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Wirtschaft
Stand: April 2012
Grundlinien der Wirtschaft
Tunesien hat sich durch die Förderung des privaten Sektors und die Integration in die Weltwirtschaft eine gute Position in der Region erarbeitet. Die wirtschaftliche Öffnung hat Tunesien ein solides Wachstum und hohe Direktinvestitionen aus dem Ausland beschert. Durch die Assoziation mit der EU möchte Tunesien langfristig in den Kreis der Industrieländer aufsteigen.
Die Wachstumsraten haben sich seit Mitte 2008 leicht abgeschwächt, und die wirtschaftlichen Folgen der tunesischen Revolution schlugen sich deutlich in der Jahresbilanz 2011 nieder. Seit Beginn des Jahres 2012 deutet sich eine Erholung der wirtschaftlichen Lage an.
Tunesien ist ein relativ rohstoffarmes Land, verfügt jedoch über eigene Vorkommen von Öl und Gas, die eine Teilversorgung gewährleisten. Die Nutzung von erneuerbarer Energie, insbesondere Wind- und Solarenergie, spielt eine immer größere Rolle. Tunesien ist weltweit viertgrößter Produzent von Phosphaten und der drittgrößte Olivenöl-Exporteur.
Strukturpolitik
Die größten Herausforderungen Tunesiens liegen in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Beschäftigungsförderung, der Verbesserung der arbeitsmarktorientierten Aus- und Fortbildung, sowie der Erhöhung des Investitionsniveaus im privaten und öffentlichen Sektor.
Die Arbeitslosigkeit wird auf bis zu 25 % geschätzt, wobei besonders junge Menschen und Akademiker betroffen sind. Dieses Problem droht auch die Akzeptanz weiter Kreise der Bevölkerung für den politischen Transformationsprozess zu gefährden.
Um regionalen Ungleichheiten zu begegnen, hat Tunesien ein ambitioniertes Programm zur Regionalentwicklung vorgelegt. Durch die Konzentration auf spezifische Sektoren und die Verbesserung der Infrastruktur und Vernetzung sollen private Investitionen in allen Regionen gefördert werden.
Das Investitionsklima in Tunesien ist gut und sollte sich bei weiterer Konsolidierung der politischen Verhältnisse weiter verbessern. Ausländische Investoren schätzen die geographische Nähe zu Europa und die relativ hohe Produktivität und gut ausgebaute Infrastruktur.
Fiskalpolitik
Tunesien hat die globale Finanzkrise relativ unbeschadet überstanden. Die Staatsverschuldung Tunesiens liegt im für Schwellenländer normalen und nicht bedrohlichen Rahmen. Das Zahlungsbilanzdefizit hat sich im Revolutionsjahr 2011 verdoppelt, und die Finanzierung stellt die Regierung mittelfristig vor Herausforderungen. Die Inflationsrate bleibt relativ niedrig.
Tunesiens Zugang zu den internationalen Kreditmärkten wird von Beobachtern positiv eingeschätzt. Die Staatengemeinschaft hat Kreditzusagen in Milliardenhöhe gemacht, andere große Akteure in diesem Feld (EIB, Weltbank, Afrikanische Entwicklungsbank) haben ebenfalls Zusagen zur Unterstützung des Demokratisierungsprozesses gemacht.
Außenwirtschaftspolitik
Die EU ist Tunesiens wichtigster Handelspartner, wobei Frankreich, Italien und Deutschland für den größten Anteil an den Im- und Exporten sowie der Direktinvestitionen stehen. Tunesien hat 1995 als erstes südliches Mittelmeerland ein Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet. Verhandlungen zwischen EU und Tunesien zur Schaffung einer vertieften Freihandelszone sollen noch 2012 beginnen.
Tunesien ist Mitglied von IWF, Weltbank und WTO. Zwischen Deutschland und Tunesien bestehen ein Investitionsförderungs- und -schutzvertrag sowie ein Doppelbesteuerungsabkommen.
Die neue Regierung Tunesiens möchte die regionale Organisation der Union des Arabischen Maghreb wiederbeleben, unter anderem mit dem Ziel der ökonomischen Integration.
Tourismus
Tunesien ist ein beliebtes Reiseziel und die Tourismusbranche von großer Bedeutung für die tunesische Wirtschaft. 2010 besuchten rund eine halbe Million deutsche Touristen Tunesien. Bedingt durch die Revolution Anfang 2011 musste die Tourismusbranche einen Einbruch verkraften, verzeichnet jedoch inzwischen wieder deutlich steigende Besucherzahlen.
Tunesien ist sich der Wichtigkeit der Diversifizierung und Modernisierung des Tourismussektors bewusst und bemüht sich, das post-revolutionäre Tunesien als Reiseland noch attraktiver zu machen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
