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Kultur- und Bildungspolitik
Stand: März 2012
Über die Grenzen Venezuelas bekannt ist das Netzwerk der venezolanischen Kinder- und Jugendorchester (Fundación –Musical Simón Bolívar, ehemals FESNOJIV), eine wegweisenden Einrichtung, die man in Venezuela nur als El Sistema bezeichnet. Es ist das Lebenswerk des Visionärs José Antonio Abreu, der Mitte der 1970er Jahre die musikalische Erziehung mit dem Ziel begann, Kindern aus sozial schwachen Familien durch die Musik Würde, Selbstvertrauen und ein Leben jenseits von Gewalt und Drogen zu bieten. In den vierzig Jahren seit seiner Gründung entstand ein Netzwerk, das nicht nur für fast 350.000 Kindern sinnstiftend wirkt, sondern mit der Sinfónica Nacional de la Juventud Venezolana Simón Bolívar auch ein mittlerweile weltbekanntes Orchester hervorgebracht hat. José Antonio Abreu wurde für sein Lebenswerk mit zahlreichen Preisen gewürdigt, unter anderem erhielt er im Oktober 2011 den Echo Klassik-Sonderpreis der deutschen Phono-Akadmie für sein soziales Engagement.
Das Hochschulsystem Venezuelas besteht im Wesentlichen aus drei Bereichen: Große staatliche Hochschulen mit weitgehender Autonomie (Universidades Autónomas), darunter die Universitäten von Mérida, sowie die Zentraluniversität und die Universität „Simón Bolívar“, die sich in Caracas befinden. Daneben bestehen private Universitäten, oft in konfessioneller Trägerschaft der katholischen Kirche, beispielsweise die katholische Universität „Andrés Bello“ in Caracas. Die dritte Gruppe sind sonstige staatliche Universitäten, die in den letzten Jahren einen sprunghaften Anstieg der Studentenzahlen verzeichnen konnten. Die Regierung unter Staatspräsident Hugo Chávez Frías hat das Hochschulwesen um die so genanten „bolivarischen“ Universitäten erweitert, die den Hochschulzugang für Personen aus ärmeren Bevölkerungsschichten ermöglichen sollen. Kritiker der Regierung beanstanden, dass die Kriterien für den Hochschulzugang verändert würden und nicht mehr die Eignung des Bewerbers, sondern vor allem seine soziale Herkunft oder sein Eintreten für die politischen Ziele des Präsidenten für den Zugang entscheidend sei. Die Regierung vertritt dagegen die Ansicht, dass Personen aus ärmeren Bevölkerungsschichten ohne eine gezielte staatliche Förderung von der Hochschulbildung dauerhaft ausgeschlossen blieben.
In Venezuela gilt die Schulpflicht von neun Jahren. Ziel der Regierung ist es, allen schulpflichtigen Kindern den Schulbesuch auch tatsächlich zu ermöglichen. Die Regierung nimmt in die Lehrpläne, die an staatlichen wie Privatschulen verbindlich sind, zunehmend Lehrinhalte auf, die der Erziehung nach den Grundsätzen des Sozialismus dienen sollen.
Zu den staatlichen Sozialprogrammen (Misiones) im Bildungsbereich gehört die Misión Robinson, die vor allem der Alphabetisierung von Erwachsenen dient, sowie die Misión Ribas und die Misión Sucre, die Erwachsenen ohne Schulausbildung die Grund- und Mittelschulbildung ermöglichen soll. Die Kurse sind kostenfrei, Kursteilnehmer erhalten ein Stipendium.
Die Hauptstadt Caracas ist zugleich das kulturelle Zentrum des Landes mit einer Reihe von Kultureinrichtungen, darunter Museen, Theater und Konzerthallen. Neben Caracas gilt Barquisimeto, Hauptstadt des Regionalstaates Lara, als Musikmetropole des Landes.
Deutschland ist mit einem Goethe-Institut in Caracas vertreten. Dort besteht auch ein Informationsbüro des DAAD, der u.a. ein Stipendienprogramm gemeinsam mit der staatlichen Stiftung Fundayacucho betreibt. Mit dem "Colegio Humboldt" fördert die Bundesregierung eine deutsch-venezolanische Begegnungsschule, an der das deutsche Abitur abgelegt werden kann. Im Rahmen der Partnerschulinitiative (PASCH) wird außerdem der Deutschunterricht an zwei Schulen in Valencia und Mérida unterstützt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
