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Portugal

Wirtschaft

Stand: April 2017

Wirtschaft und Finanzen

Der Wirtschaftsstandort Portugal ist in den letzten zehn Jahren durch die fortschreitende Globalisierung und zunehmende internationale Konkurrenz unter Druck geraten. Portugal erzielte nach dem Beitritt zur  Europäischen Gemeinschaft (EG) von 1986, unterstützt durch massive Mittelzuflüsse der damaligen EG, zunächst überdurchschnittliche Wachstumszahlen. Um die Jahrtausendwende lag die Arbeitslosigkeit bei unter 4%. Die Infrastruktur hatte sich wesentlich verbessert und die Wertschöpfung in den Großräumen Lissabon sowie Porto hatte den Durchschnitt der Europäischen Gemeinschaft erreicht.

Mit dem ausbleibenden Wachstum nahm die Verschuldung von Staat, Unternehmen und privaten Haushalten stetig zu. Aufgrund fehlenden Kapitals und eines begrenzten nationalen Finanzmarktes musste Portugal sich zunehmend im Ausland verschulden. Dieses Finanzierungsmodell geriet 2011 an seine Grenzen mit immer höheren Zinsen für Staatsanleihen. Portugal erhielt daher im Mai 2011 Finanzhilfen von der EU (Europäische Union) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Über einen Zeitraum von drei Jahren wurden Portugal Kredite in Höhe von insgesamt 78 Mrd. Euro zugesagt. Der Kredit wurde in Tranchen ausgezahlt, auf der Basis von vierteljährlichen Fortschrittsberichten und nach Zustimmung in den entsprechenden Gremien der Troika (Europäische Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfond). Insgesamt wurden 76,5 Mrd. Euro ausbezahlt. Im Gegenzug musste Portugal die Neuverschuldung des Haushalts begrenzen und stimmte Reformen zur Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit (Strukturreformen) sowie zur Stärkung eines nachhaltigen Wachstums zu. Wichtige Strukturmaßnahmen hat Portugal im Rahmen dieses Unterstützungsprogramms umgesetzt: Liberalisierungen im Arbeitsrecht, Reform des Justizsystems, Privatisierung staatlicher Unternehmen, Stärkung der Finanzverwaltung, Steuerreform, Personalabbau im Öffentlichen Dienst. Das sogenannte Troika-Programm wurde Mitte 2014 erfolgreich beendet.
Unterdessen finanziert sich Portugal wieder vollständig am Kapitalmarkt. Das Wachstum stellte sich im Jahre 2013 wieder ein und hat sich im Jahr 2014, 2015 und 2016 verstetigt. Im Jahr 2016 konnte Portugals Wirtschaft Fortschritte verzeichnen (BIP-Wachstum von 1,4%) und unter anderem eine beachtliche Absenkung seines Haushaltsdefizits auf 2,1% erreichen. Auch die Arbeitslosenquote geht weiter zurück und liegt derzeit bei 10,5% (2013 über 18%), die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 27,7% (2013 über 42%). Auch für 2017 rechnet man mit einem Haushaltsdefizit von unter 3% und einem BIP-Wachstum von um die 1,5%.


Wirtschaftliche Entwicklung

Die Talsohle der Rezession wurde Mitte 2013 durchschritten. 2011 schrumpfte die Wirtschaft um 1,7%, 2012 sogar um 3,2%. Seit Mitte 2013 wächst die Wirtschaft wieder. Die steigenden Touristenzahlen gerade auch aus Deutschland, Nord- und Osteuropa, die dynamische Entwicklung der Landwirtschaft (Weine, Olivenöl u.a.) und des Immobiliensektors sowie eine Neuorientierung der portugiesischen Industrie auf außereuropäische Märkte etwa im Bereich Schuhe, Textilien, Pharma, Kunststoffe und Automobilproduktion (hier insbesondere mithilfe deutscher Unternehmen) tragen zum Exporterfolg und Investitionen aus dem Ausland bei.

Die Rezession hat im Januar 2013 in der Spitze zu einer Arbeitslosigkeit von über 18% und einer Jugendarbeitslosigkeit von über 42% geführt. Dank der Wiederbelebung der Wirtschaft seit Mitte 2013 sind diese Zahlen rückläufig: 10,5% Arbeitslose und 27,7% jugendliche Arbeitslose in 2016 (Studierende und Auszubildende werden bei dieser Berechnung nicht berücksichtigt). Viele Portugiesen haben das Land seit 2011 verlassen und suchen eine berufliche Zukunft in der lusophonen Welt, aber auch in europäischen Ländern. Nach Deutschland sind ca. 13.000 Bürger ausgewandert.

Deutschland ist mit 11,8% des Außenhandels nach Spanien (25%) und Frankreich (12,1%) sowie vor Großbritannien (6,7%) drittwichtigstes Zielland von portugiesischen Exporten. Deutsche Importe nach Portugal stehen an zweiter Stelle (13%) nach Spanien (32,8%) und vor Frankreich (7,4%). Das Außenhandelsdefizit mit Deutschland hat sich dank dynamischer Exporte aus Portugal deutlich reduziert. Der Anteil des Handels mit Staaten außerhalb der EU ist in letzter Zeit deutlich gewachsen (insbesondere mit China, Nordafrika und  den USA). Die portugiesische Statistik weist einen seit Jahren kontinuierlich wachsenden Anteil mittel- bis höherwertiger Güter (vor allem Komponenten für Maschinen, chemische Produkte) im Export aus.

Die Regierung unter Premierminister António Costa (Partido Socialista) will auf die in den letzten Jahren verstärkten Investitionen in Forschung und Innovation aufbauen und neben verstärktem Technologieeinsatz in der Industrie (Industrie 4.0) auch die Qualität der beruflichen Ausbildung verbessern. Weitere Entwicklungsfelder sind erneuerbare Energien, verstärkte Energieeffizienz, der Tourismus, verbesserte Bedingungen für Start-Ups, der Ausbau der Wasserwirtschaft, die Verbesserung der Infrastruktur sowie des Gesundheitswesens. Hier werden weiterhin gute Kooperationschancen für die deutsche Wirtschaft gesehen.

Das durchschnittliche Bruttomonatseinkommen eines Arbeitnehmers liegt bei rund 1.100 Euro brutto, der gesetzliche Mindestlohn beträgt gegenwärtig 557 Euro brutto.


Wirtschafts-, Sozial- und Finanzpolitik

Die von 2011 bis 2015 regierende liberal-konservative Regierung unter Premierminister Passos Coelho hatte ein umfassendes Paket fiskalischer Konsolidierungs- und Reformmaßnahmen umgesetzt, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und das Wirtschaftswachstum zu fördern. Die Maßnahmen zur Konsolidierung umfassten Kürzungen bei öffentlichen Gehältern, Umbau des öffentlichen Sektors, Anpassung der Leistungen im Gesundheits- und Bildungssystem sowie Reform der Renten- und Sozialleistungen. Zudem wurden Verbrauchsteuern wie auch verschiedene andere Steuern und Abgaben erhöht. Die Privatisierung von Staatseigentum ist gut vorangekommen. Die Privatisierungserlöse fielen höher als erwartet aus.

Mit einer Reihe von Strukturreformen wurde die Wettbewerbsfähigkeit der portugiesischen Wirtschaft verbessert: Reformen des Arbeitsmarktes (Lockerung des Kündigungsschutzes, niedrigere Abfindungszahlungen und Überstundenzuschläge), Änderungen im Mietrecht, die Liberalisierung und Stärkung des Wettbewerbs in den Energie-, Transport- und Telekommunikationsmärkten und Reformen in der öffentlichen Verwaltung und der Justiz.

Die von Linksblock und Kommunisten unterstützte PS-Regierung unter Premierminister António Costa hat einige dieser Maßnahmen graduell wieder zurückgeführt, um die harten Austeritätsmaßnahmen der letzten Jahre, gerade im sozialen Bereich, abzumildern. Zu den Reformen zählten u.a. die Rücknahme der Rentenkürzungen und der Lohnkürzungen für die öffentlichen Bediensteten, die Wiedereinführung der 35-Stunden-Woche im öffentlichen Dienst, die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Restaurants, die Erhöhung des nationalen Mindestlohns auf derzeit 557 Euro, die stückweise Aufhebung einer Zusatzsteuer, die Wiedereinführung von vier Feiertagen, Vergünstigungen für Kinder und Rentner sowie die Anhebung von Sozialleistungen wie Kindergeld und Sozialhilfe sowie niedriger Renten. Gleichzeitig hat die Regierung ein Budget-Defizit von 2,1% im Jahr 2016 erreicht.


Umwelt-, Klima- und Energiepolitik

In der Umwelt-, Klima- und Energiepolitik verfolgt Portugal die EU-Energie- und Klimaziele bis 2030: Treibhausgasreduzierung um 40%, Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch von 27%, Steigerung der Energieeffizienz um 27%. Im Jahr 2016 erzeugte Portugal 58% seines Elektrizitätsverbrauchs aus erneuerbaren Energien, den Schwerpunkt bilden Wind (22%)- und Wasserkraft (30%). Portugal liegt damit im Spitzenbereich der EU-Länder beim Einsatz von erneuerbaren Energien.

Der Ausbau erneuerbarer Energien ist für Portugal besonders wichtig, da das Land keine Atomenergie produziert und unabhängiger von teuren Energieimporten werden möchte. Ferner ist Portugal an einem weiteren Ausbau der Strom- und Gasleitungen zwischen der iberischen Halbinsel und Frankreich interessiert, um besser an den EU-Energiebinnenmarkt angebunden zu sein. Portugal verfügt bereits jetzt über ein sehr gut ausgebautes Netz an Ladestationen für Elektroautos.


Forschung und Entwicklung

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung von Staat und Wirtschaft lagen 2013 bei 1,36% des BIP  und befanden sich damit im europäischen Mittelfeld. In den letzten Jahren wurden Anstrengungen unternommen, Forschung und Entwicklung besser mit der Wirtschaft zu verknüpfen und kommerzielle Anwendungen zu fördern.

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist seit 2009 mit einem Forschungsinstitut an der Universität Porto und seit Juli 2015 mit einer Zweigstelle in Lissabon präsent.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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