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Wirtschaft
Stand: März 2012
Grundlinien der Wirtschaftspolitik
In seinem Wahl- und Regierungsprogramm von 2005 „Mahinda Chinthana“ hat Präsident Mahinda Rajapaksa einen Bruch mit der Privatisierungspolitik der Vorgängerregierung sowie die Förderung der nationalen Industrien und des ländlichen Raumes, Hilfe für Einkommensschwache und Stärkung des öffentlichen Sektors zu seinem Konzept erhoben. Ohne dabei die marktwirtschaftliche Ordnung in Frage zu stellen, sollen so wirtschaftliches Wachstum von sechs bis acht Prozent jährlich und Wohlstandsgewinne, auch in benachteiligten Regionen mit verbreiteter Armut, gesichert werden. In seinem Manifest zur Präsidentschaftswahl im Januar 2010 hat Rajapaksa dieses Programm fortgeschrieben und das Ziel formuliert, Sri Lanka in den kommenden Jahren zum international führenden wirtschaftlichen, technologischen und verkehrsmäßigen Knotenpunkt („hub“) in Südasien zu machen.
Mit ausländischer Hilfe (China, Japan, Indien, Asiatische Entwicklungsbank) hat Rajapaksa große Infrastrukturprojekte angestoßen (Hafenneubau Hambantota, neuer internationaler Flughafen nahe Hambantota, Hafenausbau Colombo, Stromkraftwerke, Straßenneubau, Eisenbahnverbindungen).
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Tsunami insbesondere in Fischerei und Tourismus sind überwunden. Mit der Behebung der Tsunami-Folgen sind vielerorts modernere Strukturen entstanden.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Sri Lanka für ausländische Investitionen sind im großen und ganzen günstig (liberale Wirtschaftsverfassung, hohe Alphabetisierungsrate, moderner Hafen Colombo, Investitionsanreize). 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes werden von der privaten Wirtschaft erbracht. Freilich besteht eine sozialistisch geprägte Arbeitsgesetzgebung, und die Wirtschaftspolitik der Regierung Rajapaksa folgt mehr einem protektionistischen denn dem früheren neoliberalen Credo.
Zur Mithilfe beim wirtschaftlichen Wiederaufbau des durch den Bürgerkrieg in seiner Entwicklung zurückgeworfenen Nordens hat die Regierung alle Sektoren aufgerufen und erhofft sich ebenso internationale Unterstützung.
Aktuelle wirtschaftliche Lage
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 2010 49,5 Mrd. US-Dollar, das waren pro Kopf der Bevölkerung 2.399 US-Dollar (2009: 42,0 Mrd. bzw. 2.053 US-Dollar). Das reale Wirtschaftswachstum belief sich sowohl 2010 als auch 2011 auf 8,0 Prozent (2009:3,5 Prozent), das stärkste Wachstum seit 32 Jahren. Auch für 2012 wird ein Wachstum von 7-7,5 Prozent erwartet.
Die Arbeitslosigkeit nahm 2010 von 5,8 Prozent im Jahr zuvor auf 4,3 Prozent ab (dabei ist wegen des Bürgerkriegs die Nordprovinz nicht berücksichtigt). Problematisch ist allerdings die zunehmende Jugendarbeitslosigkeit (ca. 19 Prozent).
Der Anstieg der Verbraucherpreise, der nach hohen Inflationsraten in den Vorjahren 2009 nur 3,4 Prozent betragen hatte, nahm 2010 wieder auf 5,9 Prozent zu. 2011 setzte sich die Aufwärtstendenz zunächst fort – für April, Mai und Juni 2011 lag er sogar bei 8,9 Prozent. Bis Januar 2012 sank die Inflationsrate erneut auf nur 3,8 Prozent. Allerdings wird sich im Jahresdurchschnitt 2012 der beträchtliche Preisanstieg für Benzin, Öl, Elektrizität im Februar 2012 niederschlagen – als Folge wird der Anstieg auch der Lebensmittelpreise befürchtet.
Die wirtschaftliche Entwicklung Sri Lankas weist große regionale Unterschiede auf. Wirtschaftliches Zentrum ist die Region rund um Colombo, die fast die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung erbringt.
Nach einem rapiden Rückgang der Devisenreserven Ende 2008/Anfang 2009 hatte die Regierung beim Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Stand-by-Kredit beantragt, der im Juli 2009 in Höhe von 1,65 Mrd. Sonderziehungsrechten (umgerechnet 2,6 Mrd. US-Dollar, 400 Prozent der srilankischen Quote) gewährt wurde.
Unter den Bedingungen, die vom IWF mit der Regierung zur Verbesserung der Zahlungsbilanzsituation vereinbart wurden, waren auch Maßgrößen für das Haushaltsdefizit 2009 von 7,0 und 2010 von 6,5 Prozent des BIP, später angepasst auf 8 Prozent. 2010 konnte diese Vorgabe mit 7,9 Prozent eingehalten werden. 2011 lag das Budgetdefizit bei ca. 7 Prozent, Zielgröße für 2012 ist 6,2 Prozent des BIP.. Die öffentliche Verschuldung lag 2009 bei 86,2 Prozent des BIP und ging 2010 auf 81,9 Prozent zurück. In seinen regelmäßigen Überprüfungen der wirtschaftspolitischen Maßgrößen Sri Lankas hat der IWF die Einhaltung der übrigen vereinbarten Ziele festgestellt.
Die Devisenreserven standen Mitte 2011 bei ca. 8,1 Mrd. US-Dollar. Da sie von der Zentralbank auch zur Stabilisierung des Wechselkurses genutzt wurden, reduzierten sie sich jedoch bis Januar 2012 um etwa 25 Prozent. Daraufhin vollzog die Regierung einen Politik-Wechsel durch Flexibilisierung der Wechselkurse, was der IWF begrüßte.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
