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Vereinigte Arabische Emirate

Wirtschaft

Stand: April 2012 

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise 2011 für im wesentlichen überwunden erklärt und sind nominal unverändert die zweitgrößte Volkswirtschaft der arabischen Welt (nach Saudi-Arabien). Das magere BIP-Wachstum 2010 (+1,4%) wird 2011 wieder übertroffen (IMF-Schätzung: +3,3%). Für 2012 werden für die VAE – je nach Entwicklung des Ölpreises – wieder 4 Prozent Wachstum erwartet. Die Wirtschaft der VAE und hier insbesondere das Emirat Dubai mit entwickelter touristischer Infrastruktur hat im Zuge der politischen Umbrüche in der arabischen Welt sogar eine Zunahme der Tourismus- und Finanzströme zu verzeichnen. Allerdings scheinen westliche Banken mehr Kapital abgezogen zu haben als aufgrund des „Arabischen Frühlings“ zugeflossen ist. Ausländische Direktinvestitionen in die VAE sollen 2010 mindestens 13 Milliarden US-Dollar betragen haben. Aktuelle Anzeichen eines neuen Aufschwungs sind die belebte Auftragslage im Nichtöl-Sektor, hohe Liquidität im Bankensektor (bei allerdings zögerlicher neuer Kreditvergabe), neuer Aufschwung bei Ex- und Importen und deutliche Zahlungsbilanzüberschüsse. Die Inflation bleibt mit weniger als 3% unter Kontrolle.

Grundpfeiler der Erholung bleibt erneut der anhaltend hohe Ölpreis am Weltmarkt, der die Einnahmen- und Bilanzpositionen der VAE 2011 überdurchschnittlich verbessert hat. Die VAE beschleunigen zurzeit die Ausweitung ihrer Ölförderkapazität von derzeit 2,8 Millionen Fass pro Tag auf mittelfristig bis zu 3,5 Millionen Fass pro Tag. Parallel dazu hat 2011 die anspruchsvolle Sauergas-Erschließung im reichen Shah-Gasfeld im Emirat Abu Dhabi begonnen. Gemessen an ihren reichen fossilen Energiereserven (sechstgrößte Ölvorkommen; siebentgrößte Gasvorräte weltweit) hohen Anlagen ihrer Staatsfonds und einem der höchsten Pro-Kopf-Einkommen (mind. 48.000 US-Dollar) gehören die VAE nominal weiter zu den reichsten Staaten am Golf und zugleich zu den finanzkräftigsten Investoren weltweit. 

Um die Wirtschaft auf eine langfristig berechenbare, von Ölpreisschwankungen unabhängige Grundlage zu stellen und auf die Zeit nach dem Öl vorzubereiten, verfolgen die VAE einen ambitionierten Kurs wirtschaftlicher Diversifizierung durch die Verbreitung ihrer industriellen Basis (insb. Abu Dhabi) und den Ausbau von Logistik, Handel, Tourismus und Finanzdienstleistungen (insb. Dubai). Die Regierung setzt auf den Aufbau energie- und kapitalintensiver Industriezweige (Stahl, Aluminium, Petrochemie), aber auch auf Hochtechnologie (Luftfahrt, Mikrochipproduktion, Erneuerbare Energien) und auf den Tourismus. 

Die wirtschaftliche Diversifizierung wird substanziell vom Emirat Abu Dhabi getragen, das alle anderen Emirate wirtschaftlich mit unterstützt. So hatte Präsident Khalifa Anfang 2011 den nördlichen Emiraten Sofort-Infrastrukturhilfen über rund 1,6 Milliarden US-Dollar zur Sicherung von Basisdienstleistungen (Strom, Wasser) und zur Angleichung der Lebensverhältnisse zugesagt. 

Das Emirat Dubai hat mit Abschluss von Umschuldungsverhandlungen über rund 25 Milliarden US-Dollar eine wichtige Voraussetzung zur Beilegung seiner Schuldenkrise und für die Rückkehr ausländischer Investoren geschaffen. Die nächsten Jahre sind aber noch dem Spardiktat unterworfen. Für die Bedienung fälliger Verbindlichkeiten sind allein 2012 ca. 20 - 30 Milliarden US-Dollar notwendig, für deren Abdeckung noch keine Lösung in Sicht ist.

Gleichwohl zeigen andere Wirtschaftssektoren, insb. Fracht-Logistik im See- und Luftverkehr (Zentrum in der Freihandelszone Jebel Ali) und der Ausbau entsprechender Infrastruktur (weltgrößter neuer Flughafen Dubai World Central, Handel (Re-Exporte), als Messestandort (ca. 20 vom BMWi geförderte deutsche Gemeinschaftsbeteiligungen), Flugverkehr, Tourismus und Finanzdienstleistungen als Kernstärken des Emirats bereits wieder deutliche Züge gesunden Wachstums. Zur Finanzierung von Projekten soll auch der Aktienmarkt belebt und noch mehr Privatkapital mobilisiert werden, die entsprechenden Börsen in Dubai und Abu Dhabi sind aber bisher wegen ihrer geringen Größe allenfalls von lokaler Bedeutung. 

Wichtige Voraussetzung für die neuerliche Konjunkturbelebung in den VAE bleibt wieder steigende Kreditvergabe, für die sich einige Geschäftsbanken auf hoher Kapitalbasis konsolidiert haben. Fiskalpolitisch stützt die Regierung den einsetzenden Aufschwung durch anhaltend hohe Sozialleistungen, staatlich getriebene Infrastrukturinvestitionen in Milliardenhöhe und, falls notwendig, Subventionen für Grundnahrungsmittel. Dabei bleibt sie zugleich um Erweiterung ihrer Einnahmebasis in Randbereichen bemüht, etwa bei Gebühren für öffentliche Dienstleistungen. Zum 40. Jahrestag der VAE am 2. Dezember 2011 wurden erneut üppige fiskalpolitische Geschenke an das Volk verteilt, etwa bis zur Verdopplung von Gehältern im öffentlichen Dienst. 

Die VAE setzen insgesamt ihren Kurs der außenwirtschaftlichen Liberalisierung und Marktöffnung fort: Auf nationaler Ebene werden u.a. Gesetzentwürfe für ein neues Unternehmensgesetz, ein moderneres Investitionsgesetz, ein Streitschlichtungsgesetz, ein Wettbewerbsgesetz und eines für klein- und mittelständische Unternehmen diskutiert. Investoren erhoffen sich mittelfristig auch eine Neufassung der Beteiligungs- bzw. Sponsorengesetzgebung (ausländische Investoren können bislang nur maximal 49 Prozent der Anteile eines Joint-Venture-Unternehmens halten, außer in Freihandelszonen). 

Im Zuge wirtschaftlicher Diversifizierung und steigenden Umweltbewusstseins fördern die VAE sehr allmählich auch die Entwicklung erneuerbarer Energien: Bis 2020 sollen der ökologische Fußabdruck erheblich vermindert und mindestens 7 Prozent der Energieversorgung durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Insbesondere für das Projekt einer Öko-Stadt Masdar City in Abu Dhabi bieten die VAE ein auch für deutsche Umwelttechnologie interessantes Großexperiment. Die Bundesregierung ist reglmäßig und hochrangig auf dem World Future Energy Summit in Abu Dhabi vertreten, dem wichtigstem Messe- und Konferenzschaufenster der VAE für Erneuerbare Energie. Mit Ansiedlung der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) in Abu Dhabi, hat dieser Sektor weiter an Bedeutung gewonnen. Seit April 2011 arbeitet IRENA von Abu Dhabi als erste Internationale Organisation auf der Arabischen Halbinsel (mit bisher etwa 150 Mitgliedstaaten).

Im Bereich Kernenergie unterzeichneten die VAE Ende 2009 einen Großauftrag über circa 20 Milliarden US-Dollar mit einer koreanischen Firmengruppe zur Errichtung von zunächst vier Leichtwasserreaktoren von je 1.400 MW (erste Fertigstellung 2017 geplant).



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Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.