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Thailand

Wirtschaft

Stand: März 2012

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

Die Schaffung neuen Vertrauens bei den Investoren nach den katastrophalen Überschwemmungen Ende 2011 und die Fortsetzung einer Wirtschaftspolitik mit dem Ziel eines „Wachstums für alle“ stehen für die seit August 2011 amtierende Regierung unter Premierministerin Yingluck Shinawatra im Vordergrund. 2010 hatte die thailändische Wirtschaft– unbeeindruckt von innenpolitischen Konflikten – mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 7,8 Prozent einen bemerkenswerten Aufschwung erlebt. Hauptgrund dafür war die stark anziehende Exportnachfrage aus den Hauptabnehmerländern (ASEAN, Japan, China, EU, USA).

Die Wachstumsbilanz für 2011 wurde dagegen bedingt durch die Flutkatastrophe mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung von über 10 Prozent im letzten Quartal erheblich beeinträchtigt. Über 830 Fabriken mit über 440.000 Beschäftigten in export- und wertschöpfungsintensiven Branchen (v.a. Automobilsektor, Elektrotechnik und Elektronik) waren durch die Flut direkt betroffen. Auch die Landwirtschaft gehörte zu Hauptleidtragenden.

Die Chancen für einen Wiederaufschwung im Jahr 2012 stehen indes gut. Wachstumsprognosen internationaler und nationaler Einrichtungen gehen übereinstimmend davon aus, dass 2012 mindestens ein Wachstum von 5,5 bis über 6 Prozent erreichbar ist.

Ein Grund sind die umfangreichen neuen Maßnahmen der Regierung zur kurz- und mittelfristigen Risikominderung, etwa durch Investitionen in die Infrastruktur (Kanäle, Schleusen, Wiederaufforstung) und die Sicherung der großen Industrieparks. Insgesamt sind für den Hochwasserschutz 350 Mrd. Baht (rd. 9 Mrd. Euro) bewilligt, die schrittweise in Projekte fließen werden. Für darüber hinaus gehende Infrastrukturprojekte (Straßen, Eisenbahn, Energie, Telekommunikation) sind insgesamt 2,3 Trio. Baht (rd. 58 Mrd. Euro) vorgesehen.

Hinzu kommt, dass die makroökonomischen Rahmenbedingungen weiter gut sind. Thailands Banken haben sich in den vergangenen Jahren als Lehre aus der Asienkrise 1997 von spekulativen Geschäften weitgehend ferngehalten. Die Banken sind gut kapitalisiert (Eigenkapital-Quote von rund 15 Prozent), der Anteil notleidender Kredite ist sehr gering. Die Staatsschuldenquote ist mit knapp 41 Prozent (2011) im internationalen Vergleich gering, wenn sie auch in Folge der staatlichen Investitionstätigkeit und im Zuge der Erfüllung populärer Wahlversprechen in Zukunft ansteigen dürfte. Insgesamt stehen die Chancen gut, dass Thailand mittelfristig wieder einen hohen Leistungsbilanzüberschuss erzielen wird.

Zur Sicherung eines „Wachstums für alle“ hat die Regierung erste nachfragewirksame Maßnahmen umgesetzt. Die Mindestlöhne für einfache Arbeit werden zum 1. April 2012 in zunächst 7 Provinzen im Großraum Bangkok und Phuket deutlich erhöht. Auch die Gehälter von jungen Hochschulabsolventen in der Verwaltung sollen steigen. Weitere bereits umgesetzte Maßnahmen zur Steigerung der Nachfrage betreffen die direkte Stimulierung der Konsumnachfrage durch steuerliche Anreize zum Kauf von Autos und Wohnungen.

Thailand bekennt sich als Handelsnation zur Ausweitung des Freihandel. Im Vordergrund stand dabei in den letzten Jahren die Integration mit den ASEAN-Partnern und Ländern im Asien-Pazifik-Raum (China, Japan, Indien). Die Europäische Union verfügt demgegenüber über keinen privilegierten Marktzugang. Der von der EU gewünschte Start von Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen könnte erfolgen, sobald die neue thailändische Regierung die notwendige Zustimmung für ein Mandat im Parlament erhält.


Aktuelle wirtschaftliche Lage

Das Sozialprodukt entsteht in Thailand zu rund 47 Prozent im Dienstleistungsbereich, zu rund 44 Prozent in der Industrie (einschließlich Bau- und Bergbauindustrie) sowie zu rund 8 Prozent in der Landwirtschaft. Der Tourismus bildet mit rund 6,5 Prozent Anteil am Sozialprodukt eine wichtige Devisenquelle. Der Agrarsektor ist unter arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Gesichtspunkten bedeutender als es der Anteil am Sozialprodukt vermuten lässt (mit rd. 43 Prozent Anteil der Arbeitskräften).

Die thailändische Wirtschaft konnte sich in den ersten drei Quartalen 2011 trotz abgeschwächter Weltkonjunktur und Schuldenkrise in der EU gut behaupten (Q 1: 3,2 Prozent Q 2: 2,7 Prozent Q3: 3,7 Prozent). Die Hochwasserkatastrophe im Oktober hat den Aufschwung kurzfristig stark gebremst. Im 4. Quartal 2011 brach das Wachstum um über 10 Prozent ein. Für das ganze Jahr schrumpfte der BIP-Zuwachs auf 0,1 Prozent. Hauptträger des Wachstums waren der Exportsektor (+ 16 Prozent), der 2011 mit 64 Prozent zum BIP beitrug, sowie private Investitionen (+ 7,2 Prozent) und Binnenkonsum(+ 1,3 Prozent). Die Prognose für 2012 geht seit Jahresanfang von starken Investitionen der Regierung für den Katastrophenschutz und einer schnellen Erholung des Produktionsektors aus und liegt zwischen 5,5 und über 6 Prozent. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei niedrigen 0,7 Prozent.

Die Inflationsrate stieg 2011 infolge der steigenden Rohölpreise und der allgemeinen Teuerung nach der Flut von 3,3 auf 3,8 Prozent. Angesichts der von der Regierung vorgesehenen Anhebung der Mindestlöhne, voraussichtlich steigender Energiepreise und der allgemein anziehenden Nachfrage wird damit gerechnet, dass sich die Inflationsrate 2012 auf 3,4 bis 4 Prozent erhöhen wird.

Um dem Inflationsdruck entgegen zu wirken, erhöhte die Zentralbank von Juli 2010 bis November 2011 neunmal den Leitzinssatz bis auf 3,5 Prozent. Die schwerwiegenden Auswirkungen des Hochwassers zwangen die Währungshüter, im November 2011 den Leitzinssatz auf 3,25 Prozent und im Januar 2012 auf 3,0 Prozent zu senken, um die wachstumsfördernde Politik der Regierung zu unterstützen

Die Staatsverschuldung lag 2011 mit über 135 Milliarden US-Dollar (4,13 Bill. Baht) bei knapp 41 Prozent des BIP.

Die Währungsreserven lagen 2011 bei 175,1 Milliarden US-Dollar. Demgegenüber belief sich 2011 die staatliche Auslandsverschuldung mit 29,7 Milliarden Dollar auf lediglich 3 Prozent des BIP.

Starke Kapitalzuflüsse in Zusammenspiel mit den günstigen fundamentalen Wirtschaftsdaten stellten den Hauptfaktor für die Aufwertung der thailändischen Währung dar. Der Außenwert gegenüber dem US-Dollar stieg 2011 im Vergleich zum Durchschnittskurs 2010 um rund 4,7 Prozent. Das Verhältnis zum Euro lag 2011 bei rund 42,41 Baht. Für 2012 hält die Zentralbank angesichts der Volatilität der globalen Finanzmärkte eine stärkere Währungsschwankung in den beiden Richtungen für möglich.


Außenwirtschaft

Auslandsinvestitionen sind besonders in technologieorientierten Sektoren willkommen und werden vom Board of Investment (BoI) unter anderem durch Steuerermäßigungen und beschleunigte Genehmigungsverfahren gefördert. Zur Abmilderung der Flutschäden werden Vergünstigungen zum Teil verlängert bzw. ausgeweitet.

Das BoI ist auch durch ein Büro in Frankfurt vertreten (Tel.: 069-9291230). In bestimmten Sektoren sind Auslandsinvestitionen nicht oder nur unter Bedingungen zulässig, in anderen Sektoren außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes darf die ausländische Beteiligung 49 Prozent nicht überschreiten. Grundlagen regelt der "Foreign Business Act".

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie fördert die Teilnahme an wichtigen Messen in Thailand. Deutsche Messegesellschaften haben 2011 sechs Messen in Thailand durchgeführt. 2011 fanden in Thailand 12 Messen mit Beteiligung deutscher Unternehmen statt.


Außenhandel

Thailand unterstützt generell den Abschluss der Welthandelsrunde unter besonderer Berücksichtigung der Interessen von Schwellen- und Entwicklungsländern. Gleichzeitig verhandelt es Freihandelsabkommen mit wichtigen Handelspartnern. Thailand hatte bereits mit Japan (2007) ein entsprechendes Abkommen abgeschlossen. Ferner hat es im März 2009 seine bereits bestehenden Freihandelsabkommen mit Australien und Neuseeland im ASEAN-Rahmen erweitert und sich dem Abkommen ASEAN-Korea angeschlossen. Die Fertigstellung eines (zweiten) Freihandelsabkommens mit Indien steht bevor.

Die von Thailand aktiv voran getriebene Integration der Märkte im Rahmen vonASEAN hat zu beträchtlichen Erfolgen geführt (seit 1.1.2010 Zollfreiheit für fast alle Produkte im Handel der so genannten ASEAN-6 Länder, d.h. der wirtschaftlich fortgeschrittensten ASEAN-Mitgliedstaaten; erste Stufe von Zollfreiheit zwischen ASEAN-6 und China). Ab 2015 treten weitere Erleichterungen im ASEAN-Raum in Kraft (ASEAN Economic Community). Für Deutschland und die EU ist die Aufnahme von Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen  von entscheidender Bedeutung, um dem bilateralen Handel zusätzliche Impulse zu verleihen. Die Verhandlungen über ein Abkommen zwischen Thailand und den USA sind derzeit ausgesetzt.

Thailands Handelsbilanz ist traditionell positiv. Dennoch brachte der Exportrückgang im letzten Quartal 2011 die Bilanz in die roten Zahlen. Thailand verbuchte daher für das Gesamtjahr 2011 nur einen geringfügigen Handelsüberschuss. Der Exportwert lag bei 162,6 Milliarden Euro, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um über 16 Prozent.

Hauptexportgüter Thailands sind elektrische und elektronische Geräte, Automobile und -teile, Edelsteine und Schmuckwaren sowie landwirtschaftliche Produkte, insbesondere Kautschuk, Reis und Meeresfrüchte. Hauptabnehmer thailändischer Produkte sind die ASEAN-Staaten (23,7 Prozent), gefolgt von China (12 Prozent), der EU (10,6 Prozent), Japan (10,5 Prozent) und den USA (9,6 Prozent).

Die thailändischen Importe beliefen sich 2011 auf einen Wert von 164,4 Milliarden, das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um über 25 Prozent. Thailand importiert rund 35 Prozent aller Waren aus Japan und den ASEAN-Staaten. 13,4 Prozent der Importe stammen aus China. 13,3 Prozent sind Rohöl- und Ölprodukte aus dem Nahen Osten. Danach folgen die EU mit knapp 7,8 Prozent und die USA mit fast 6 Prozent.

Deutschland ist innerhalb der EU der wichtigste Handelspartner. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2011 bei insgesamt 7,26 Milliarden Euro, eine Steigerung von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.


Mitgliedschaft in wirtschaftlichen Regionalorganisationen

Thailand nimmt aktiv am ASEM-Prozess (Europäisch-Asiatische Gipfeltreffen) teil und ist Mitglied in einer Reihe regionaler Organisationen wie der ASEAN (Verband Südostasiatischer Nationen/Association of Southeast Asian Nations), der AFTA (Asiatische Freihandelszone) und der APEC (Asiatisch-Pazifische Wirtschaftskooperation). Thailand unterstützt die Erweiterung der AFTA. Thailand hat weitere ökonomische Kooperationen abgeschlossen. Dazu zählen

  • GMS (Wirtschaftliche Kooperation der Greater Mekong-Subregion)
  • ACMECS (Wirtschaftliche Kooperation der Länder im Einzugsgebiet der drei Flüsse Ayeyawady, Chao Phraya und Mekong: Thailand, Laos, Kambodscha, Myanmar und Vietnam)
  • IMT-GT (Indonesien-Malaysia-Thailand-Wachstumsdreieck)
  • Economic Quadrangle (Wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Thailand, Myanmar, Laos und Südchina) 
  • BIMSTEC (Wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Thailand, Bangladesh, Bhutan, Indien, Myanmar, Nepal, und Srilanka )



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.