Hauptinhalt

Simbabwe

Wirtschaft

Stand: Juni 2017

Grundlagen

Simbabwe besitzt fruchtbare Böden, reichhaltige Bodenschätze (Gold, Platin, Diamanten, Kupfer, Nickel, Chrom, Kohle und seltene Erden) sowie touristisch interessante Naturschönheiten wie die Victoria-Fälle und das Sambesi-Tal. Damit verfügt das Land über ein beachtliches wirtschaftliches Potential. Bis Mitte der 90er Jahre florierten Landwirtschaft, Bergbau und Tourismus. Seit Ende der 90er Jahre nutzte Simbabwe dieses Potential jedoch immer weniger. Von 1998 bis 2008 schrumpfte die Wirtschaftsleistung um etwa die Hälfte. Ende 2008 waren aufgrund von Hyperinflation, Devisenknappheit, fehlenden Investitionen, Import- und Exportrestriktionen und Energieknappheit alle Wirtschaftsbereiche nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Die Einführung eines Multiwährungssystems mit dem US-Dollar als Leitwährung brachte ab 2009/2010 nur vorübergehend Besserung. Seit 2013 befindet sich das Land wieder in einer Abwärtsspirale. Positiv zu vermerken ist, dass das Bildungsniveau immer noch weit über dem afrikanischen Durchschnitt liegt, wenngleich es als Folge der allgemeinen wirtschaftlichen Misere gesunken ist. Die Infrastruktur hat infolge unzureichender Instandhaltungsmaßnahmen in den letzten Jahren deutlich gelitten.


Ursachen der Wirtschaftskrise

Die tiefgreifende wirtschaftliche Krise geht auf folgende langfristige Ursachen zurück:

  • Unvollkommene Umstellung von einer planwirtschaftlichen (1980-1990) auf eine marktwirtschaftliche Politik (seit 1990)
  • Anfälligkeit der landwirtschaftlichen Produktion für Dürreperioden
  • Zerstörung des kommerziellen landwirtschaftlichen Sektors durch eine überhastete und verfehlte Landreform ohne Schaffung leistungsfähiger alternativer Strukturen
  • Infolgedessen drastischer Einbruch der Exporterlöse und Zusammenbruch der ländlichen Industrie- und Dienstleistungsbetriebe
  • zum Teil stark fluktuierende Weltmarktpreise für Rohtabak und Mineralien (Gold, Platin, Chrom, Diamanten), die Hauptexportprodukte Simbabwes
  • ein seit langem existierendes, in den letzten Jahren jedoch stark gestiegenes Haushaltsdefizit; hohe Arbeitslosigkeit (90 Prozent im informellen Sektor tätig)  und zunehmende Armut (über 80 Prozent)

Zu diesen längerfristigen Faktoren kommen als kurzfristige Ursachen hinzu:

  • massiver Vertrauensverlust im In- und Ausland als Folge der Farmenteignungen und -besetzungen - auch unter Verletzung von Investitionsschutzabkommen - und politisch motivierter Gewalt;
  • intransparente Nutzung der Erlöse aus den Bodenschätzen des Landes (oft zugunsten Einzelner und zur Finanzierung eines überdimensionierten Sicherheitsapparates)
  • häufige Stromausfälle
  • ein überdimensionierter öffentlicher Sektor, dessen Ausgaben für Gehälter zuletzt bis zu 97 Prozent der Haushaltseinnahmen beanspruchten.
  • die Indigenisierungsgesetzgebung, die eine Mehrheitsbeteiligung von "indigenen" Simbabwern in allen Unternehmen verpflichtend vorsieht.

Neuere Entwicklungen

Unter der Regierung der nationalen Einheit (Februar 2009 bis Juli 2013) wurden wirtschaftspolitisch sinnvolle Maßnahmen umgesetzt. Der Simbabwe-Dollar wurde abgeschafft und durch ein vom US-Dollar dominiertes Multiwährungssystem ersetzt. Die Hyperinflation, die 2008 nach Angaben des IWF bis zu 500 Milliarden Prozent erreichte, wurde dadurch quasi über Nacht beseitigt. Besorgniserregend bleiben hingegen illegale Farmbesetzungen sowie die intransparente Indigenisierungsgesetzgebung. Verheerend wirkt sich insbesondere die Praxis aus, nicht nach landwirtschaftlich geschulten Eigentümern bzw. nach dringend benötigten finanzkräftigen Investoren zu suchen, sondern nach parteipolitischen Gesichtspunkten ausgewählte Personen zu begünstigen. Einer kurzzeitigen Erholung der Wirtschaft ab 2009/2010 mit Wachstumsraten zwischen 6 und 8 Prozent folgte 2013 eine deutliche Abschwächung. Seither befindet sich die simbabwische Wirtschaft wieder in einer krisenhaften Abwärtsbewegung. Ein Symptom hierfür ist eine seit 2016 andauernde Liquiditätskrise; die Lücke zwischen Bedarf und Bestand an US-Dollars für den Geldkreislauf vergrößert sich immer weiter. Die Gegenmaßnahmen der Regierung, insbesondere die Einführung einer parallelen, nicht konvertierbaren „Ersatzwährung“ („Bond Notes“), verschafften bestenfalls kurzfristig und in geringem Maß Abhilfe. 

Die seit September 2013 amtierende ZANU-PF-Regierung verabschiedete im Oktober 2013 die neue Wirtschaftsagenda "ZimAsset 2013-2018" (Zimbabwe Agenda for Sustainable Socio-Economic Transformation), mit der die Wirtschaft wieder auf Kurs gebracht werden sollte. Benannt werden vier Schwerpunktbereiche sowie angestrebte Kurzfrist- (quick fixes) und Langfristziele (2016-2018). Nennenswerte Finanzmittel hierfür standen jedoch nicht zur Verfügung.

Ein mit dem IWF im Oktober 2014 vereinbartes Staff-Monitored-Programme (SMP) wurde Ende 2015 erfolgreich abgeschlossen. Mit dem SMP war auch die Erwartung verbunden, dass so ein Einstieg in die Lösung des drängenden Überschuldungsproblems gefunden werden könne (öffentliche Auslandsschulden ca. 7,4 Mrd. US-Dollar; überwiegend überfällig). Das diesbezüglich von der Regierung angekündigte Maßnahmenpaket (sogenannter "Lima-Prozess") wurde bislang jedoch fast gar nicht umgesetzt. Zwar konnten im Oktober 2016 die Rückstände gegenüber dem Internationalen Währungsfonds beglichen werden; eine Regelung der weitaus höheren Kreditrückstände bei Weltbank und Afrikanischer Entwicklungsbank sowie den bilateralen Gläubigern, die mittelfristig wieder Zugang zu internationalen Krediten eröffnen würde, liegt aber weiterhin außer Reichweite.


Zugehörigkeit zu regionalen Wirtschaftszusammenschlüssen

Simbabwe gehört dem regionalen Wirtschaftszusammenschluss COMESA (Common Market of Eastern and Southern Africa) und der SADC (Southern African Development Community) an.


Umweltpolitik

Simbabwe hat die drei Rio-Konventionen (Klimaschutz, Wüstenbekämpfung und Biodiversität) ratifiziert, jedoch nicht das Kyoto-Protokoll. Das Pariser Klima-Übereinkommen hat es unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert.

Simbabwe arbeitet an einer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Der im Dezember 2004 vorgelegte nationale Bericht zur Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) der Vereinten Nationen benennt Prioritäten und Hemmnisse bei der Umsetzung von Ziel 7 ("ensure environmental sustainability"), entwickelt jedoch keine nationale Umweltstrategie. Ebenso steht die Entwicklung eines nationalen Umweltplans, wie ihn der "Environmental Management Act" (2002) vorsieht, noch aus.

Das Umweltministerium engagiert sich wenig[MF(p1]  für den Wildschutz. Der Wildbestand in den Nationalparks ist  infolge von Wilderei ausgedünnt, die Elefantenpopulation dagegen zu hoch - zu Lasten anderer Arten. Korruption und organisiertes Verbrechen lassen der Nashornwilderei großen Spielraum.

Vorherrschende Umweltprobleme wie Bodenerosion infolge von Abholzung oder Verschmutzung von Trinkwasser sind in Simbabwe in erster Linie armutsbedingt. Die Kapazität zur Lösung von Umweltproblemen ist sehr begrenzt, ebenso fehlt es an statistischen Daten zur Erfassung der Umweltsituation. Im Bereich der erneuerbaren Energien wird seit 2013 Biokraftstoff (E10 bis zu E85) angeboten, der durch den Zusatz von Ethanol aus heimischem Zuckerrohr gewonnen wird. Das Wasserkraftwerk am Kariba-Staudamm wird ausgebaut. Trotz günstiger Voraussetzungen spielt die Solarenergiegewinnung bisher nur eine untergeordnete Rolle.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise und Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere