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Wirtschaft
Stand: Januar 2012
Aktuelle wirtschaftliche Lage
Die im Jahre 2010 begonnene konjunkturelle Erholung in Tschechien hat sich auch 2011 fortgesetzt. Vor allem der angestiegene Außenhandel der stark exportorientierten tschechischen Wirtschaft hat 2010 zu einem BIP-Wachstum von 2,3% und 2011 von rund 2% geführt. Allerdings war eine Abschwächung im 2. Halbjahr 2011 zu verzeichnen, die sich im 1. Halbjahr 2012 fortsetzen dürfte. Die Prognosen des tschechischen Finanzministeriums gehen daher für 2012 von einem, wenn überhaupt, nur leichten Wachstum der Wirtschaft unter einem Prozent aus.
Tschechien hat beim BIP pro Kopf bereits 80 Prozent des EU-Durchschnitts erreicht und will bis 2013 zum EU-Durchschnitt aufschließen.
Die Inflationsrate betrug im Jahr 2011 1,9 Prozent, nachdem im Vorjahr 1,5 Prozent erreicht worden waren.
Die Arbeitslosenquote belief sich zum 31.12.2011 auf 8,6 Prozent.
Im Dezember 2011 hat das tschechische Parlament den Haushalt 2012 mit den Stimmen der Regierungskoalition verabschiedet. Danach sind Einnahmen von 1.084 Mrd. Kronen (ca. 42,8 Mrd. Euro) und Ausgaben von 1.189 Mrd. Kronen (ca. 47,6 Mrd. Euro) vorgesehen. Das Haushaltsdefizit beträgt mit angestrebten 105 Mrd. Kronen (ca. 4,8 Mrd. Euro) voraussichtlich 3,5% des BIP. 2011 betrug das Defizit ca. 142 Mrd. Kronen (ca. 5,8 Mrd. Euro) und damit ca. 3,7% des BIP. Tschechien will 2013 wieder unter die Maastricht-Schwelle von 3 Prozent kommen und 2016 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Aufgrund der Eurokrise und sich verschlechternder makroökonomischer Kennziffern ist derzeit die Nennung eines Zieldatums zur Einführung des Euro nicht im Gespräch.
Die Staatsverschuldung betrug 2011 mit 60,98 Mrd. Euro (Vorjahr: 54,7 Mrd. Euro) ca. 38,9 Prozent des BIP.
Außenwirtschaft
Im Jahr 2010 erfolgten ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 710 Mrd. Kronen. Deutsche Unternehmer haben seit 1993 ca. 15,5 Mrd. Euro in Tschechien investiert, was in etwa 22% aller ausländischen Direktinvestitionen entspricht.
Die tschechischen Exporte und Importe sind 2010 mit jeweils über 16 Proozent stark gestiegen. Diese Entwicklung hat sich 2011 mit geringerer Dynamik fortgesetzt. So betrugen die tschechischen Exporte bis zum November 2011 2.635 Mrd. Kronen (107,15 Mrd. Euro), die Importe 2.457 Mrd. Kronen (99,9 Mrd. Euro). Damit wird für das Gesamtjahr mit einem Wachstum von Exporten und Importen von jeweils knapp über 10 Prozent gerechnet. Die Handelsbilanz 2011 ist wie in den Vorjahren positiv ausgefallen. Größte Handelspartner waren 2011 Deutschland (ca. 30 Prozent), die Slowakei (7,3 Prozent), China (6,6 Prozent), Polen (6,4 Prozent) und Frankreich (4,4 Prozent).
Tschechien tauscht ca. 30 Prozent seines Außenhandels mit Deutschland aus, das der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Landes ist. Der bilaterale Handel hatte 2010 ein Volumen von 56,5 Mrd. Euro. Tschechien hat dabei einen Außenhandelsüberschuss von 2,65 Mrd. Euro erzielt (Einfuhren nach Deutschland von 29,62 Mrd. Euro; Ausfuhren nach Tschechien von 26,97 Mrd. Euro ). In den ersten sechs Monaten des Jahres 2011 betrug der Warenverkehr mit Deutschland 31,7 Mrd. Euro, so dass für das Gesamtjahr mit einem Volumen von ca. 60 Mrd. Euro zu rechnen ist. Tschechien liegt unter den mittel-osteuropäischen Handelspartnern Deutschlands hinter Polen und Russland auf Platz drei und weltweit an 12. Stelle. Tschechien strebt eine stärkere geographische Diversifizierung seiner Exporte durch Zuwächse auch auf Märkten außerhalb der EU (in die 84 Prozent aller tschechischen Exporte gehen) an.
Umweltpolitik
Umwelt- und insbesondere Energiefragen genießen in Tschechien besondere Aufmerksamkeit. Eine Mehrheit in Politik und Bevölkerung steht einem weiteren Ausbau der Atomenergie aufgeschlossen gegenüber. Tschechien strebt die Erweiterung seiner Kernkraftwerke Temelin um zwei Reaktoren und in Dukovany um einen Reaktor an. Gegenwärtig wird ein Energiekonzept Tschechiens vorbereitet, das die Weichen für die nächsten Jahrzehnte stellen soll.
Tschechien hat den EU-CO2-Reduzierungszielen und dem 20-Prozent-Ziel für erneuerbare Energien bis 2020 zugestimmt und sich selbst auf einen Anteilt von 13 Prozent erneuerbarer Energien bis 2020 festgelegt.
Der größte Teil der Investitionen in den Umweltschutz entfällt auf die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, die Bekämpfung der Luftverschmutzung und die Abfallwirtschaft.
Die enge und insgesamt erfolgreiche deutsch-tschechische Umweltkooperation auf der Basis des Abkommens von 1996 konzentriert sich auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit beim Naturschutz, bei Umweltverträglichkeitsprüfungen, Industrieunfällen, Luftreinhaltung und die Wasserwirtschaft. Deutschland hat dabei 13 deutsch-tschechische Projekte mit insgesamt 49,6 Millionen Euro aus dem Programm „Investitionen zur Verminderung von Umweltbelastungen“ finanziert. Auch auf Länderebene gibt es eine enge Umweltzusammenarbeit.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
