Hauptinhalt

Türkei

Wirtschaft

Stand: April 2016

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Das Wirtschaftswachstum hat in der Türkei 2015 die Erwartungen übertroffen und betrug 4%. Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der letzten 10 Jahre lag bei 4,7% und war sehr dynamisch. Sowohl das jährliche Haushaltsdefizit von aktuell 1,2% des BIP wie auch die Gesamtschuldenquote von 32,6% des BIP liegen deutlich unter der Maastricht-Schwelle.

Die weltweite Konjunkturabkühlung trug zu einem weiteren Rückgang des chronisch hohen Leistungsbilanzdefizits bei, das 2015 bei 4,4% des BIP lag. Dies ändert aber nichts an der grundlegenden hohen Abhängigkeit der türkischen Industrie von importierter Energie und Rohstoffen. Die im internationalen Vergleich sehr niedrige Sparquote (2015: 14% des BIP) erschwert die eigenständige Finanzierung dieses Defizits, weshalb die Türkei zum Ausgleich ihrer Leistungsbilanz in hohem Maße abhängig von ausländischen Kapitalzuflüssen ist. Die türkische Regierung plant diverse Maßnahmen und Reformen zur Verringerung ihres hohen Leistungsbilanzdefizits. Dazu gehört einerseits die Verringerung ihrer (Energie-) Importabhängigkeit u.a. durch die verstärkte Nutzung von Erneuerbaren Energien, den Bau von zwei Atomkraftwerken, die Stärkung ihrer Industrieproduktion sowie die Förderung ihrer Exportwirtschaft.

Im Jahr 2014 sanken die türkischen Exporte um 8,7% auf 148 Mrd. USD, während sich die Importe um 14,4% auf 207 Mrd. USD gegenüber dem Vorjahreszeitraum verringerten. Das Handelsbilanzdefizit verringerte sich damit um rund 25% und betrug 62 Mrd. USD. Hauptursache für das Ungleichgewicht im Außenhandel ist die hohe Importabhängigkeit an Energie- und Rohstoffen sowie Halbwaren für die Industrieproduktion. Dies hat zur Folge, dass Zuwächse in der Industrieproduktion automatisch weitere Anstiege bei den Einfuhren generieren.

Der Rückgang der Importe dürfte auch auf die weitere Abwertung der Türkischen Lira zurückzuführen sein. Die sich wiederholenden volatilen Ausschläge zeigen, wie anfällig der Kurs der Lira weiterhin auf politische Entwicklungen reagiert. Seit Anfang 2015 hat die Türkische Lira um 30% abgewertet und befindet sich nach wie vor unter massivem Druck. Der Wertverlust der Lira schürt die Inflation, die nach 7,4% in 2014 im vergangenen Jahr auf 7,7% stieg und damit deutlich über dem längerfristigen Inflationsziel der Notenbank (5%) liegt. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag 2015 bei 10,1% und war damit im Vergleich zu 2014 (9,9%) leicht steigend. Sorge bereitet ebenfalls die im internationalen Vergleich auf sehr niedrigem Niveau stagnierende Sparquote bei gleichzeitiger Überschuldung einer zunehmenden Anzahl von Privathaushalten. Durch die Förderung von Spareinlagen im privaten Rentenversicherungssystem soll hier eine Besserung erzielt werden.  

Die Zinsen für 10-jährige Staatsanleihen liegen derzeit bei rund 10%.


Arbeitslosigkeit, Beschäftigungsquote und Erwerbseinkommen

Die Arbeitslosigkeit bleibt ein gravierendes Problem. Aus der jungen Bevölkerung drängen jährlich mehr als eine halbe Million Arbeitssuchende auf den Arbeitsmarkt, können dort aber nicht vollständig absorbiert werden. Hinzu kommt das starke wirtschaftliche Gefälle zwischen strukturschwachen ländlichen Gebieten (etwa im Osten und Südosten) und den wirtschaftlich prosperierenden Metropolen. Auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen wandert die ländliche Bevölkerung daher weiterhin in die Städte und industriellen Zentren ab. Die Regierung erhofft sich durch diverse geplante Maßnahmen wie einer schrittweisen Flexibilisierung des Arbeitsmarkts, einer Fort- und Weiterbildungsoffensive für Fachkräfte und eine weitere Verbesserung von beruflichen Ausbildungssystemen die Schaffung von bis zu 1,5 Mio. neuen Arbeitsplätzen in den kommenden drei Jahren.

Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag im Jahr 2015 bei knapp über 10%. Herausforderungen für den Arbeitsmarkt bleiben der weiterhin hohe Anteil der Schwarzarbeit und die niedrige Erwerbsquote von Frauen. Dabei bezieht der überwiegende Teil der in Industrie, Landwirtschaft und Handwerk erwerbstätigen Arbeiter weiterhin den offiziellen "Mindestlohn". Er wurde für das Jahr 2016 auf 1.647 Türkische Lira brutto (rund 520 Euro) festgesetzt. Die Entwicklung der Realeinkommen hat mit der Wirtschaftsentwicklung nicht Schritt halten können, so dass insbesondere die ärmeren Bevölkerungsschichten am Rande des Existenzminimums leben.


Wirtschaftssektoren

Vor allem in der Westtürkei sind die Leicht- und Schwerindustrie stark vertreten (Textil, Fahrzeuge, Chemie, Maschinen, Elektrobranche) und tragen ca. 25% zum BIP bei. Größten Anteil am BIP (ca. 60%) hat der Dienstleistungssektor mit weiter steigender Tendenz. Laut Angaben der Weltbank arbeiten noch über ein Drittel der Erwerbsbeschäftigten in der Landwirtschaft und leisten einen Beitrag von knapp 10% zum BIP. Im auch infrastrukturell vergleichsweise geringer entwickelten Osten und Südosten wird überwiegend Semi-Subsistenz-Landwirtschaft betrieben. Im Südosten werden seit Mitte der 1980er Jahre erhebliche Entwicklungsanstrengungen unternommen (GAP-Projekt mit Staudämmen, Kraftwerken, Elektrifizierung, Bewässerungsanlagen, Straßen, Telekommunikation), was das bestehende West-Ost Gefälle aber bisher nur wenig verringern konnte.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere