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Wirtschaft

Stand: Mai 2012

Die folgenden Angaben beziehen sich auf die Republik Zypern. Die wichtigsten Zahlen zum Nordteil der Insel finden Sie in "Zypern auf einen Blick".

Grundlinien der Finanz- und Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftsverfassung der Republik Zypern ist eine liberale Marktwirtschaft. Zypern beabsichtigt, seine europäische und internationale Wettbewerbsfähigkeit insbesondere durch Ausbau des Dienstleistungssektors zu verbessern und als EU–Mitglied im östlichen Mittelmeer die Wirtschaftsbeziehungen zu den Ländern des Nahen- und Mittleren Ostens auszubauen. Die zyprische Wirtschaft ist im europäischen Binnenmarkt steigendem Wettbewerb ausgesetzt, die Bevölkerung profitiert im eigenen Lande aufgrund des kleinen Marktes und der Insellage nur teilweise. Die Expansion der deutschen Supermarktkette Lidl nach Zypern (Ende 2010) hat sich positiv auf den Wettbewerb auf dem Lebensmittelsektor ausgewirkt.

Steuerpolitisch strebt Zypern an, seine Stellung als attraktives Finanzzentrum mit Brückenfunktion in den Nahen- und Mittleren Osten und nach Russland zu konsolidieren. Dementsprechend wird eine Angleichung der Unternehmenssteuern auf EU-Ebene abgelehnt. In Zypern wird eine einheitliche Unternehmenssteuer von 10 Prozent erhoben, es gibt drei einheitliche Einkommensteuersätze von 20, 25 und 30 Prozent (Stufentarif, wobei ein Jahreseinkommen bis 19.500 Euro steuerfrei bleibt. Auf Zypern besteht ein indexiertes System der automatischen halbjährlichen Anpassung von Löhnen und Gehältern an die Inflationsrate (Cost of Living Allowance, COLA). Der gesetzliche Mindestlohn beträgt derzeit 835 Euro während der ersten 6 Monate eines Beschäftigungsverhältnisses und danach 887 Euro). Daneben gibt es keinen gesetzlichen Mindestlohn.


Aktuelle Wirtschaftslage

Die wirtschaftliche Entwicklung der Republik Zypern ist stark von der weltwirtschaftlichen Entwicklung geprägt. Das bemerkenswerte wirtschaftliche Wachstum Zyperns der letzten Jahrzehnte (Durchschnitt des BIP-Wachstums: 1975 – 2000: real circa 5,5 Prozent) hat sich vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise, steigender Ölpreise und eines verschärften Wettbewerbs im Tourismus insbesondere seit 2009 deutlich verlangsamt. Das zyprische Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen hat sich nach dem Negativwachstum, dass zwischen 2009 und 2010 anhielt, wieder erholt und ist 2011 um 0,5 Prozent gestiegen und betrug nach Angaben des zyprischen Finanzministeriums im Jahre 2011 17,8 Milliarden Euro. Das Pro-Kopf-Einkommen betrug 2011 etwa 24.000 Euro. Der Bankensektor Zyperns, der für die Gesamtwirtschaft des Landes von großer Bedeutung ist, wird von der Finanzkrise stark getroffen. Zyprische Banken halten eine sehr große Anzahl griechischer Anleihen. In Folge des Schuldenschnitts Griechenlands steht eine Bankenrestrukturierung der Cyprus Popular Bank offenbar bevor. Sorge bereitet die zuletzt kontinuierlich steigende Arbeitslosigkeit die noch zu Beginn des Jahres 2011 bei 6 Prozent lag und inzwischen mit über 10 Prozent ihren historischen Höchststand erreicht hat. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt sogar auch bedingt durch verstärkte Einwanderung von jungen Akademikern aus der EU (Griechenland, Rumänien, Bulgarien), bei 23 Prozent.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Die bedeutendsten Wirtschaftszweige Zyperns sind das Dienstleistungsgewerbe, bestehend aus Tourismus, Finanz- und Unternehmensdienstleistungen. Die Tourismusbranche (circa 2,17 Millionen Besucher 2010, davon 1 Million aus Großbritannien, 223.000 aus Russland und 139.000 aus Deutschland) bildet die wichtigste Einnahmequelle der Wirtschaft des Landes. Die Touristenzahlen sind zuletzt 2010 um 1,5 Prozent und in 2011 um 10,1 Prozent gestiegen. Im Bereich der Finanzdienstleistungen bleibt Zypern nicht zuletzt aufgrund der attraktiven Steuergesetzgebung ein interessanter Standort. Der Bankensektor hält Assets in Höhe von der 8-fachen zyprischen Wirtschaftsleistung und ist daher besonders anfällig.


Außenhandel

Die zyprische Wirtschaft leidet traditionell an einer Exportschwäche, die sich 2010 in einem Handelsbilanzdefizit von 5,3 Milliarden Euro. niederschlägt. Die 2010 wieder stark gestiegenen Importe (6,47 Milliarden Euro) werden durch Einnahmen aus dem Tourismus (Einbruch 2009) und dem Finanz- und Dienstleistungssektor finanziert. Auf bestimmte Güter werden teilweise hohe Steuern erhoben.

Die Exporte Zyperns erreichten 2010 1,15 Milliarden Euro. Größter Abnehmer ist die EU, führend darunter sind Großbritannien und Griechenland. Deutschland importierte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Waren im Wert von 239, 7 Millionen Euro im Jahre 2011 aus Zypern. Zyprische Exporte bestehen allerdings überwiegend aus Re-Exporten (bspw. japanische Kraftfahrzeuge nach Großbritannien), gefolgt von Agrarerzeugnissen (Kartoffeln, Wein, Zitrusfrüchten) sowie Pharmazeutika.

Die Warenimporte Zyperns beliefen sich 2010 auf insgesamt 6,474 Milliarden Euro. Insgesamt führte Zypern nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2011 aus Deutschland Waren im Werte von rund 742,2 Millionen Euro ein. Mit einem Anteil von 9 Prozent der Gesamtlieferungen, war Deutschland 2010 drittwichtigster Lieferant Zyperns (nach Griechenland und Italien) und das zweitwichtigste Exportland (nach Griechenland) mit einem Anteil von 9 Prozent der gesamten Exporte. Die wichtigsten Einfuhrgüter sind Kraftfahrzeuge, Maschinen, Industriebedarf, elektrische Geräte und Konsumgüter. Nähere Einzelheiten können der Webseite des Statistischen Amtes entnommen werden.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.