Hauptinhalt
Beziehungen zwischen den USA und Deutschland
Stand: März 2012
Politische Beziehungen
Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika verbindet eine vitale und tiefe Freundschaft. Diese Freundschaft gründet auf gemeinsamen Erfahrungen,Werten und Interessen. Im jüngsten US-Zensus 2010 gaben 15,2 Prozent der Befragten an, deutsche Wurzeln zu haben.
Deutschland verdankt den USA viel: Die USA haben nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Marshall Plan wirtschaftliche Hilfe geleistet und politische Hilfestellung gegeben. Ohne die Vereinigten Staaten als Garant der Freiheit in den Jahrzehnten des Kalten Krieges und Förderer der deutschen Wiedervereinigung hätte Deutschland nicht zur Wiederherstellung seiner staatlichen Einheit in Freiheit finden können.
Für das Gesellschaftsmodell der individuellen Freiheit einerseits, der rechtsstaatlichen Kontrolle und Beteiligung andererseits, stehen beide Länder beispielhaft. Sie verfolgen in internationalen Zusammenschlüssen wie den Vereinten Nationen die Ziele von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten sowie von freiem Handel, Wohlstand und nachhaltiger Entwicklung.
Ein wichtiger Pfeiler des bilateralen Verhältnisses ist die transatlantische Sicherheitsgemeinschaft (NATO). Die sicherheitspolitische Zusammenarbeit Deutschlands und der USA ist umfassend und intensiv, insbesondere auch bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus. Gemeinsam mit seinen Verbündeten hilft Deutschland mit bei Konfliktbewältigung weltweit, etwa in Afghanistan, auf dem Balkan und im Nahen Osten, sowohl durch militärisches Engagement als auch durch zivile Beiträge wie Aufbauhilfe für Polizeikräfte und Entwicklungshilfe.
Aktuell prägende Themen des bilateralen Verhältnisses sind die Überwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise, die Unterstützung für Demokratisierungsprozesse in Nordafrika und Nahost sowie die Verhinderung einer iranischen Nuklearwaffenfähigkeit im Rahmen des E3+3-Prozesses.
Die engen Kontakte der Regierungsstellen beider Länder unterstreichen die regelmäßigen Besuche von Bundeskanzlerin Merkel und ihrer Kabinettsmitglieder in den USA. Dabei hob die Bundeskanzlerin in ihrer Rede vor dem Kongress am 3. November 2009 – der zweiten Rede eines deutschen Regierungschefs vor beiden Kammern nach Konrad Adenauer 1957 – und während ihres Besuchs in Washington im Juni 2011 die Qualität der Beziehungen beider Länder besonders hervor. Präsident Obama besuchte Deutschland im ersten Jahr seiner Präsidentschaft gleich zweimal. Ein wichtiges Element in den bilateralen Beziehungen ist auch der intensive Meinungsaustausch zwischen deutschen und amerikanischen Parlamentariern.
Einen besonderen Aspekt stellt das wichtige Verhältnis zu den ca. sechs Millionen jüdischen Amerikanern dar. Bundesregierung und Bundestag pflegen intensive Kontakte mit den amerikanisch-jüdischen Organisationen und legen großen Wert auf den Dialog mit ihnen, um das gegenseitige Verständnis zu fördern.
Wirtschaftliche Beziehungen
Die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen sind weitgehend problemfrei. Im Rahmen der auf deutsche Initiative 2007 ins Leben gerufenen „Transatlantic Economic Partnership“ und des daraus hervorgegangenen Transatlantischen Wirtschaftsrates eröffnen sich zusätzliche Chancen. Die USA sind wichtigster Handelspartner Deutschlands außerhalb der EU, Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der USA in Europa. Gemessen am Gesamtvolumen (Importe + Exporte) des bilateralen Warenverkehrs der USA liegt Deutschland weiterhin auf dem fünften Platz nach Kanada, China, Mexiko und Japan. In Deutschland liegt der bilaterale Warenverkehr an vierter Stelle nach Frankreich, Niederlande und China. Der bilaterale Warenhandel belief sich Ende 2011 auf ca. US$ 147,5 Mrd.
| 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | |
| US-Exporte nach Deutschland (in Mrd. US$) | 49,4 | 54,5 | 43,3 | 48,2 | 49,1 |
| US-Importe aus Deutschland (in Mrd. US$) | 94,1 | 97,4 | 71,4 | 82,7 | 98,4 |
(Quelle: Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis)
Deutschland und die USA sind für einander wichtige Investitionsstandorte: Das bilaterale Investitionsvolumen belief sich Ende 2010 auf US$ 317 Mrd. (Bestand deutscher Direktinvestitionen in den US$ 212 Mrd.; Bestand US-Investitionen in Deutschland: US$ 105 Mrd.).
Die amerikanischen Direktinvestitionen in Deutschland sind Ende 2010 mit rd. US$ 105 Mrd. gegenüber dem Vorjahr (rd. US$ 116 Mrd.) um 9,4% gefallen. Auch der Bestand der unmittelbaren deutschen Direktinvestitionen in den USA lag Ende 2010 mit rd. US$ 212 Mrd. unter dem Wert des Vorjahres (rd. US$ 218 Mrd.). Deutschland ist fünftgrößter ausländischer Investor in den USA, nach Großbritannien, Japan, Niederlande und Kanada. Deutschland steht bei den ausländischen Direktinvestitionen der USA an elfter Stelle.
| 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | |
| Dt. Direktinvestitionen in den USA (in Mrd. US$) | 213,1 | 201,4 | 218,1 | 212,9 |
| US-Direktinvestitionen in Deutschland (in Mrd. US-$) | 100,6 | 108,2 | 116,8 | 105,8 |
(Quelle: Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis)
Kulturelle Beziehungen
Die kulturellen Beziehungen sind vielfältig. Jährlich reisen Hunderttausende von Menschen über den Atlantik - als Touristen, Teilnehmer der zahlreichen Austauschprogramme oder als Künstler, Wissenschaftler, Schüler und Studenten.
Rund 17 Mio. amerikanische Soldaten haben seit dem Zweiten Weltkrieg mit ihren Familien in Deutschland gelebt, Deutschland schätzen gelernt und den "American way of life" nach Deutschland gebracht. Deutsch ist nach Spanisch und Französisch die am dritthäufigsten gelernte Fremdsprache an privaten Sekundarschulen und an Colleges und Universitäten.
Über 50 Mio. und damit rund 15 Prozent der Amerikaner sind deutscher Abstammung. Deutsch-Amerikaner stellen jedoch keine geschlossene Interessengruppe dar. Zahlreiche deutsch-amerikanische Vereine widmen sich der Brauchtumspflege.
Militärische Beziehungen
Deutschland ist bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus ein enger Verbündeter der USA. Auch im Rahmen internationaler Konfliktbewältigung und Katastrophenhilfe findet eine enge Zusammenarbeit statt. Schwerpunkt sind dabei die Einsätze in Afghanistan und auf dem Balkan, bei denen Deutschland mit insgesamt mehr als 7.000 Soldaten zu den größten Truppenstellern nach den USA zählt.
Auch nach dem Abschluss der globalen Neuordnung der amerikanischen Truppenpräsenz im Ausland wird Deutschland für die amerikanischen Streitkräfte größter Friedensstationierungsort außerhalb der USA bleiben. Die dadurch geförderten engen Beziehungen zur Bundeswehr finden ihren Ausdruck in gemeinsamen Übungen und intensivem Erfahrungsaustausch bei der Weiterentwicklung von Einsatzverfahren und Waffensystemen.
Innerhalb der USA unterhält die Bundeswehr stationäre Schulungsverbände, in denen deutsche Soldaten in engem Kontakt mit entsprechenden amerikanischen Einrichtungen ausgebildet werden. Darüber hinaus werden deutsche Truppenteile jedes Jahr zur Teilnahme an gemeinsamen Übungen in die USA verlegt.
Ein Netz von Austausch- und Verbindungsoffizieren in beiden Ländern liefert einen weiteren Beitrag zu den guten militärischen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA.
Die traditionell enge wehrtechnische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern wird unterstützt durch eine Verbindungsstelle im Raum Washington sowie eine Reihe von Verbindungsbeamten bei wichtigen Dienststellen. Im Rahmen von Austauschprogrammen wurden seit 1964 über 1.500 Angehörige des Rüstungsbereichs für jeweils ein Jahr bei den US-Streitkräften eingesetzt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
