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Wirtschaftspolitik
Stand: März 2012
Uruguay, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine der reichsten Volkswirtschaften Lateinamerikas, ist nach einer langen Phase wirtschaftlicher Schwäche heute wieder ein aufstrebendes Schwellenland, mit einer Mischung aus marktwirtschaftlichen und sozialen Elementen. Das BIP/Kopf stieg 2011 auf 14128 USD; die Zahl der unter der Armutsgrenze Lebenden sank nach offiziellen Angaben in den vergangenen Jahren von 34 % (2006) auf 14 % (2011).
Aktuelle wirtschaftliche Lage
Die Regierung Mujica hat den sachorientierten Kurs fortgesetzt. Die globale Wirtschaftsschwäche hat Uruguay gut überstanden: Das Wachstum betrug 2010 unerwartete 8,3 %; 2011 war nach bisher vorliegenden Daten ein Plus von soliden 6,3% zu verzeichnen. Auch konjunktursensible Sektoren wie Logistik oder das intra-regionale Autozuliefergeschäft - wesentlich gestützt durch europäische und asiatische Produktionsstätten im Mercosur - erholten sich zusehends. Die Arbeitslosigkeit sank 2011 auf durchschnittlich 5,5 %. Die Kehrseite der guten konjunkturellen Entwicklung ist ein hohes Inflationsniveau. 2011 stieg die Inflationsrate um 1,7 Prozentpunkte auf 8,6 %. Diese gilt es nun unter Kontrolle zu halten. Der Ende 2010 verabschiedete neue Haushaltsplan für die nächsten 5 Jahre versucht, notwendige Stabilisierungsmaßnahmen mit nicht unerheblichen Investitionen in prioritäre Sektoren wie Infrastruktur und Erziehung in Einklang zu bringen.
Die nach wie vor starke, wenn auch abnehmende Dollarisierung (80 % der Einlagen und 65 % der Kredite) insbesondere bei der Außenverschuldung, wird von Analysten kritisch betrachtet, da sie das Land auch stark der Volatilität dieser Währung aussetzt. Man bemüht sich, durch Förderung gegenseitiger Anerkennung der nationalen Währungen innerhalb des Mercosur diese Abhängigkeit zu verringern. Im Juli 2011 hat Standard & Poor’s Uruguays Einstufung auf BB+ erhöht und folgte damit Moody's and Fitch. Ab 2012 wird mit einem durchschnittlichen Wachstum von stabilen 4 % gerechnet. Die Regierung hat sich auf eventuelle weitere Verwerfungen in der Weltwirtschaft eingestellt und u.a. eine Verstärkung der Kreditlinien bei den IFIs eingerichtet.
Die Regierung wirbt mit fortgesetztem Erfolg um ausländische Investoren und arbeitet zugleich an der Konsolidierung seiner breiten Palette von Exportmärkten. Besonders Ostasien, namentlich China, wird dabei als Partnerland immer wichtiger: Im Februar reiste Industrieminister Kreimermann mit einer Wirtschaftsdelegation nach China und warb für Investitionen – vor allem im Automobilsektor. Bereits Anfang Juni 2011 war der chinesische Vizepräsident nach Uruguay gekommen und hatte Projekte im Wert von 300 Mio USD mitgebracht. Der Export nach China erbrachte 2011 die Rekordsumme von 665 Mio. USD; ein Plus von mehr als 78 % im Vergleich zum Vorjahr.
Der seit Jahren schwelende Streit mit Argentinien über die Zellulosefabrik UPM (ehem. Botnia) am gemeinsamen Grenzfluß hat sich seit dem Ende des IGH-Verfahrens im Frühjahr 2010 entspannt. Anfang 2011 genehmigte die uruguayische Regierung den Bau einer weiteren zelluloseverarbeitenden Großanlage etwas weiter nördlich am selben Fluß.
Infrastrukturprojekte
Uruguay sieht seine Zukunft als regionales Logistikzentrum im forcierten Ausbau von Häfen, Flughäfen, Schiene und Straße. Ein neues Gesetz über öffentlich-private Partnerschaften (PPP) zum Bau und Betrieb von Infrastrukturanlagen, das im Juli 2011 in Kraft gesetzt wurde, soll helfen, die benötigten Häfen, Flughäfen und Transportwege für den weiteren Ausbau Uruguays als regionalen Logistik-Hub bereitzustellen. Auch die Energieversorgung soll in allen Bereichen ausgebaut werden, wobei eine besondere Betonung auf erneuerbare Energien (Wind) gelegt wird. Beim Straßenbau kann man an das Fernstraßennetz anknüpfen, welches schon seit mehreren Jahren über Betreiberkonsortien in einem gründlichen Erneuerungsprozess ist, finanziert durch Mautgebühr. Im Zuge der Großinvestitionen im Holzsektor und anderen Monokulturen und für den Zwischentransport von Containern soll das Eisenbahnnetz für den Güterverkehr erneuert werden. Der Ausbau der Häfen von Montevideo und Nueva Palmira ist geplant.
Die ehemals staatliche Fluggesellschaft PLUNA ist seit Juli 2007 privatisiert und bedient nun den Markt für südamerikanische Regionalflüge. Der internationale Flughafen Carrasco wird von einem privaten Betreiberkonsortium unterhalten. Im Oktober 2009 wurde ein neuer, futuristisch anmutender Terminal eröffnet. Der Flughafen verzeichnet ein starkes Wachstum. Täglich werden 5500 Passagiere abgefertigt; eine Verdopplung seit der Privatisierung im Jahr 2003.
Wirtschaftssektoren
Der tertiäre Sektor dominiert die uruguayische Wirtschaft: 64,5% des BIP wurden 2010 im Dienstleistungsbereich erwirtschaftet. Vor allem der Tourismus gewinnt zunehmend an Bedeutung. Er ist der zweitwichtigste Devisenlieferant und stellt bereits einen Anteil von über 6% am BIP – Tendenz steigend. Hervorzuheben sind daneben die Software-Dienstleistungen, der Hafen von Montevideo als bedeutendes regionales Logistikzentrum und die zwölf Freizonen.
Der primäre Sektor machte noch 9,5% der gesamten Wirtschaftsleistung aus. Neben der traditionellen extensiven Viehzucht existieren zunehmend Anbauten von großflächiger Monokulturen wie schnellwachsende Hölzer für die Zelluloseproduktion, Soja und Reis.
Der Anteil des industriellen Sektors lag bei 26% des BIP, noch vorwiegend basierend auf landwirtschaftlichen Produkten wie Fleisch, Milch, Holz, Getreide, Leder und Textilien Für 2011 zeichnen sich ähnliche Werte ab.
Der öffentliche Sektor hat mit 25% der Beschäftigten noch einen hohen Anteil. Die wichtigsten Versorgungsunternehmen Strom, Wasser, Mineralöl, Telefon stehen im staatlichen Eigentum, ihre Privatisierung wurde 2003 von der Bevölkerung per Referendum abgelehnt.
Außenwirtschaft
Uruguay ist aufgrund seiner exportorientierten Produktionsstruktur und (herkömmlicher) Energierohstoff-Armut intensiv in die globale Wirtschaft eingebettet. Es setzt sich deshalb, auch im Rahmen des Mercosur, für mehr Außenhandelsfreiheit ein.
Sowohl Exporte als auch Importe verzeichneten 2011 erneut ein kräftiges Wachstum. Während die Exporte auf 7983 Mrd. USD stiegen, lagen die Importe sogar bei 10726 Mio. USD. Die wichtigsten Abnehmer sind traditionell die Länder Brasilien, China, Argentinien und Russland; aber auch andere Märkte in Ostasien, dem Mittleren Osten und Afrika gewinnen an Bedeutung.
Deutschland importierte 2011 uruguayische Güter im Wert von 443 Mio. EUR. Gleichzeitig steigerte Uruguay seine Importe aus Deutschland deutlich weiter auf 2010 279 Mio. EUR.
Seit Mitte 2002 floatet der uruguayische Peso frei gegenüber dem US-Dollar. Dieser ist in vielen Bereichen des Geschäftslebens immer noch überwiegendes Zahlungsmittel.
Umweltpolitik
Die Förderung des Klimaschutzes, der Energieeinsparung und erneuerbarer Energien wird als zentrale Aufgabe anerkannt. Zur Deckung des wachsenden Energiebedarfs bei angestrebtem fortgesetzten starken Wirtschaftswachstum sollen aber auch Anlagen herkömmlicher Energienutzung ausgebaut werden. Aufgrund seiner dünnen Besiedlung und relativ geringen Industrie erzeugt Uruguay nur ca. 28 Mio t CO2/Jahr; das sind allerdings pro Kopf 9 t. Hauptursache ist die bisher konventionelle Art der Energieerzeugung. Anfang August 2010 wurden Arbeitsgruppen eingerichtet, die die CO2-Verursachung ('CO2-Footprint') in verschiedenen Produktionszweigen (Fleisch, Wolle, Molkerei und Reis) und deren einzelnen Produktionsschritten messen sollen. Uruguay hat sieben Projekte zur CO2-Reduzierung genehmigt, wovon mehrere bereits in Betrieb sind- u.a. die Zellulosefabrik UPM die ihren Energiebedarf großenteils aus eigenen Produktionsrückständen deckt; und eine Reisverarbeitungsfabrik, mit deren Biostrom auch noch eine Zementfabrik betrieben wird. Uruguay ist außerdem Pilotland zur Küstenanpassung im Rahmen eines UNDP-Projektes. Ungelöst bleibt das Problem der hohen Emission des Treibhausgases Methan. Es ist um ein vielfaches schädlicher als CO2 und ist vor allem Folge der intensiven Viehzucht.
Den erneuerbare Energien wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Bis 2015 sollen 90% der Stromerzeugung aus erneuerbaren Ressourcen (Wasser: 63%, Wind 15%, Biomasse 13%) gedeckt werden. In der Zusammensetzung des Primärenergiemixes strebt Uruguay einen Anteil von 53% erneuerbare Energien an. Vor allem der Ausbau der Windenergie macht beeindruckende Fortschritte. Auch Energieeinsparung ist ein Thema geworden. Das deutsche Niedrigenergie-Musterhaus wurde Mitte 2010 mit großem Erfolg in Montevideo gezeigt.
Problematisch bleibt die Verunreinigung der Flüsse einschließlich des Küstengürtels, ungeschützte Mülldeponien, Bodenerosion und das Fehlen eines Abfallkreislaufs. Die zunehmende Ausbreitung agroindustrieller Monokulturen, vor allem Soja, Holz und Reis, werfen entsprechende ökologische Fragen auf.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
