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Ruanda

Wirtschaftspolitik

Stand: Januar 2012

Armutsbekämpfungsstrategie

Die erste, 2002 vorgelegte Armutsbekämpfungsstrategie (poverty reduction strategy, PRS) war eine zentrale Voraussetzung zur Qualifizierung Ruandas für die erweiterte Schuldeninitiative HIPC (heavily indebted poor countries). Im April 2005 erreichte Ruanda den "HIPC completion point"; eine Würdigung der Erfolge der ruandischen Regierung bezüglich ökonomischer Reformfähigkeit und einer auf Armutsbekämpfung ausgerichteten Politik.

Durch die Multilaterale Schuldenerlass-Initiative (MDRI), die von den G8-Staaten 2005 beschlossen wurde, wird das Land seit seiner Qualifizierung im März 2006 weiter entlastet.

Im September 2007 hat die ruandische Regierung ein neues Programm für wirtschaftliche Entwicklung und Armutsbekämpfung für den Zeitraum 2008-2012 beschlossen (EDPRS). Die Umsetzung von EDPRS steht im Vordergrund der Politik der Regierung. Schwerpunkte der Armutsbekämpfungsstrategie sind Förderung des Wirtschaftswachstums, Armutsbekämpfung durch Stärkung der ärmsten Bevölkerungsgruppen und gute Regierungsführung. Trotz bisheriger Anstrengungen lebt der Großteil der Bevölkerung, insbesondere auf dem Land, weiterhin in Armut. Es bleibt abzuwarten, ob die Anzahl der in Armut lebenden Bevölkerung bis 2012 von 57 Prozent auf 46 Prozent sowie die Anzahl der in absoluter Armut Lebenden von 37 Prozent auf 24 Prozent reduziert werden kann.

Auf der Basis des von der Regierung formulierten Entwicklungsprogramms "Vision 2020" soll Ruanda in eine moderne, wissensgestützte Gesellschaft und zu einem Land mit mittlerem Einkommensniveau umgewandelt werden.


Aktuelle wirtschaftliche Lage

Im Jahr 2010 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach offiziellen Angaben um 7,5 Prozent auf 5,25 Milliarden US-Dollar gewachsen, im Vergleich zu 4,1 Prozent im Vorjahr (2009).

Schätzungen des IMF und der Weltbank gehen davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum mittelfristig auf rund 6,5 Prozent einpendelt – ein Wert, der angesichts des noch hohen Bevölkerungswachstums (2,7 Prozent) für das Erreichen der ambitionierten Entwicklungsziele (Vision 2020) womöglich nicht ausreichen wird. Das BIP-Wachstum im Jahr 2010 wurde durch ein starkes Wachstum des Dienst­leistungssektors, höhere Staatsausgaben, gestiegene Tourismuseinnahmen sowie höhere Exporterlöse für Kaffee, Tee und Mineralien getragen. Die Inflationsrate lag Ende 2010 bei rund 2 Prozent. Im Laufe des Jahres 2011 stieg sie auf geschätzte 6-7 Prozent.

Der Staatshaushalt für das Haushaltsjahr 2011/12 liegt bei umgerechnet 1,3 Mrd. Euro. Der Anteil der externen Geberfinanzierung hieran beträgt 48%. Sorge bereitet weiterhin das hohe Handels- und Leistungsbilanzdefizit. Mit einem jährlichen BIP pro Kopf von ca. 540 US-Dollar bleibt Ruanda eines der ärmsten Länder der Welt. (Human Development Index 2011: Platz 166 von 187). Obwohl sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter verbesserten, bilden die geringe Kaufkraft auch aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums, hohe Energiekosten, bürokratisch-politische Strukturen, Landknappheit, die Binnenlage des Landes sowie ein kleiner, fragmentierter Markt weiter spürbare Investionshemmnisse.

Ungefähr 57 Prozent der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsschwelle.

Der tertiäre Sektor ist mit 60 Prozent inzwischen der wichtigste Bereich der erfassten Wirtschaftsleistungen, gefolgt von der Landwirtschaft (80 Prozent aller Ruander leben auf dem Land) und dem wenig entwickelten Industriesektor. Über 90 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe haben eine Fläche von weniger als einem Hektar. Ein Gesetz zur Landreform, das verbrieften Erwerb von Land ermöglicht und hierdurch mehr Anreize zu Investitionen als im überkommenen System von "Customer ownership" geben soll, wurde 2005 verabschiedet.

Bau- und Dienstleistungssektor bleiben die Motoren des Wirtschaftswachstums, insbesondere in der Hauptstadt Kigali (Gastgewerbe, Telekommunikation, Transport). Die wenig bedeutende Industrie stellt einfache Verbrauchsgüter für den heimischen Markt her (Getränke, Textilien, Zigaretten, Baumaterial).

Belastend für Wirtschaft und Bevölkerung bleibt die Energiesituation. Geringere Regenfälle und mangelnde Investitionen der letzten Jahre haben zu einem Rückgang der Leistung der wenigen Wasserkraftwerke geführt, während der Energiebedarf im Land mit der wirtschaftlichen Erholung der vergangenen Jahren deutlich angestiegen ist. Stromausfälle sind durch den Einsatz von Dieselgeneratoren zurückgegangen, die Stromkosten bleiben aber sehr hoch und liegen über dem regionalen Durchschnitt. Um die Energieversorgung nachhaltig zu verbessern, soll ein Kraftwerk mit einer Kapazität von 100 Megawatt errichtet werden, dass mit Methan aus dem Kivu-See betrieben wird. Weitere Wasserkraftwerke sind in Planung. Die Regierung setzt mittlerweile stärker auf eine Dezentalisierung der Energieproduktion und die Einführung regenerativer Energien.


Außenhandel

Der Außenhandel ist überwiegend von hochwertigem Kaffee, Tee und Mineralerzen abhängig. Um die Exportbasis zu verbreitern, versucht die Regierung, den Anbau und die Vermarktung alternativer "cash crops" wie Blumen oder Obst zu fördern. Vor allem aber sollen die Tee- und Markenkaffee-Produktion noch weiter intensiviert werden.

Ruanda importiert vor allem Treibstoff, Fahrzeuge und Konsumgüter. Die wichtigsten deutschen Exportprodukte sind Maschinen und Elektrotechnik, chemische Erzeugnisse und Metalle.

Die Regierung setzt auf Regionalisierung der Wirtschaft, wobei das Land eine Brückenfunktion zwischen den anglophonen Staaten Ostafrikas und den frankophonen zentralafrikanischen Nachbarn Burundi und Demokratische Republik Kongo ausüben will. In diesem Zusammenhang hat Ruanda den Beitritt zur Ostafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (EAC) erfolgreich betrieben. Im Rahmen des Gemeinsamen Ost- und Südafrikanischen Marktes (COMESA) hat sich Ruanda zur Absenkung und Angleichung seiner Zölle verpflichtet.

Ruanda will auch als aktives Mitglied von der, vor allem Dank erheblicher EU-Mittel wiederbelebten, Wirtschaftsgemeinschaft der Länder der Großen Seen (CEPGL) profitieren. Von der seit November 2009 bestehenden Mitgliedschaft im Commonwealth verspricht sich Ruanda auch wirtschaftliche Vorteile.


Verkehrsinfrastruktur

Das Hauptstraßennetz mit gut 1000 km asphaltierten Straßen ist eines der besten in der Region. Hingegen sind viele der Zubringerstraßen in schlechtem Zustand, was die Einbindung mancher Regionen in den Wirtschaftskreislauf erschwert und verteuert. Ein weiterer Ausbau des Straßennetzes erfolgt mit Unterstützung multilateraler Geberorganisationen (Weltbank, EU, AfDB). Ruanda hat noch keinen Eisenbahnanschluss und verfügt nur über unbedeutende Binnenhäfen am Kivu-See. Im Rahmen der Ostafrikanischen Gemeinschaft wird geprüft, einen Anschluss an das kenianische und/oder tansanische Schienennetz herzustellen. Die wichtigen Straßenverbindungen zu den nächsten Seehäfen Mombasa/Kenia und Daressalam/Tansania (je über 1500 Kilometer) sind in schlechtem Zustand. Allerdings wird die Asphaltstraßenverbindung zwischen Daressalam und Kigali zur Zeit saniert. Die Binnenlage, hohe Abgaben, geringe Transportvolumina und schwache Konkurrenz machen Ruanda zu einem der Länder mit den weltweit höchsten Transportkosten, die in den vergangenen Jahren infolge des stark gestiegenen Ölpreises nochmals überproportional anstiegen.


Umwelt

Ein Großteil der Böden in Ruanda sind infolge der intensiven Landwirtschaft von Erosion bedroht. Die Regierung unterstützt Terrassierungs- und Ressourcenschutzprogramme. Teile der ursprünglichen Bergwälder sind inzwischen brandgerodet oder abgeholzt, wobei die Regierung ernsthafte Anstrengungen zum Erhalt der Restwälder als Schutzgebiete unternimmt. Schwierigkeiten ergeben sich aus der Tatsache, dass viele der ruandischen Haushalte in einem Land mit der höchsten afrikanischen Bevölkerungsdichte mit Holz oder Holzkohle kochen. Die Regierung räumt der Entwicklung alternativer, umweltschonender Energieformen hohe Priorität ein.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.