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Tschad

Wirtschaft

Stand: Oktober 2016

Wirtschaftslage und -struktur

Tschad ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze (Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung 2015: 1.010 US-Dollar, Schätzung IWF). Lebensgrundlage für den überwiegenden Teil der Bevölkerung ist die Landwirtschaft (etwa 70 Prozent der Beschäftigung, hoher Anteil von Subsistenzwirtschaft). Ein moderner Privatsektor existiert nur in Ansätzen, produzierende Betriebe gibt es nur wenige.

Der tschadische Staatshaushalt ist seit 2009 stark vom Ölsektor abhängig (50 Prozent der Einnahmen, 2/3 des BIP). Die im Erdölsektor tätigen Unternehmen, überwiegend aus Nordamerika und China, fördern täglich durchschnittlich ca. 160.000 Barrel Rohöl. Der Ölpreisverfall seit Ende 2014 hat Tschad daher hart getroffen. Das Haushaltsdefizit wächst stetig, weshalb die Regierung drastische Maßnahmen (insbesondere Kürzung im Sozialbereich) ergreifen musste. Tschad war im September 2016 Ziel von zwei IWF-Missionen.

Im UNDP-Index 2015 für menschliche Entwicklung (Human Development Index) liegt das Land auf Platz 185 von 188; im "Doing Business"-Index der Weltbank 2015 auf Platz 183 von 189.
Die Wirtschaft leidet unter der mangelhaften Infrastruktur des Landes: Zwar ist das Netz asphaltierter Straßen dank Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft und Investitionen aus den Erdöl-Erlösen gewachsen, aber für ein Land der 3,5-fachen Größe Deutschlands weiter unzureichend. Die Regierung plant die Verdoppelung des asphaltierten Straßennetzes durch Ausbau um weitere 3.000 km. Außerdem strebt sie Eisenbahnverbindungen zu dem weit entfernten Seehafen Douala (Kamerun) bzw. nach Sudan an.

Für den Elektrizitätssektor existieren ehrgeizige Entwicklungspläne. Während die Energiegewinnung heute weitgehend auf fossilen Brennstoffen beruht (Diesel-Generatoren, Holz für den heimischen Verbrauch), setzt der Staat zunehmend auf erneuerbare Energien, insbesondere Photovoltaik, ist aber auf ausländische Finanzierung angewiesen.

Der internationale Flughafen N'Djamena wird zurzeit von Air France, Ethiopian Airlines, Turkish Airlines, Royal Air Maroc und der Regionalfluglinie Asky angeflogen. Ein öffentlicher Fernverkehr existiert zwischen allen größeren Städten des Landes. Allerdings sind die Straßen schlecht, die Reisegeschwindigkeit ist entsprechend sehr niedrig.

Mobiltelefone können in weiten Teilen des Landes benutzt werden. Die Internetqualität und -durchdringung hingegen ist gering; es gibt keine Internetverkabelung.

Etwa die Hälfte der Bevölkerung in den Städten und 80 Prozent der Bevölkerung auf dem Land leben in Armut. Die soziale Absicherung ist unzulänglich: Es existiert zwar eine Verpflichtung der Arbeitgeber, Rentenbeiträge und Beiträge zu einer Berufsunfallversicherung für beschäftigte Arbeitnehmer abzuführen, es arbeiten aber nur sehr wenige Menschen in formellen Arbeitnehmerverhältnissen. Über 80 Prozent der Berufstätigen sind selbstständig oder im informellen Sektor tätig. Aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums (Frauen haben durchschnittlich 7 Kinder) streben jährlich immer neue junge Menschen auf den Arbeitsmarkt, der keine neuen Beschäftigungsmöglichkeiten bietet.

Ein wirksamer Krankenversicherungsschutz fehlt; viele Menschen meiden deshalb das Gesundheitssystem und wenden sich an traditionelle Heiler.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Die tschadische Wirtschaft wird gesamtwirtschaftlich seit 2003 vom Erdölsektor dominiert. Landwirtschaft und Viehzucht sorgen für die nationale Beschäftigung und Ernährungssicherheit, insbesondere durch Exporte von Vieh ins benachbarte Nigeria. Wegen der Aktivitäten der Terrororganisation Boko Haram in der Tschadseeregion sind die Viehexporte zum Erliegen gekommen.
Die Erträge fließen vor allem in die Verwaltung, den militärischen Bereich und in Infrastrukturmaßnahmen. Durchgreifende Auswirkungen sind bisher jedoch allenfalls im städtischen Bereich und beim Straßenbau feststellbar. Ein nennenswerter industrieller Sektor existiert nicht; allerdings gibt es Anfänge in der lebensmittelverarbeitenden Industrie.

Wichtigster ausländischer Investor ist China. Neben der Erschließung neuer Erdölfelder betreiben chinesische Staatsfirmen eine Pipeline und eine Raffinerie im Norden von N'Djamena (Djermaya). China betreibt außerdem ein neues Kraftwerk zur Versorgung der Hauptstadt mit Elektrizität und eine Zementfabrik im Süden des Landes.
Weitere Wirtschaftspartner sind Frankreich, Südafrika, Türkei, Kanada, Brasilien, Indien und die Golfstaaten.


Außenhandel

Tschad führte 2015 Güter im Wert von gut 4,1 Milliarden US-Dollar (Schätzung, CIA World Factbook) aus; vor allem Erdöl, Lebendvieh, Sesam, Baumwolle und Gummi Arabicum.
Die Haupt-Importgüter sind Fahrzeuge und Maschinen, industrielle Erzeugnisse, Zucker, Getreide, Nahrungsmittel und Textilien. Haupthandelspartner sind China, Frankreich, USA, Kamerun und Nigeria.


Staatshaushalt

Der Etat für 2015 wies Einnahmen in Höhe von circa 2,31 Milliarden Euro auf, die Ausgaben beliefen sich auf 2,73 Milliarden Euro. Die Staatsverschuldung beläuft sich derzeit auf gut 24,6 Prozent des BIP (Schätzungen IWF).

Tschad ist seit 2001 Kandidat für die globale Entschuldungsinitiative HIPC (Highly Indebted Poor Countries). Tschad hat im Rahmen der HIPC-Initiative im April 2015 den sogenannten "Entschuldungspunkt" und damit einen Schuldenerlass in Höhe von 30 Millionen Euro erreicht. Tschad hat damit auch Zugang zu neuen Krediten und Budgethilfe.  

Das Wirtschaftswachstum ist fast zur Gänze vom Ölsektor abhängig. 2013 hat Tschad ein nominelles Wachstum von 5,6 Prozent bei einer Inflation von unter 1 Prozent erreicht. Nach geschätzten 6,9 Prozent für 2015 wird im laufenden Jahr ein Wachstum von nur noch 4,2 Prozent erwartet (Schätzung IWF). Langfristig soll der volkswirtschaftliche Anteil des Nicht-Öl-Sektors erhöht werden.


Verkehr

Tschad ist ein Binnenland mit einer Nord-Südausdehnung von 1.600 Kilometer und einer maximalen Ost-West-Erstreckung von mehr als 1.000 Kilometer. Der N'Djamena nächstgelegene Seehafen Douala (Kamerun) liegt 1.750 Kilometer entfernt. Das tschadische Straßennetz ist trotz erheblicher Verbesserungen noch nicht ausreichend entwickelt und ein Hindernis für die Wirtschaftsentwicklung. Mit Hilfe von Weltbank, Europäischer Union, seit 2008 auch der Volksrepublik China und derzeit auch durch Eigeninvestitionen wird das Netz asphaltierter Straßen erweitert und erreicht heute circa 3.000 Kilometer Länge. N'Djamena ist auf dem Luftweg direkt mit Paris, Addis Abeba, Douala, Jaunde, Cotonou, Casablanca, Abidjan, Niamey, Bangui und Istanbul verbunden.


Umwelt

Etwa 40 Prozent der Fläche des Landes sind der Sahara zuzurechnen; in der sich südlich anschließenden Sahelzone (rund 20 Prozent Anteil) schreitet der Prozess der Desertifikation voran und zwingt Herdenbesitzer dazu, früher zur Migration in den Süden aufzubrechen und ihre Herden zugleich weiter in den Süden zu führen.

Dadurch kommt es zu Konflikten mit Bauern, deren Felder oft noch nicht abgeerntet sind. Im fruchtbareren Süden baut sich erheblicher Ressourcendruck auf als Ergebnis der wachsenden Bevölkerung und der extensiven Anbautechnik. Die Folge ist trotz eines generellen Einschlagverbots die Zunahme von Rodungen. Die Abholzung der Wälder - sie bedecken heute weniger als 10 Prozent der Landesfläche - wirkt sich negativ auf die Wasserführung der Flüsse aus.

Andererseits hält sich die Luftverschmutzung bisher in Grenzen, da es praktisch keine Industrie und ein nur geringes Verkehrsaufkommen gibt. Problematisch ist, dass Tschad über keine Müllbeseitigung verfügt. Auch die Wasserqualität des die Hauptstadt N'Djamena durchfließenden Chari, der den Tschad-See speist, ist wegen fehlender Kläranlagen besorgniserregend.

Der Tschad-See an der Grenze zu Kamerun, Nigeria und Niger bedeckt heute nur noch einen Bruchteil seiner früheren Fläche. Als Lebensgrundlage für etwa 30 Millionen Menschen gelten dem Erhalt seines Ökosystems intensive Anstrengungen, unter anderem durch die multilaterale Tschadseekommission (CBLT), die von der Bundesregierung gefördert wird.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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