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Ruanda

Wirtschaft

Stand: Januar 2017

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Die Wirtschaft Ruandas wächst seit einigen Jahren jährlich um durchschnittlich rund sieben Prozent (2015: 6,91 Prozent). Auch die Prognosen für die kommenden Jahre liegen auf diesem Niveau. Größten Anteil an der Wirtschaftsleistung mit knapp 50 Prozent hat der Dienstleistungssektor (Finanzdienstleistungen, Informationstechnologien, Versicherungswesen, Tourismus). Die Landwirtschaft liegt mit rund 30 Prozent auf Platz 2. Die Industrie (Bausektor, Kleinindustrie im verarbeitenden Gewerbe und Konsumgüter) hat einen Anteil von knapp 15 Prozent (Daten von 2015). Die in den letzten Jahren sehr niedrige Inflationsrate von ca. 2 Prozent stieg im Laufe des Jahres 2016 an. Im Oktober 2016 betrug sie rund 7 Prozent.

Ruanda hat sich für die Zukunft ehrgeizige Ziele gesteckt und möchte 2020 den Status eines 'Middle Income Countries' mit einem pro Kopf-Bruttoinlandsprodukt von 1.045 US-Dollar erreichen (2015 700 US-Dollar). Ruanda beabsichtigt, längerfristig zweistellige Wirtschaftswachstumsraten zu erzielen und setzt auf massive Investitionen in den Transport-und Energiesektoren (Wasserkraft, Erdwärme, Methangas im Kivu-See und Solarenergie), in die Modernisierung der Landwirtschaft und die Förderung der Industrie sowie in den Ausbau des Tourismus. Dem Privatsektor soll dabei eine Schlüsselrolle zukommen. Die Regierung unternimmt deshalb zahlreiche Anstrengungen, um insbesondere ausländische Investoren anzuziehen. Im 'Doing Business Report' der Weltbank zu den Investitionsrahmenbedingungen steht Ruanda unter den Ländern Afrikas regelmäßig an zweiter oder dritter Stelle. Das Korruptionsniveau  ist auch im weltweiten Vergleich niedrig..

Trotz großer Fortschritte und ehrgeiziger Pläne bleiben für Ruanda allerdings auch enorme Herausforderungen zu meistern: Mangel an installierter Energie (nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zur Stromversorgung) und an ausgebildeten Fachkräften, hohes Bevölkerungswachstum (von 2,4 Prozent), Landknappheit, vermehrte Auswirkungen des Klimawandels (Dürren, Starkregen). Zudem gehört Ruanda zu den Ländern mit den weltweit höchsten Transportkosten (s.u. Verkehrsinfrastruktur).


Armutsbekämpfung

Ruanda gehört zu den ärmsten Ländern weltweit (Index für menschliche Entwicklung der Vereinten Nationen 2015: Platz 163 von 188). Trotz aller bisherigen Entwicklungsanstrengungen und Erfolge leben weiterhin rund 40 Prozent der Bevölkerung  unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Die Verringerung der Armut steht deshalb im Mittelpunkt der "Vision 2020" und der Armutsbekämpfungsstrategie der ruandischen Regierung für 2013-2017/2018.

Als eines von wenigen Ländern hat Ruanda fast alle Milleniumsentwicklungsziele (MDG) erreicht - so u.a. auch das zentrale Ziel der Halbierung der extremen Armut  (2015: 16,3 Prozent – 2005: 35,8 Prozent). Auch die Ziele zur Verringerung der Kindersterblichkeit, Müttersterblichkeit und Gesundheit wurden erreicht. Durch das von der Regierung angestrebte Wirtschaftswachstum sollen sich diese Zahlen weiter verbessern.


Außenhandel

Wichtigste Exportgüter für Ruanda sind Mineralien (ca. 37 Prozent im ersten Quartal 2016), Tee (ca. 24 Prozent), Kaffee (ca. 9 Prozent) und landwirtschaftliche Erzeugnisse (ca. 5 Prozent). Etwas mehr als 30 Prozent der Exporte gehen in die Staaten der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC), rund 25 Prozent in andere afrikanische Länder und 14 Prozent nach Europa. Importiert werden primär Treibstoffe, Baumaterialien, Fahrzeuge und Maschinen.

Ruanda sieht sich aktuell mit einem wachsenden Handelsbilanzdefizit und schmelzenden Devisenreserven konfrontiert. Grund hierfür sind um fast die Hälfte gesunkene Weltmarktpreise insbesondere für Zinnerze (wichtigste Exportgüter) und der Rückgang der Erlöse aus landwirtschaftlichen Exporten.

Ruanda treibt die regionale Integration im Rahmen der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC), des Gemeinsamen Ost- und Südafrikanischen Marktes (COMESA) und der Wirtschaftsgemeinschaft der Länder der Großen Seen (CEPGL)  voran. Zusammen mit den Mitgliedern der EAC wurden seit Januar 2010 in wichtigen Bereichen Integrationsschritte beschlossen: gemeinsamer Binnenmarkt, mittelfristig Währungsunion, regionale Infrastrukturprojekte – so beispielsweise im Bereich  Energie, Transport, Zoll und Finanzsektor.


Verkehrsinfrastruktur

Das Hauptstraßennetz mit gut 1.000 Kilometern asphaltierter Straßen ist eines der besten in der Region. Viele der Zubringerstraßen befinden sich hingegen in schlechtem Zustand, was die Einbindung mancher Regionen in den Wirtschaftskreislauf erschwert und verteuert. Ein weiterer Ausbau des Straßennetzes erfolgt mit Unterstützung multilateraler Geberorganisationen (Weltbank, EU, Afrikanische Entwicklungsbank). Ruanda hat noch keinen Eisenbahnanschluss und verfügt nur über unbedeutende Binnenhäfen am Kivu-See. 

Mit Kenia, Uganda, der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda ist der Ausbau des "Northern Corridor Transit and Transport" im Rahmen der Northern Corridor Initiative Projects geplant. Straßen sollen ausgebaut werden, eine Bahnverbindung von Mombasa/Kenia nach Kampala/Uganda über Kigali bis nach Juba in Südsudan entstehen.

Es gibt einen internationalen Flughafen in Kigali. Die staatliche Fluggesellschaft RwandAir baut aktuell ihr Flugnetz aus: 2015 kamen zwei Airbusse hinzu, neben dem afrikanischen und europäischen Markt sollen zukünftig auch Flüge direkt nach Asien und in die USA gehen.  

Die Straßenverbindungen zu den nächsten Seehäfen Mombasa und Daressalam/Tansania betragen jeweils ungefähr 1.500 Kilometer. Die Binnenlage, hohe Abgaben, geringe Transportvolumina und schwache Konkurrenz machen Ruanda zu einem der Länder mit den weltweit höchsten Transportkosten.


Umwelt

Die Böden sind infolge der intensiven Landwirtschaft von Erosion bedroht. Weite Teile der ursprünglichen Bergwälder wurden in der Vergangenheit brandgerodet oder abgeholzt. Die Regierung unterstützt Terrassierungs- und Ressourcenschutzprogramme und hat die Entwicklung einer 'Green Economy' zum zentralen Ziel ihrer "Vision 2020" definiert. Sie unternimmt ernsthafte Anstrengungen zum Erhalt und zur Wiederaufforstung der Restwälder als Schutzgebiete.

Schwierigkeiten ergeben sich aus der Tatsache, dass viele der ruandischen Haushalte in einem Land mit der höchsten afrikanischen Bevölkerungsdichte mit Holz oder Holzkohle kochen. Die Regierung räumt der Entwicklung alternativer, umweltschonender Energieformen hohe Priorität ein. Der Anteil der Wasserkraft am Gesamtenergieangebot beträgt bereits 60 Prozent und soll weiter ausgebaut werden, auch um die Abhängigkeit von Dieselimporten zu verringern.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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