. Euro finanziert. Im Jahr 2015 sank die Arbeitslosenquote auf 15,3 Prozent.  


Wichtigste Wirtschaftszweige

Der bedeutendste Wirtschaftszweig Zyperns ist das Dienstleistungsgewerbe, vornehmlich bestehend aus Tourismus- sowie Finanz- und Unternehmensdienstleistungen (zusammen 80 Prozent der Wirtschaftsleistung). Die Tourismusbranche bildet die wichtigste Einnahmequelle der Wirtschaft des Landes und erlebte im jahr 2015 einen starken Aufschwung. Im Vergleich zu 2014 mit 2,4 Mio. Touristen besuchten im Jahr 2015 knapp 2,7 Mio. Touristen, davon 112.000 deutsche Urlauber, die Insel.

Die Einnahmen aus dem Tourismus stiegen im Vergleich zum Vorjahr entsprechend an.  Im Zeitraum Januar – November 2015 betrugen sie 2,11 Mrd. Euro (Januar- November 2014: 2,02 Mrd. Euro). Dies entspricht einem Anstieg von 4,4 Prozent.

Im Bereich der Finanzdienstleistungen bleibt Zypern nicht zuletzt aufgrund der attraktiven Steuergesetzgebung ein interessanter Standort. Der Bankensektor und angrenzende Sektoren wie Beratungen und Wirtschaftskanzleien, aber auch der Immobiliensektor, sind nach wie vor von großer Bedeutung für die zyprische Wirtschaft.

Daneben versucht die zyprische Regierung vor allem die Realwirtschaft zu fördern und zu stärken. So bestehen derzeit mehrere KMU-Förderprogramme, die zum größten Teil von der EU kofinanziert werden. Daneben ist, nicht nur auf Grund der EU-2030-Ziele, der Ausbau sowie Förderung des Bereiches der Erneuerbaren Energien in den Fokus der Regierung geraten. Aufgrund der vielen Sonnentage und der geringen, vorhanden Maßnahmen zur Energieeffizienz besteht hier deutliches Potential.  

Das Programm „Land für Staatsbürgerschaft“ brachte Zypern im Jahr 2013 rund 300 Millionen Euro Einnahmen. Grundbedingungen eines dauerhaften Aufenthaltsrechts für Drittstaatler sind der Kauf eines privaten Heims im Wert von mindestens 300.000 Euro und Bankeinlagen von mindestens 30.000 Euro in einer zyprischen Bank für wenigstens 3 Jahre. Die Mehrzahl der Antragsteller stammt aus Russland und China.


Außenhandel

Die zyprische Wirtschaft leidet traditionell an einer Exportschwäche, die sich im Zeitraum Januar bis Dezember 2015 in einem Handelsbilanzdefizit von 3,4 Milliarden Euro niederschlug. Damit sank  das Handelsbilanzdefizit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Jan-Dez. 2014: 3,7 Mrd.) etwas ab. Es wurden 2015 Importe im Wert von 5 Milliarden Euro (2014: 5,1 Mrd. Euro) verzeichnet.  Die Exporte stiegen 2015  auf 1,6 Milliarden Euro (2014: 1,4 Milliarden Euro). Die Importe wurden zuletzt  durch Einnahmen aus dem Tourismus und Direktinvestitionenen in den  aktuell leidenden Finanz- und Dienstleistungssektor finanziert.

Größter Abnehmer der Exporte ist weiterhin die EU, darunter an erster Stelle  Großbritannien gefolgt von Griechenland. Der Export nach Deutschland sank wie in den vergangenen Jahren weiter. So exportierte Zypern nach Deutschland  nach Angaben des Statistical Service Cyprus  von Januar bis November 2015 Waren im Wert von ca. 111,2 Millionen Euro und damit 20 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (Jan-Nov. 2014: 92,6 Mio. Euro). Zyprische Exporte bestehen überwiegend aus chemischen Erzeugnissen, Nahrungsmitteln (Kartoffeln, Wein, Zitrusfrüchte) und Rohstoffen.

2015 führte Zypern aus Deutschland insgesamt Waren im Werte von rund 556,5 Millionen Euro (2014: 571,7 Mio. Euro) ein. Mit einem Anteil von 7,1 Prozent der Gesamtlieferungen war Deutschland 2014 fünftgrößter Lieferant Zyperns und auf Platz 6 der wichtigsten Exportländer mit einem Anteil von 3,3 Prozent der gesamten Exporte. Die wichtigsten Einfuhrgüter sind Kraftfahrzeuge, Maschinen, Industriebedarf,

Weitere Informationen zum zyprischen Finanzsektor: 

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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