Hauptinhalt
Wirtschaftspolitik
Stand: Juni 2011
Sudan gehört zu den ärmsten und dabei am höchsten verschuldeten Ländern der Welt (Least Developed Country – LLDC). Die Ernährungslage der Bevölkerung ist vielerorts besorgniserregend, insbesondere im Westen, Osten und Süden des Landes. Neben Konflikten führen auch Dürreperioden immer wieder zu Hungerkatastrophen, die humanitärer Hilfe erfordern. Wassermangel und Wüstenbildung sind charakteristisch für weite Landesteile und wirken entwicklungshemmend.
Gleichzeitig verfügt der flächenmäßig größte Staat Afrikas über reiche Bodenschätze, darunter Öl, Erze, Edelmetalle, insbesondere Gold, das Nilwasser und potenziell fruchtbares Ackerland sowie ein bildungsfähiges Arbeitskräftereservoir. Die sudanesische Regierung hat aufgrund der anhaltenden Konflikte im Land beträchtliche Summen der Einkünfte aus dem Erdölexport in den Rüstungsetat investieren müssen. Sudan ist infrastrukturell, insbesondere in den Bereichen Energieversorgung, Wasser/Abwasser, Telekommunikation und Verkehr unzureichend erschlossen. Es besteht großer Entwicklungsbedarf in allen Bereichen.
Wirtschaftsstruktur und –politik
Die Wirtschaftspolitik des Sudan ist von einem hohen Grad an Dirigismus, Bürokratie und einer bedeutenden Rolle staatlicher Unternehmen am Wertschöpfungsprozess geprägt. Seit Mitte der 1990er Jahre verfolgt die Regierung in Khartum in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein wirtschaftliches Reformprogramme zur Modernisierung und marktwirtschaftlichen Orientierung des Landes.
Zentrale Reformanliegen richten sich auf fortschreitende Privatisierung, die Umgestaltung des Steuersystems (z. B. Einschränkung von Privilegien und Befreiungen; Ausdehnung der Besteuerungsbasis), Erhöhung der fiskalpolitischen Transparenz und Effizienz (z. B. durch verbesserte Datenbasis), Subventionsabbau und weiterem Abbau administrativer und rechtlicher Hürden (z.B. im Zollbereich) im regionalen Wettbewerb um stärkeren Zufluss von ausländischem Investitionskapital. Größter Kritikpunkt beim Budgetansatz sind gewöhnlich die mit schätzungsweise bis zu 40 Prozent des Haushalts sehr hohen Militärausgaben. Hier fordern IWF und Weltbank eine deutliche Umverteilung zugunsten sozialer Reformprogramme.
Im Zuge der Umsetzung des Nord-Süd-Friedensabkommens vom 09.01.2005 unternimmt die autonome Regierung des Südsudan verstärkte Entwicklungsbemühungen in den bislang stark vernachlässigten Bundesstaaten und marginalisierten Regionen des Landes im Süden. Die Entwicklungshemmnisse sind – angefangen bei der Infrastruktur – jedoch enorm. Es bestehen größte Absorptions- und Kapazitätsprobleme, sowie anhaltende Korruptionsvorwürfe.
Sonderproblem: Außenverschuldung
Die internationale Verschuldung Sudans ist mit etwa 36 Milliarden US Dollar besorgniserregend.
Der Preiseinbruch bei Erdöl und anderen Rohstoffen und die weltweite Wirtschaftskrise führten 2009 zu drastischen Rückgängen bei Devisen- und Staatseinnahmen. Die Erdöleinkünfte erbringen mehr als die Hälfte der Staatseinnahmen (knapp 90 der Einnahmen der Regierung des Südsudan) und knapp 85 Prozent der Devisen.
Sudan erfüllt die Kriterien für Schuldendiensterleichterungen im Rahmen der Initiative für hochverschuldete arme Länder (HIPC-Initiative).Es ist geplant, Sudan im Rahmen dieser Initiative alle Schulden zu erlassen.
Wichtigste Wirtschaftszweige
Bedeutendster Wirtschaftszweig ist der Ölexport, gefolgt von der Landwirtschaft (ein Drittel der Wirtschaftsleistung).
IDer Ölsektor ist in den letzten Jahren zum Motor der industriellen Entwicklung geworden. Die Aufnahme der Förderung und des Exports von Rohöl hat der Wirtschaft Wachstumsimpulse beschert. Pipeline- und Raffineriekapazitäten werden weiter ausgebaut. Allerdings ist zugleich die landwirtschaftliche Produktion – dem zweitwichtigsten Wirtschaftsektor – zurückgegangen. Mit der Unabhängigkeit des Südsudan wird der Nordsudan einen Teil der Öleinnahmen verlieren.
Außenwirtschaft
Die Regierung bemüht sich intensiv um ausländische Direktinvestitionen, die v. a. aus Indien, China und der arabischen Halbinsel in das Land fließen. In der Praxis herrschen dennoch weiter zahlreiche bürokratische Hemmnisse für die wirtschaftliche Entwicklung.
Die Handelsbilanz Sudans ist traditionell negativ. Daran haben bislang selbst die kontinuierlich steigenden Öl-Exporterlöse nichts geändert. Sie werden durch eine noch rascher steigende Importrechnung aufgefangen, die den enormen Bedarf an Einfuhren in der Post-Konflikt-Entwicklungsphase widerspiegelt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
