Hauptinhalt
Wirtschaft
Stand: Februar 2012
Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur
Die rumänische Wirtschaft hat sich zunächst von ihrem schweren Einbruch in Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise erholt. Im Jahr 2011 konnte ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent des BIP verzeichnet werden. Auch für 2012 sind die Wachstumserwartungen positiv und bewegen sich zwischen 1,5 und 2 Prozent des BIP. Die Inflation ist signifikant auf aktuell 2,72 Prozent gesunken. Rumänien gelang es, für 2011 die gesetzte Defizitgrenze von 4,4 Prozent des BIP einzuhalten. Die offiziell registrierte Arbeitslosigkeit liegt bei 7,2 Prozent.
Allerdings steht diese positive Entwicklung noch auf wackligen Füßen. Sie ist in hohem Maße von der Wirtschaftslage in der Eurozone abhängig, in die 55 Prozent der rumänischen Exporte gehen und aus der 80 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen kommen. In 2011 hat auch eine besonders gute Ernte die Statistik beeinflusst. Es gibt bereits erste Anzeichen einer erneuten Kontraktion: Im 4. Quartal 2011 ist das Wirtschaftswachstum nach 3 positiven Quartalen erstmals wieder leicht zurückgegangen. Das Investitionsklima hat sich deutlich abgekühlt; der Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen ist noch lange nicht auf Vorkrisenniveau zurückgekehrt.
Das Leistungsbilanzdefizit stieg 2011 wie im Vorjahr an. Es lag Ende 2011 bei 5,68 Milliarden Euro und damit um 2,9 Prozent höher als im Vorjahr. Grund für diese Entwicklung ist ein durch rückläufige Exportzahlen begründetes niedriges Außenhandelsdefizit (2,30 Mrd. Euro im Vergleich zu 2,95 Mrd. Euro/ Vorjahreszeitraum) und ein stark gewachsener Übertragungsüberschuss (1,48 Mrd. Euro im Vergleich zu 797 Mio. Euro/ Vorjahreszeitraum).
Das Haushaltsdefizit betrug im Gesamtjahr 2011 4,35 Prozent des BIP, ein Rückgang um 2,15 Prozentpunkte zum Vorjahr.
Der durchschnittliche Wechselkurs im Gesamtjahr 2011 betrug 4,24 Lei (RON) pro Euro.
Die weitere wirtschaftliche Entwicklung wird auch davon abhängig sein, inwiefern es Rumänien gelingt, die Binnennachfrage zu beleben und die zur Verfügung stehenden EU-Struktur- und Kohäsionsfondsmittel zu absorbieren. Die Absorptionsrate soll in 2012 von aktuell 6,3 Prozent auf 20 Prozent gesteigert werden. Dies bedeutet ein Volumen von 3,5 Mrd. EUR, wovon allein 1,2 Mrd. auf den Sektor Transport und Verkehr entfallen.
Strukturreformpolitik
Zur Stützung seiner Wirtschaft hat Rumänien im Mai 2009 ein Kreditabkommen mit IWF, Weltbank und EU abgeschlossen. Ein Nachfolgeabkommen vom April 2011 sichert Rumänien eine vorsorgliche Kreditlinie in Höhe von 5 Milliarden Euro zu. Im Gegenzug hat sich Rumänien zu umfangreichen Strukturreformen und zur Begrenzung des Haushaltsdefizits verpflichtet. Seitdem hat die rumänische Regierung einschneidende Sparmaßnahmen ergriffen, darunter unter anderem Entlassungen von Staatsbediensteten und Gehaltskürzungen um pauschal 25 Prozent im öffentlichen Dienst sowie die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 19 auf 24 Prozent. Es wurden Reformen des Rentensystems und der Besoldungsstruktur im Öffentlichen Dienst verabschiedet. Aktuell stehen umfassende Reformen bei den Unternehmen im Staatseigentum und des Gesundheitswesens auf der Agenda. Für 2012 hat sich die rumänische Regierung eine Neuverschuldungsgrenze von 1,9 Proozent des BIP gesetzt. Delegationen von IWF, EU und Weltbank zogen im Rahmen der quartalsmäßigen Überprüfungen des Kreditprogrammes bisher positive Bilanz.
Auch die neue, im Februar 2012 ins Amt gekommene rumänische Regierung unter Premierminister Ungureanu wird die Spar- und Strukturreformpolitik fortsetzen. Allerdings werden auch in Rumänien Stimmen lauter, wonach die notwendige Haushaltskonsolidierung nun durch verstärkte Wachstumsimpulse und deutliche Verbesserungen bei der Wettbewerbsfähigkeit ergänzt werden müsse.
Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen
Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Rumänien entwickeln sich weiterhin sehr positiv. Deutschland ist Handelspartner Nr. 1 und nimmt den dritten Platz bei den ausländischen Direktinvestitionen ein mit 18.600 Unternehmen mit deutscher Beteiligung am gezeichneten Kapital, das Ende 2011 6,95 Mrd. Euro betrug (Ende 2010: 6,39 Mrd). Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine Reihe deutscher Unternehmen ihre Investitionen über Tochterunternehmen in anderen Staaten tätigt, die somit in den rumänischen Statistiken nicht als deutsche Investitionen ausgewiesen werden. Die Exporte nach Deutschland betragen 18,8 Prozent der rumänischen Gesamtexporte und stiegen 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent.
Der Schwerpunkt der deutschen Investitionen liegt im Bereich der KfZ-Zulieferbranche, aber auch Energieunternehmen und große Einzelhandelsketten leisten einen wesentlichen Beitrag zum rumänischen BIP.
Die am 5. September 2002 eröffnete Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer in Bukarest (mit ca. 500 Mitgliedsunternehmen) fördert die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen und vertritt alle wichtigen Messegesellschaften vor Ort. Nach Schätzungen der AHK beschäftigen ihre Mitglieder in Rumänien ca. 200.000 Mitarbeiter. Die Deutsch-Rumänische AHK wird im September 2012 ihr 10jähriges Bestehen feiern.
Deutsche Wirtschaftsclubs in Bukarest, Hermannstadt/Sibiu, Kronstadt/Brasov, Temeswar/Timisoara, Arad, Klausenburg/Cluj-Napoca, Sathmar/Satu Mare und Bacau sind darüber hinaus Foren für die Vertreter der deutschen Privatwirtschaft in Rumänien.
Im Jahr 2008 eröffnete Germany Trade and Invest (früher Bundesagentur für Außenwirtschaft, bfai) ein Korrespondentenbüro in Rumänien.
Investitionsklima
Beim Geschäfts- und Investitionsklima besteht weiterhin Reformbedarf. Bürokratie, immer noch nicht ausreichende Rechtssicherheit, die schlechte Infrastruktur, sowie Korruption sind die Hauptprobleme der rumänischen Wirtschaft.
Weitere Informationen
Auskünfte über den jeweiligen Stand der Außenhandelsvorschriften sowie Messeaktivitäten u.Ä. erteilt die Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer in Bukarest.
Weitere Informationen: Externer Link, öffnet in neuem Fensterwww.ahkrumaenien.ro
Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland (Germany Trade and Invest, gtai) hält ein breites Informationsangebot über die allgemeinen Marktbedingungen, über Rechtsfragen, Zoll- und Steuerangelegenheiten sowie spezielle Branchenberichte bereit.
Weitere Informationen: Externer Link, öffnet in neuem Fensterwww.gtai.de
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
