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USA Vereinigte Staaten

Wirtschaftspolitik

Stand: März 2012

Grundlagen

Der Status der USA als stärkste Wirtschaftsmacht, die rund ein Fünftel des jährlichen Welteinkommens erwirtschaftet, gründet sich auf ein großes, rohstoffreiches und gut erschlossenes Territorium (mit ca. 3,5 Mio. Quadratmeilen etwa 25-fache Größe von Deutschland; die Fläche Deutschlands entspricht etwa der Größe des US-Bundesstaates Montana), auf einen großen Binnenmarkt (2011: ca. 312 Mio. Einwohner, Bruttoinlands­produkt 2011: 15.320,8 Mrd. USD, zum Vergleich Bruttoinlandsprodukt Deutschland 2011: ca. 3.342 Mrd. USD) sowie auf ein durch unternehmerische Initiative und freien Handel gekennzeichnetes Wirtschafts- und Finanzsystem. Der US-Dienstleistungs­sektor erwirtschaftet ca. 77% des Bruttoinlandsproduktes (BIP), der Industriesektor ca. 22% und die Landwirtschaft trägt ein Prozent bei.

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Das Bruttoinlandsprodukts (BIP) der USA ist im Jahr 2011 um 1,7% gewachsen, während das Wachstum 2010 noch bei 3,0% und damit dem stärksten Wachstum seit 2005 gelegen hatte. Nach dem Einbruch im ersten Quartal hat die Dynamik im Jahresverlauf 2011 zwar moderat, aber kontinuierlich zugelegt  (1. Quartal: 0,4%, 2. Quartal: 1,3%, 3. Quartal: 1,8%, 4. Quartal: 2,8%)..

Die Schwäche der ersten Jahreshälfte spiegelte sich auch bei Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung wider. Die Sparquote ist nach einem durchschnittlichen Niveau von 5,8% im Jahr 2010 auf 4,4% im Jahr 2011 gesunken. Die Konsumenten – die Stütze der amerikanischen Wirtschaftsleistung – reduzierten für den Einkauf ihre Sparquote. Hintergrund ist das in den letzten Monaten nahezu stagnierende verfügbare Einkommen.

Die Arbeitslosigkeit liegt mit 8,3% (Stand: Februar 2012) , weiterhin  auf hohem Niveau . Positiv zu verzeichnen ist eine zunehmende Dynamik am Arbeitsmarkt. Die Quote ist seit August 2011 um 0,8% gefallen. Im Vergleich zum Anfang des Jahres 2011 standen Anfang 2012 1,8 Millionen Amerikaner zusätzlich in einem Arbeitsverhältnis. Nichtsdestotrotz stellt sie ein anhaltendes Risiko für eine dynamische und stabile wirtschaftliche Erholung dar. Dies gilt auch für die stockende Erholung im Immobiliensektor. Die Häuserpreise sind auf einem 8-Jahres-Tief und Schätzungen zufolge sind 10 Mio. Haushalte im Zahlungsverzug oder schulden mehr als den derzeitigen Wert ihrer Immobilie.

Geldpolitik: Die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) behält seit März 2008 eine Niedrigzinspolitik auf dem historischen Tief von 0 bis 0,25% bei. Gemäß der Mehrzahl der Mitglieder des Offenmarktausschusses ist eine Leitzinserhöhung frühesten Ende 2014 zu erwarten (Stand: März 2012). Dies ist Teil einer neuen Kommunikationsstrategie der Zentralbank, durch die mehr Transparenz geschaffen werden soll. In diesem Zusammenhang spezifizierte sie auch erstmals ein ausdrückliches Inflationsziel auf dem Niveau von 2%. Die Ende September beschlossene „Operation Twist“ wird fortgesetzt. Dabei erwirbt die Fed langfristige Staatsanleihen im Wert von USD 400 Mrd. bis Mitte 2012, die durch den Verkauf kurz laufender Schuldverschreibungen mit Laufzeiten unter drei Jahren finanziert werden. Mit dieser Maßnahme verfolgt die Fed das Ziel, die langfristigen Zinsen zu senken und damit die Finanzierungskosten der Wirtschaft zu reduzieren, ohne jedoch neues Geld in das System zu pumpen.

Haushalt: Das Haushaltsjahr 2011 schloss mit einem Defizit von USD 1.300 Mrd. oder 8,7 % des BIP. Im Vorjahr überstiegen die Ausgaben die Einnahmen um 9% des BIP. Für 2012 erwartet das Weiße Haus ein Defizit von 8,5% des BIP. 2013 soll es dann auf 5,5% absinken. Der von Präsident Obama Mitte Februar vorgelegte letzte Budgetentwurf dieser Amtsperiode sieht Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Forschung bei gleichzeitiger Reduzierung des Defizits vor. Ermöglicht werden soll dies unter anderem durch die sogenannte "Buffet-Rule", nach der niemand, dessen Jahreseinkommen über einer Million USD liegt, einen Einkommenssteuersatz unterhalb 30 Prozent erzielen sollte. Der Präsident fordert Konsolidierungsmaßnahmen in Höhe von USD 3,2 Bio. innerhalb der nächsten zehn Jahre. Unter Einbeziehung der bereits im Rahmen der Erhöhung der Schuldenobergrenze beschlossenen Kürzungen soll das Defizit um USD 4 Bio. zurückgeführt werden. Der Haushaltsentwurf des Präsidenten ist eine politische Willenserklärung und wird in einem Wahljahr in der Regel nicht vom Kongress umgesetzt.

Außenhandel

Die USA sind weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter und standen als Exporteur 2010 (nur Waren) hinter China und Deutschland an zweiter Stelle.  Die Handelsbilanz der USA schloss 2011 mit einem Defizit in Höhe von 558 Mrd. USD ab. Dieses ist um 58 Mrd. US-Dollar größer als das Defizit des Jahres 2010 (500 Mrd. US-Dollar). Sowohl das Export- (2.103,1 Mrd. USD) als auch das Importvolumen für Waren und Dienstleistungen (2.661,1 Mrd. USD ) hat sich 2011 im Vergleich zum Vorjahr vergrößert (1.831,8 Mrd. USD bzw. 2.329,7 Mrd. USD für 2010).

Das Handelsbilanzdefizit der USA mit China hat sich von 273 Mrd. USD 2010 auf rund 295,5 Mrd. USD im Jahr 2011 vergrößert.

Hauptabnehmerländer für US-Warenexporte 2011 waren: Kanada, Mexiko, China, Japan, Großbritannien und Deutschland (Deutschland hat US-Waren im Wert von 49,1 Mrd. USD eingeführt und lag damit im Jahr 2011 auf Rang 6 der US-Absatzmärkte). Bei den Warenimporten der USA liegt die Bundesrepublik Deutschland als Exporteur mit 98,4 Mrd. USD unverändert auf Rang 5. Die USA hatten 2011 mit Deutschland das vierthöchste Handelsbilanzdefizit; es erreichte einen Umfang von 49,3 Mrd. USD. Höhere Defizite verzeichneten die USA lediglich mit China (295,5 Mrd. USD), Mexiko (65,6 Mrd. USD) und Japan (62,6 Mrd. USD).

Die USA haben bilaterale Freihandelsabkommen mit 21 Staaten abgeschlossen (Kanada, Mexiko, Jordanien, Singapur, Israel, Australien, Chile, Dominikanische Republik, Honduras, Guatemala, El Salvador, Costa Rica, Nicaragua, Jordanien, Marokko, Bahrain, Oman, Peru, Südkorea, Kolumbien und Panama). Die Abkommen mit Südkorea, Kolumbien und Panama, denen der US-Kongress erst im Oktober 2011 zugestimmt hat, bedürfen noch der Implementierung.

Zwischen Deutschland und den USA besteht ein intensiver und enger wirtschafts- und handelspolitischer Dialog mit dem Ziel der Erhaltung und Festigung offener Märkte auf beiden Seiten des Atlantiks. Im Rahmen des EU-US-Gipfels im April 2007 in Washington wurde auf deutsche Initiative eine wirtschaftspolitische Rahmenvereinbarung unterzeichnet, die auf die weitere Stärkung der transatlantischen Wirtschaft durch mittel- und langfristig angelegte Regulierungskooperationen in verschiedenen Wirtschaftssektoren abzielt. Wichtigstes Instrument zur Steuerung dieser Kooperation ist der hochrangig besetze „Transatlantische Wirtschaftsrat“ (Transatlantic Economic Council/TEC). Unter dem Dach des Transatlantic Economic Council wurde beim letzten EU-US-Gipfel (Washington, 28.11.2011) eine hochrangige Arbeitsgruppe für Beschäftigung und Wachstum ins Leben gerufen. Ziel ist die Identifizierung von Möglichkeiten zur Verstärkung von transatlantischen Investitionen und Handel.

US-Wirtschaftsstatistik

200920102011
BIP nominal (Mrd. USD)14.26514.66015.321
BIP-Wachstum real-2,62,71,7
Arbeitslosenquote9,29,68,3
Warenimporte aus Deutschland (Mrd. USD)71,382,698,4
Handelsbilanzsaldo mit D (Mrd. USD)-28,1-34,4-49,3
Handelsbilanzsaldo mit der EU (Mrd. USD)-61,2-79,7-99,2

Quellen: Department of Commerce (Bureau of Economic Analysis), Department of Labor (Bureau of Labor Statistics), Delegation of the European Commission, gtai



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.