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Beziehungen zu Deutschland

Stand: Mai 2012

Die deutsch-zyprischen Beziehungen sind eng und freundschaftlich. Die Bundesrepublik hat als fünfter Staat bereits am 20. August 1960 diplomatische Beziehungen zur jungen Republik Zypern aufgenommen (Unabhängigkeit 16. August 1960). Mit dem Beitritt Zyperns zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 haben die Beziehungen eine weitere Dimension erhalten.

Die militärische Intervention der Türkei im Norden der Insel von 1974 hat das Land faktisch geteilt. Die Bundesrepublik Deutschland pflegt keine offiziellen Beziehungen zu der nur von der Türkei anerkannten so genannten "Türkischen Republik Nordzypern", hält jedoch vielfältige Kontakte zu Vertretern der türkisch-zyprischen Volksgruppe auf politischer und kultureller Ebene.

Politische Beziehungen

Zwischen der Republik Zypern und Deutschland besteht eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Regierungsebene. Bundesaußenminister Westerwelle besuchte Zypern am 22./23, Juli 2010, Bundeskanzlerin Merkel am 11. Januar 2011. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Entwicklungen bei den aktuellen Verhandlungen der beiden zyprischen Volksgruppen zur Wiedervereinigung der Insel sowie der Beitrittsprozess EU-Türkei. Auch auf parlamentarischer Ebene besteht ein reger Austausch. Die deutsch-zyprische Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages besuchte Zypern im Oktober 2011, der EU-Ausschuss des Deutschen Bundestages wird Zypern Anfang Juli 2012 zu Beginn der zyprischen Präsidentschaft besuchen.


Wirtschaftsbeziehungen

Schon früh nach der Unabhängigkeit Zyperns wurde zwischen beiden Ländern ein Handels- und Wirtschaftsabkommen abgeschlossen (1961), dem ein Luftverkehrsabkommen (1967), ein Doppelbesteuerungsabkommen (1974) und ein Abkommen über den grenzüberschreitenden Personen- und Güterverkehr folgten (1980). Große Teile dieser Abkommen gingen ab 1987 in EU-Recht über, das seit dem 1. Mai 2004 mit dem vollzogenen Beitritt Zyperns zur EU auch in Zypern gilt. Die Neuauflage des Doppelbesteuerungsabkommens konnte am 18. Februar 2011 in Nikosia unterzeichnet werden. Aktuell wird über ein bilaterales Geheimschutzabkommen verhandelt.

Die deutsche Außenhandelsstatistik weist für 2011 einen Exportüberschuss Deutschlands gegenüber Zypern in Höhe von 502,5 Millionen Euro aus; bei deutschen Exporten nach Zypern im Werte von 742,2 Millionen Euro und deutschen Importen aus Zypern im Werte von 239,7 Millionen Euro. Die Bundesrepublik ist hinter Griechenland, und Italien der drittwichtigste Lieferant für Zypern und das zweitwichtigste Exportland (nach Griechenland) mit einem Anteil von 9 Prozent der gesamten Exporte. In der für Zypern bedeutenden Tourismusindustrie rangierte Deutschland 2010 mit 139.000 Besuchern an dritter Stelle hinter Großbritannien (circa 1 Million) und Russland (223.000). Eine besonders enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Zypern gibt es auf dem Schifffahrtssektor: Zahlreiche deutsche Reedereien und Schiffsmanagement-Unternehmen haben ihren Sitz in Limassol auf Zypern. Die Schifffahrtsbranche trägt nach Aussagen des Verbands auf der Jahrestagung 7 bis 8 Prozent zum zyprischen BIP bei. Zypern unterhält die zehntgrößte Flotte weltweit, der CSC sind ca. 2400 Schiffe insgesamt angeschlossen. Die Industrie unterhält derzeit 4.500 Arbeitsplätze „onshore“ und ca. 55.000 Seefahrer.


Kulturelle Beziehungen

Deutschland unterhält enge Kulturbeziehungen zu beiden Bevölkerungsteilen der Insel. Wichtigster Träger der Kulturbeziehungen zwischen beiden Länderin ist das Goethe-Institut in Nikosia, das im Juli 2011 nach über 10jähriger Schließung wieder eröffnet wurde. In jeder Volksgruppe gibt es einen Kulturverein (Deutsch-Zyprischer Kulturverein im Süden und Deutsch-Türkischzyprischer Kulturverein im Norden), der eng mit dem Goethe-Zentrum und der Botschaft zusammenarbeitet. Darüber hinaus bereichern weitere deutsch-zyprische Vereinigungen (Deutschlehrer- und Ehemaligenvereine) das deutsche kulturelle Angebot auf der Insel. Ein Kulturabkommen mit der Republik Zypern wurde 1971 abgeschlossen.

Deutsch als Fremdsprache ist unter Griechenzyprern weniger verbreitet als im Norden der Insel. Derzeit wird das Fremdsprachenangebot an Schulen im Rahmen einer Curriculumsreform überarbeitet: Es ist geplant, nach Englisch als Pflichtfremdsprache und Französisch als Teilpflichtfremdsprache Deutsch als Wahlfach ab den Gymnasiumsklassen neben weiteren (europäischen) Fremdsprachen anzubieten. Der zyprische Deutschlehrerverband (www.zdv-online.org) unterstützt dieses Vorhaben nach Kräften.

Im türkisch besetzten Nordteil der Insel kann Deutsch neben 12 weiteren Sprachen als zweite Sprache gewählt werden. Das Interesse an Deutsch als Fremdsprache ist dort aber zurückgegangen, seitdem Schüler Fremdsprachen zugunsten anderer Fächer abwählen können.

Das Interesse an der Deutschen Sprache wächst weiterhin, wie die Einschreibezahlen an GI und privaten Sprachschulen aufzeigen. Die Attraktivität des Studienstandortes Deutschland (niedrige Studiengebühren, hohe Qualität der Ausbildung, Karrieremöglichkeiten) gerät zunehmend ins Blickfeld zyprischer Studenten und Wissenschaftler: Beispielsweise haben das Max-Planck Institut und das „Cyprus Insitute“ ein Memorandum of Understanding im Jahr 2011 unterzeichnet, das u.a. Forschungskooperationen ermöglicht.

Viele Zyprer aus beiden Volksgruppen haben in Deutschland studiert, nicht wenige mit Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und anderer Stiftungen. Seit Mai 1997 besteht an der Universität Münster ein Zentrum für interdisziplinäre Zypernstudien (Universität Münster, Zypern-Institut), und seit dem Wintersemester 2003 sind DAAD-Lektoren an der Universität von Zypern tätig. Weitere deutsche Dozenten an anderen höheren Bildungseinrichtungen im Süden und Norden der Insel tragen dazu bei, bestehende Hochschulkontakte zu vertiefen, neue zu knüpfen und das Interesse an einem Studium in Deutschland zu wecken.

Darüber hinaus ist das Studienangebot in der Republik Zypern für deutsche Studenten attraktiver geworden. Neben den staatlichen Universitäten (University of Cyprus in Nikosia und Technische Universität in Limassol) beteiligen sich auch eine Reihe privater Studieneinrichtungen an Austauschprogrammen mit deutschen und europäischen Partneruniversitäten.

Im Jahr 2004 wurde ein Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung von Hochschulabschlüssen (Äquivalenzabkommen) unterzeichnet, das den Zugang zyprischer und deutscher Studierender zu deutschen und zyprischen Hochschulen sowie die spätere Führung dort erworbener Hochschulgrade im jeweiligen Partnerland erleichtern soll.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.