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Südafrika

Wirtschaft

Stand: November 2010

Gesamtwirtschaftliche Lage

Die weltweite Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr machte auch vor Südafrika nicht halt: Im Ergebnis war 2009 für Südafrika aus wirtschaftlicher Sicht ein schweres Jahr: das BIP-Wachstum lag für das Gesamtjahr lag bei -1,8 Prozent, viele Arbeitsplätze wurden vernichtet und die Steuereinnahmen waren deutlich geringer als zunächst erwartet, was wiederum das Haushaltsdefizit kräftig anschwellen ließ.

Dabei war der Rezession in Südafrika gar keine Finanzkrise voraus gegangen, wie bspw. in den USA oder in Europa, wo sich die Banken dem internationalen Geschäft um das schnelle Geld mit hohem Risiko und ohne Netz hingaben – dies war den südafrikanischen Banken schon gesetzlich gar nicht erlaubt. Vielmehr war die Rezession in Südafrika eine Folge der weltweiten wirtschaftlichen Abkühlung, die der globalen Finanzkrise folgte. Aus diesem Grunde setzte die wirtschaftliche Talfahrt am Kap auch erst mit einer gewissen Verzögerung ein. Gleichwohl waren in kurzer Zeit fast alle traditionellen Wirtschaftsbereiche betroffen. Lediglich der Bausektor (wegen laufender WM-Infrastruktur-Projekte) sowie das Finanzwesen und der Immobilienhandel konnten für das Gesamtjahr 2009 ein leicht positives Wachstum erzeugen.

Für 2010 wird wieder mit einem moderaten Wachstum von 3 Prozent, für 2011 von 3,5 Prozent, für 2012 von 4,1 und für 2013 von 4,4 Prozent gerechnet. Während das Leistungsbilanzdefizit während der Rezession in 2008/2009 noch bei 7 Prozent lag, kam es in 2010 auf 4,2 Prozent zurück. Aufgrund von fortgesetzten Infrastrukturausgaben sowie der Erholung der nationalen Nachfrage werden die Importe über die nächsten drei Jahre rascher steigen als die Exporte. Damit – so schätzt das südafrikanische Finanzministerium – werde sich das Leistungsbilanzdefizit bis 2013 auf wieder 5,8 Prozent erhöhen. Aufgrund des überlegten Managements des Fiskus in den Vergangenheit hatte Südafrika in 2009 Raum für ein Haushaltsdefizit von 6,7 Prozent. Für 2010 nimmt der Finanzminister ein Defizit von 5,3 Prozent an, welches er bis 2013/2014 auf etwa 3 Prozent zurückfahren möchte. Die Inflationsrate ging bis Ende Oktober 2010 deutlich auf 3,5 Prozent zurück. Die South African Reserve Bank (SARB) erwartet, dass die Inflationsrate auch in den nächsten drei Jahren ihren angestrebten Ideal-Korridor von 3-6 Prozent nicht verlassen wird.

Insgesamt ging der südafrikanische Außenhandel ging 2009 um 24,66 Prozent auf Rand 1,06 Bio. zurück. Die Exporte verringerten sich um 20,88 Prozent auf Rand 524 Milliarden und die Importe reduzierten sich um 27,95 Prozent auf Rand 540 Milliarden Als Folge des verringerten Außenhandels, insbesondere bei den Importen, konnte Südafrika sein Handelsbilanzdefizit im Laufe des Jahres 2009 erheblich verringern. Betrug das Defizit im Außenhandel in 2008 noch Rand 87,7 Milliarden, so lag es Ende 2009 nur noch bei Rand 16,4 Milliarden Ein Grund für den sehr viel stärkeren Rückgang bei den Importen liegt mit Sicherheit in der verringerten südafrikanischen Industrieproduktion, durch die auch weniger Vor-Produkte eingeführt werden mussten (insbesondere im Automobilbereich). Aber auch die aufgrund der Wirtschaftskrise erheblich erschütterte Kaufkraft bei großen Teilen der südafrikanischen Bevölkerung mag eine wichtige Rolle dabei gespielt haben, dass in 2009 weit weniger Produkte eingeführt wurden, als in den Jahren zuvor. Der Rückgang bei den Exporten ist insbesondere auf die in 2009 verringerte Nachfrage nach Rohstoffen sowie nach Automobilen zurückzuführen.

Das im Jahr 2000 in Kraft getretene Handels- und Entwicklungsabkommen „Trade and Development Cooperation Agreement“ (TDCA) zwischen Südafrika und der EU hatte in den Jahren vor der Rezession zwischen beiden Partnern einen deutlichen Handelsaufschwung bewirkt. Am 11.08.2009 wurden neben den bisherigen Regelungen zum Güterverkehr auch die Bereiche Migration, Gesundheit, Raumfahrt, Energie, Informationstechnologie und maritimer Transport in das TDCA aufgenommen.

Eine der wenigen positiven Folgen der Rezession war der Umstand, dass die Stromversorgung ohne erwähnenswerte Ausfälle verlief. Fast alle Unternehmen – allen voran die verarbeitende Industrie und die Minenwirtschaft – verbrauchten weit weniger Strom als zu den Boom-Zeiten noch vor zwei bis drei Jahren. Auf diese Weise blieben Versorgungsengpässe aus. Mit der Rückkehr auf den Wachstumspfad ist es jedoch nur eine Frage der Zeit, wann es wieder zu wachstumshemmenden Stromausfällen kommt. Das in den letzten Dekaden vernachlässigte Stromnetz wie auch fehlende Kraftwerke können nicht von heute auf morgen auf Stand gebracht bzw. fertiggestellt werden. Bis etwa 2012 wird der Strom knapp bleiben, erst dann gehen neue Kraftwerke ans Netz.

Viele Südafrikaner hatten sich während des Konsum-Booms der Vorjahre stark verschuldet und konnten teilweise nur mit Mühe – einige gar nicht – ihre Schulden bzw. Zinsen zurückzahlen. Insbesondere der Immobilienmarkt kam dadurch ins Schwanken, aber auch der Absatz von Konsumgütern ging stark zurück. Konsumgüter. Aktuell ist lediglich eine sehr moderate Erholung im Konsumgüter- und Immobilienmarkt zu verzeichnen.

Auch Südafrikas Vorzeige-Industrie, die Automobilproduktion, hatte 2009 große Sorgen. Die heimischen Verkäufe brachen um 26 Prozent ein und befanden sich zum Jahresende mit 395.000 verkauften Neu-Fahrzeugen (PKW, LKW, Lieferwagen) auf einem 7-Jahres-Tief. Allein der Gebrauchtwarenmarkt profitierte von der angespannten wirtschaftlichen Situation der Konsumenten und konnte in 2009 um 15 Prozent auf 600.000 verkaufte Einheiten zulegen. Sinnvollerweise hatte das Department of Trade and Industry (DTI) einen Qualifizierungsfonds aufgelegt, den die Automobilhersteller, insbesondere auch deutschen Unternehmen, zur Weiterbildung ihrer Mitarbeiter während der KurRandbeits-Phasen nutzen konnten. Dadurch war es den Unternehmen möglich, die meisten ihrer Arbeitskräfte zu halten, bis die Produktion wieder verstärkt anlief. Massenentlassungen konnten dadurch weitgehend vermieden werden. Für 2010 sieht es in diesem Sektor wieder etwas besser aus. Es wird mit einem Anstieg der Fahrzeugverkäufe auf 452.000 Einheiten gerechnet – das wäre ein Plus 14,3 Prozent zum Vorjahr. Auch für 2011 wird mit einer fortgesetzten positiven Entwicklung gerechnet.

Aufgrund der starken Abhängigkeit der südafrikanischen Wirtschaft vom Weltmarkt und der Gefahr für ein gewisses Rückschlagspotential auf den Internationalen Märkten sind Privatinvestoren im Lande derzeit noch sehr vorsichtig und warten zunächst ab. Die Investitionen des öffentlichen Sektors bilden damit weiterhin eine wichtige Grundlage für das Wachstums. Insgesamt sind für die kommenden Jahre 811 Milliarden Rand (83 Milliarden Euro) für Infrastrukturmaßnahmen vorgesehen. Wichtigste Bereiche: Energie (40 Prozent), Transport (26) und Wasserversorgung (11 Prozent).

Jedoch genügt das aktuelle Wirtschaftswachstum nicht, um die Arbeitslosenquote von derzeit 25,3 Prozent deutlich nach unten zu drücken. Aus diesem Grunde fordert die südafrikanische Regierung im Rahmen eines „Neuen Wachstumspfades“ eine gemeinsame Anstrengung aller Wirtschafts- und Sozialpartner: Es soll ein nachhaltiges Wachstum von mindestens 6-7 Prozent generiert werden, damit 5 Mio. zusätzliche Jobs in einem Zeitraum von 10 Jahren entstehen können (500.000 /Jahr).

Folgende Maßnahmen sollen die schnelle Schaffung von Arbeitsplätzen unterstützen:

  • Stärkung der Arbeitsmarkt-Agenturen (insbes. durch Bildung und Training)
  • Verstärktes Engagement der staatlichen Institutionen zur Finanzierung von Entwicklungsprojekten (z.B. Investment Development Corporation - IDC)
  • Umsetzung des "Industrial Policy Action Plan" (IPAP) vom vergangenen Februar, insbesondere hinsichtlich der Förderung von SMEs und regionaler Wirtschaftsentwicklung
  • Mehr Investitionen und Wettbewerb in den Bereichen Energie, Transport, Kommunikation
  • Verbesserung der Wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den Ländern des südlichen Afrika (Finanz- und Handels-Institutionen sowie Transport-, Kommunikations-, Energie- und Wasserversorgungsnetze)
  • Verbesserung der Produktivität des öffentlichen Dienstes (public service delivery).

Eine für schnelles und starkes Wachstum große Barriere ist der starke Wechselkurs des südafrikanischen Rand. Finanzminister Pravin Gordhan spricht in diesem Zusammenhang von einer "kritischen Herausforderung".

Aufgrund des günstigen Zinsverhältnisses sowie des zu erwartenden stärkeren Wirtschaftswachstums in den Schwellenländern gegenüber den Industriestaaten wandern große Summen von Kapital von „Nord nach Süd“, was die Währungen vor Ort stark aufwerten lässt. Dies wiederum verringert die internationale Konkurrenzfähigkeit der – in diesem Falle – südafrikanischen Produkte deutlich, was einer signifikanten Generierung von Arbeitsplätzen im Lande deutlich zuwider läuft.



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