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Beziehungen zu Deutschland
Stand: März 2012
Politische Beziehungen
Im Jahr 2012 gedenken Deutschland und Thailand des 150. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen durch die Unterzeichnung des Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages am 7. Februar 1862. Schon vier Jahre davor, 1858, hatten die Hansestädte Hamburg, Lübeck und Bremen den ersten Handelsvertrag mit dem Königreich Siam geschlossen. Ein deutscher Konsul hatte gleichzeitig in Bangkok sein Exequatur erhalten.
Im Laufe der folgenden Jahrzehnte übten deutsche Kaufleute und Fachleute großen Einfluss im siamesischen (thailändischen) Wirtschaftsleben aus und spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer modernen Infrastruktur des Landes (Aufbau eines Telegrafennetzes, Ausbau des Hafens und der Eisenbahn).
Die erste Europareise eines Königs von Siam (Chulalongkorn) im Jahre 1897 führte diesen auch nach Deutschland, wo er begeistert empfangen wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Beziehungen unterbrochen, 1954 wieder aufgenommen.
Heute ist Thailand für Deutschland einer der wichtigsten politischen Partner in der aufstrebenden Region Südostasiens. Beide Länder sind durch enge und substanzreiche politische Beziehungen verbunden, die sich in einem regen politischen Besuchsverkehr, einer engen Zusammenarbeit bei vielen politischen Themen sowie in der Präsenz von fünf der sechs deutschen politischen Stiftungen in Thailand niederschlagen.
Für die Opfer der Flutkatastrophe, von der Thailand im Herbst 2011 heimgesucht wurde, stellte die Bundesregierung rasch humanitäre Hilfe in Höhe von 500.000 Euro bereit. Deutschland war damit einer der ersten und einer der größten Geber.
Wirtschaftliche Beziehungen
Über 500 deutsche Firmen sind in Thailand vertreten, darunter eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen. Deutsche Wirtschaftsinteressen liegen insbesondere in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur, Chemie, Automobilindustrie, Umwelttechnologie und Energie.
Die deutschen Investitionen blieben 2011 unverändert. Über das gesamte Jahr wurden 36 Neuinvestitionen mit einem Wert von circa 56,4 Millionen Euro vom Board of Investment genehmigt (2010: 31 Investitionen mit einem Volumen von 61,5 Millionen Euro).
Angesichts des drastischen Exportrückgangs im vierten Quartal (-4,5 Prozent) verzeichnete Thailand im Jahr 2011 ein Handelsbilanzdefizit in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Deutsche Firmen haben 2011 Waren im Wert von circa 3,2 Milliarden Euro nach Thailand exportiert und im Wert von circa 4,1 Milliarden Euro importiert. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2011 bei 7,3 Milliarden Euro.
Deutschland blieb 2011 für Thailand wichtigster Handelspartner in der Europäischen Union. Insgesamt belegte Deutschland 2011 in der thailändischen Exportstatistik Rang 17, in der Importstatistik Rang 13. Deutschland exportierte vor allem Investitionsgüter, chemische, elektrische und elektronische Produkte und importierte elektronische Produkte, Schmuck und Edelsteine, Maschinenteile sowie Textilien und landwirtschaftliche Produkte.
Am 8. Mai 2009 fand in Berlin der Deutsch-Thailändische Gemischte Wirtschaftsausschuss statt. Die Sitzung des Gemischten Wirtschaftsausschusses erwies sich als eine geeignete Plattform, um den Dialog zwischen Politik und Wirtschaft auf höchster Ebene fortzuführen und in einem weltwirtschaftlich schwierigen Umfeld die Bedeutung der deutsch-thailändischen Wirtschaftsbeziehungen zu unterstreichen.
Deutsche Unternehmen sind regelmäßig Aussteller auf allen wichtigen Messen in Thailand. Thailändische Unternehmen besuchen ebenso regelmäßig Messen in Deutschland, insbesondere in den Bereichen Nahrungsmittel, Medizintechnik, Maschinenbau, Kommunikations- und Informationstechnologie sowie Tourismus. Im Jahr 2011 fanden 12 Messen mit deutscher Beteiligung statt.
Im Oktober 2004 trat der Investitionsförderungs- und -schutzvertrag in Kraft. Ein "Open-Skies"-Abkommen konnte Anfang 2005 unterzeichnet werden.
Entwicklungszusammenarbeit
Die bilaterale technische Zusammenarbeit blickt auf 55 Jahre und ein Gesamtvolumen von über 1 Milliarde Euro zurück. Zuletzt war im Frühjahr 2002 für die kommenden 8 bis 10 Jahre der Bereich "Förderung der Ökoeffizienz kleiner und mittlerer Unternehmen" als Schwerpunkt der bilateralen Zusammenarbeit festgelegt worden. Das entsprechende Abkommen wurde am 14. Juli 2005 unterzeichnet. Die zweite Phase der Entwicklungszusammenarbeit ist inzwischen mit Mittelvolumen von 6,2 Millionen Euro vom Mai 2008 bis Dezember 2011 durchgeführt und beendet worden. Eine Fortsetzung der institutionalisierten bilateralen Entwicklungszusammenarbeit ist nicht geplant. Thailand entwickelt sich zunehmend vom Nehmer- zum Geberland staatlicher Entwicklungshilfe. Deutschland unterstützt diesen Prozess im Rahmen einer thailändisch-deutschen Trilateralen Zusammenarbeit mit Kambodscha, Laos und Vietnam. Die GIZ wird ihre Tätigkeit künftig verstärkt auf diese trilateralen Zusammenarbeiten und regionale Integrationsprojekte hin ausrichten.
Klima- und Umweltpolitik
Die seit August 2011 amtierende Regierung von PM Yingluck Shinawatra hat angekündigt, neue Akzente vor allem auch in der Klima-, Energie- und Umweltpolitik zu setzen. Im Vordergrund neuer Gesetzesinitiativen sollen unter anderem der bessere Schutz von Wäldern und Küsten sowie Landreformen zugunsten der armen Bevölkerung unter Berücksichtigung umweltpolitischer Aspekte stehen. Zu umwelt- und klimapolitischen Fragen besteht ein enger Austausch mit dem Bundesumweltministerium, das mittelfristig einen strategischen Umweltdialog mit Thailand anstrebt. Thailand hat bisher keine verbindlichen Ziele für die Reduktion von Treibhausgasemissionen im Rahmen der internationalen Klimaschutzpolitik übernommen, das Land unternimmt aber – auch vor dem Hintergrund nicht weiter verfolgter Pläne zum Bau von Kernkraftwerken und der hohen Abhängigkeit von Gas für die Stromproduktion (70 Prozent) - erhebliche Anstrengungen, den steigenden Energiebedarf vermehrt auch durch die Erschließung erneuerbarer Energien zu decken (Erneuerbaren-Energien-Ziel von 22 Prozent des Energieverbrauchs bis 2022). Das Regierungsprogramm von 2011 sieht vor, 25 Prozent der fossil erzeugten Energie in nächsten zehn Jahren durch erneuerbare Energie zu ersetzen. In den nächsten zwanzig Jahren soll der Stromverbrauch in der Produktion um 25 Prozent effizienter werden.
Kulturelle Beziehungen
Die kulturellen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind eng und basieren auf einem Kulturabkommen von 1984. Das Goethe-Institut in Bangkok ist ein wichtiger Motor des kulturellen Austauschs insbesondere bei der Förderung der deutschen Sprache. Es besteht seit über 50 Jahren in Thailand. Deutsche Universitäten sind durch mehr als 100 Partnerschaften eng mit thailändischen Hochschulen verbunden. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist in Thailand mit einem Studienberatungszentrum und fünf Lektoren präsent. Weiter vergibt der DAAD eine Vielzahl von Stipendien an thailändische Studenten. Auch aufgrund der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge – oftmals in englischer Sprache – ist ein Studium an einer deutschen Hochschule für jung Thailänder attraktiv.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
