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Uruguay

Wirtschaft

Stand: September 2016

Wirtschaftspolitik

Uruguay, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine der reichsten Volkswirtschaften Lateinamerikas, ist nach einer langen Phase wirtschaftlicher Schwäche heute wieder ein aufstrebendes Schwellenland, mit einer in Lateinamerika oft als beispielhaft angesehenen Mischung aus marktwirtschaftlichen und sozialen Elementen. Das solide Wirtschaftswachstum der letzten Dekade ist 2015 abgeflacht (+1,6%). Uruguay muss sich auch in den nächsten Jahren auf niedrigere Wachstumsraten und geringere fiskalische Spielräume einstellen. Für 2016 wird nur noch von einem Zuwachs von 0,5% ausgegangen. Herausforderungen bilden die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes sowie die wirtschaftliche Eintrübung in den großen Abnehmerländern Uruguays (Brasilien, Argentinien, China).

Die Regierung Vázquez (seit März 2015 im Amt) verfolgt einen Kurs moderater wirtschaftlicher Konsolidierung, sieht sich dabei aber starkem Druck der Gewerkschaften sowie des linken Flügels des Regierungsbündnisses „Frente Amplio“ (Breite Front) ausgesetzt. Das von der Regierung für 2016 angekündigte Einsparvolumen von 500 Mio. USD ist umstritten und wird auch innerhalb des Regierungsbündnisses kritisiert. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug 2015 etwa 16.000 USD; die Zahl der unter der Armutsgrenze Lebenden sank nach offiziellen Angaben in den vergangenen Jahren von 34% (2006) auf 11,5% (2013). Der IWF erwartet für 2016 einen leichten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (von 54 auf 53,1 Mrd. USD). Die Arbeitslosigkeit betrug 2015 7,9%, für die nächsten Jahre wird eine leichte, aber keine entscheidende Erholung des Arbeitsmarkts erwartet. Uruguay hat 2012 wieder seine in der Krise 2002/2003 verlorene Einstufung auf „investment grade“ durch die internationalen Ratingagenturen erhalten und bis dato behauptet, auch wenn zwei Agenturen kürzlich ihren Ausblick auf „negativ“ abgesenkt haben.

Die relative Stärke des Peso (im Vergleich zu den Währungen Brasiliens und Argentiniens)  sowie hohe Lohnzuwächse in den letzten Jahren, die zu einer Reduzierung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Ländern der Region führen, und das anhaltend hohe Inflationsniveau von knapp 10% stellen die uruguayische Wirtschaftspolitik vor große Herausforderungen.


Volkswirtschaftliche Struktur

Uruguay definiert sich als regionales Logistik- und Servicezentrum – nicht nur im Hafenbereich. Das 2011 in Kraft getretene Gesetz über öffentlich-private Partnerschaften (PPP) zum Bau und Betrieb von Infrastrukturanlagen soll helfen, die benötigten Häfen, Flughäfen und Transportwege bereitzustellen. Die Energieversorgung wird in allen Bereichen ausgebaut, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Biomasse) liegt. Im Zuge der Großinvestitionen im Holzsektor und anderen Monokulturen und für den Zwischentransport von Containern soll das Eisenbahnnetz für den Güterverkehr erneuert werden. Die Regierung Vázquez spricht von einem Investitionsbedarf von 12 Milliarden USD im Zeitraum 2015-19, der zu einem Drittel privat finanziert werden soll.

Die uruguayische Wirtschaft gliedert sich nach Angaben der Zentralbank (2016) wie folgt (prozentualer Anteil am BIP): produzierendes Gewerbe 14,1; Handel und Dienstleistungen 13,7; Baugewerbe 10,6; Transport und Kommunikation 5,8; Land- und Forstwirtschaft 5,4%; Energiewirtschaft 3,1; andere 47,3. Hervorzuheben sind daneben der Hafen von Montevideo und die zwölf Freihandelszonen. Uruguay positioniert sich mit der Werbekampagne „Uruguay natural“ im internationalen Tourismusgeschäft (2,96 Mio. Touristen in 2015). Gemäß der staatlichen Export- und Investitionsförderungsagentur belaufen sich die volkswirtschaftlichen Effekte des Sektors auf bis zu 7% des BIP.

Der öffentliche Sektor hat in Uruguay eine lange Tradition und nach wie vor einen hohen Anteil. Lediglich im Telekommunikationsbereich (Mobiltelefonie, Internet) und bei der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen sind private Anbieter zugelassen. Die wichtigsten Versorgungsunternehmen für Strom, Wasser, Mineralöl und Telekommunikation stehen im staatlichen Eigentum, ihre Privatisierung wurde 1992 und 2003  von der Bevölkerung jeweils per Referendum abgelehnt.


Außenhandel

Uruguay ist aufgrund seiner exportorientierten Produktionsstruktur und seines Mangels an konventionellen Energieträgern (eine erste Öl-Offshore-Probebohrung verlief im August 2016 erfolglos) in die globale Wirtschaft eingebettet und setzt sich, auch im Rahmen des Gemeinsamen Markts des Südens (MERCOSUR), für mehr Außenhandelsfreiheit ein. Der in den vergangenen Jahren praktizierte Protektionismus der Nachbarländer war für Uruguay beim Export von Industrieprodukten deutlich spürbar. Als Reaktion wird die Diversifikation der Märkte  vorangetrieben. 2015 exportierte Uruguay Waren im Wert von 9,6 Mrd. USD. Im gleichen Zeitraum wurden  Waren im Wert von 10,1 Mrd. USD importiert. Die wichtigsten Abnehmer sind China und Brasilien.

Deutschland war 2015 größter Im- und Exporteur und damit wichtigster Handelspartner Uruguays innerhalb der Europäischen Union) und ist, deutlich nach China und Brasilien, eines der wichtigsten Abnehmerländer. Rindfleisch, Leder und Soja machen über die Hälfte der uruguayischen Exporte nach Deutschland aus, die insgesamt ein Volumen von 264 Mio. EUR besaßen. Uruguay führte  aus Deutschland Waren im Wert von 449 Mio. EUR  ein (Stromerzeugung, Maschinen, Automobile).


Umwelt

Ein verbesserter Klimaschutz, das Einsparen von Energie und die Förderung erneuerbarer Energien werden als zentrale Aufgaben anerkannt. Zur Deckung des wachsenden Energiebedarfs  sollen aber auch Anlagen herkömmlicher Energienutzung, insbesondere hocheffiziente Kombikraftwerke (Gas) ausgebaut werden.

Uruguay versucht aktuell durch verbesserte Fütterungsmethoden auch die durch die extensive Viehzucht entstehenden hohen Methanemissionen zu reduzieren. Uruguay wird stark durch die Landwirtschaft geprägt. Bei einer eigenen Bevölkerung von 3,4 Mio. werden Nahrungsmittel für 28 Mio. Menschen produziert. In Uruguay werden etwa 12 Mio. Rinder gehalten. Uruguay hat im Jahr 2010 eine "klima-intelligente Agrar- und Viehzuchtpolitik" aufgelegt; bis 2030 soll der Methanausstoß pro Kilo erzeugtem Fleisch um ein Drittel im Vergleich zu 1990 gesenkt werden.

Den erneuerbaren Energien wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Bis 2017 will Uruguay den CO-2 Ausstoß auf 17 Gramm/ Kilowattstunde begrenzen (nach eigenen Angaben wären dies nur 3% des globalen Durchschnitts!). Aktuell werden - in klimatisch günstigen Jahren - bereits über  90% der Stromerzeugung aus erneuerbaren Ressourcen (Wasser: 63%, Wind 15%, Biomasse 13%) gedeckt. Vor allem der Ausbau der Windenergie macht beeindruckende Fortschritte.

Problematisch bleiben die stellenweise Verunreinigung der Flüsse, offene Mülldeponien, die  Bodenerosion und das Fehlen eines Abfallkreislaufes. Die zunehmende Ausbreitung agroindustrieller Monokulturen, vor allem Soja, Holz und Reis, werfen entsprechende ökologische Fragen auf.


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