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Südafrika

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: Januar 2012

Grundlinien der Kulturpolitik

Grundlage der neuen südafrikanischen Kulturpolitik ist das 1996 veröffentlichte "Weißbuch der Regierung über Kunst, Kultur und Kulturerbe". In ihm sind die staatlichen Grundlinien zur Schaffung der Finanzierungs- und institutionellen Rahmenbedingungen für die Förderung und den Schutz südafrikanischer Künste und Kultur sowie des kulturellen Erbes festgeschrieben. Mit Hilfe der Einrichtung "Business and Arts South Africa" soll die südafrikanische Wirtschaft zu verstärkter Förderung von Kunst und Kultur motiviert und zur Einwerbung von Sponsorenmittel für Kulturprojekte gewonnen werden. Kulturpolitik zielt auch auf Armutsbekämpfung durch Beschäftigungsförderung.

Der Rückbesinnung auf die eigene afrikanische kulturelle Identität („Arican Renaissance“) wird unter der Regierung Zuma große Bedeutung zugemessen. Die Kulturpolitk Südafrikas basiert dabei im Kern auf der Überzeugung, dass der politisch gewollte Transformationsprozess der Gesellschaft auch im kulturellen Bereich zu erfolgen hat. Im Vordergrund steht vor allem die Bewahrung des eigenen kulturellen Erbes. Kulturprojekten, die die afrikanische Identität betonen, wird demgemäß besondere Aufmerksamkeit zuteil. Staatliche Kulturinstitutionen werden reformiert und umstrukturiert. Ziele sind dabei die Beseitigung von übrig gebliebenen Strukturen aus der Zeit der Apartheid und eine Stärkung der Regionen bei der Kulturförderung.

Bildungspolitik und Erziehungswesen

Die Regierung Südafrikas versteht die Reorganisation der staatlichen Bildungspolitik und des Erziehungswesens als kulturpolitische Schlüsselaufgabe. Das durch die Apartheid-Politik nach Rassen getrennte und qualitativ differenzierte Erziehungssystem galt stets als augenfälliges Symbol für Rassismus und Unterdrückung. Im April 1994 öffneten sich die staatlichen Schulen allen Kindern. Es wurden ein einheitliches, nicht-rassenorientiertes Erziehungssystem und die allgemeine Schulpflicht eingeführt.

Das Erziehungsministerium setzt zur Verbesserung der Entwicklungschancen der Bevölkerung und zur Bildung der "neuen südafrikanischen Nation" auf Curriculum- und Strukturreformen. Mit Ablauf des Monats Februar 2010 wurde das Erziehungsministerium in zwei neue Ministerien geteilt: Department of Basic Education (bis einschließlich Sekundarschulabschluss: Matric) und Department of Higher Education and Training. HIV/Aids, Schul- und Studiengebühren, ein genereller Mangel an Lehrern sowie unzureichende Anreize für die Ergreifung des Lehrerberufs trüben die Erfolgsaussichten vieler Schüler und Studenten. Die sprachliche Vielfalt des Landes (11 offizielle Sprachen, zudem 13 geförderte Fremdsprachen, darunter Deutsch) wird ausdrücklich bejaht ("Unity in Diversity").

Mit dem Higher Education Act leitete die Regierung 1997 die Transformation des Universitätswesens ein. Die 2004 und 2005 erfolgten Zusammenschlüsse (Reduktion von 36 auf 21 Hochschulen) von Universitäten und Fachhochschulen ("Technikons") haben das Ziel, das bisherige System, die Trennung in "weiße" und "schwarze" Universitäten, zu beseitigen. Die komplexe Transformation erfordert große Managementanstrengungen und einen langen Atem. Ausbleibende schnelle Erfolge führen wie auch eine nicht ausreichende Studienfinanzierung zu gelegentlichen Studentenprotesten.

Sportpolitik

Die Südafrikaner sind eine begeisterte Sportnation, wobei die Ballspiele Rugby (2007 zum zweiten Mal Weltmeister) und Cricket traditionell (noch) eher von der weißen Bevölkerung, Fußball dagegen überwiegend von Schwarzen gespielt und über die Medien verfolgt wird. Ziel der Sportpolitik ist es, diese Trennung allmählich zu überwinden.

Wichtiger Schritt hierfür war ohne Zweifel die erfolgreiche Ausrichtung der FIFA Fußballweltmeisterschaft 2010, der ersten Fußball-WM auf afrikanischem Boden. Im Vorfeld hatte Deutschland Südafrika mit der Weitergabe eigener Erfahrungen bei der Weltmeisterschaft 2006 entscheidend unterstützt. Die Zusammenarbeit zwischen den Ausrichterstädten und Fachbehörden beider Länder war ebenso erfolgreich wie die Arbeit des DFB-Schatzmeisters und Chef-Organisators der WM in Deutschland, der als FIFA-Berater dem südafrikanischen Organisationskomitee zur Seite stand. Zahlreiche Beobachter, allen voran die internationalen Medien, waren bis kurz vor Beginn der WM skeptisch, ob Südafrika dieser Mammutaufgabe gerecht werden würde. Aller Skepsis zum Trotz wurde das Turnier ein ausgelassenes, friedliches und gut organisiertes Fußballfest. Obwohl das südafrikanische Team "Bafana Bafana" in der Vorrunde knapp ausschied, sorgten die begeisterten Südafrikaner für eine großartige Fußballatmosphäre, die die Teams bis zum Finale am 11. Juli 2011 durchweg begleitete. Es war bemerkenswert, wie diese Begeisterung durchweg alle Bevölkerungsgruppen des Landes mitriss und so einen bedeutenden Integrationsbeitrag leistete. Der durch notwendige Infrastrukturmaßnahmen in der Vorbereitung begonnene Investitionsfluss nach Südafrika reißt indes auch nach dem Turnier nicht ab – ein Beleg für den großen Vertrauensgewinn, der dem Land durch die erfolgreiche Ausrichtung der WM zuteil wurde. Südafrika hofft, sich dadurch auch als Gastgeber für weitere sportliche Großveranstaltungen empfohlen zu haben und peilt nun die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2020 in Durban an.

Weniger erfreulich war aus südafrikanischer Sicht das Abschneiden bei den Commonwealth Games 2010 in Neu-Delhi, die wie schon die Olympischen Spiele 2008 in Peking für Südafrika enttäuschend verliefen. Auch bei der Rugby-Weltmeisterschaft 2011 in Neuseeland schnitten die mit hohen Erwartungen gestarteten „Springboks“ enttäuschend ab – sie schieden im Viertelfinale gegen Australien aus. Zudem hatte sich die südafrikanische Fußballnationalmannschaft auch nicht für den Afrika-Cup 2012 qualifiert.

Umso erfolgreicher ist das Land im Bereich des Behindertensports (Platz sechs in der Nationenwertung der Paralympics 2008). Behinderte Top-Athleten wie Oscar Pistorius (Laufen) und Natalie du Toit (Schwimmen) gelten als nationale Vorbilder.



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Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.