Hauptinhalt

Portugal

Wirtschaft

Stand: September 2016

Wirtschaft und Finanzen

Der Wirtschaftsstandort Portugal ist in den letzten zehn Jahren durch die fortschreitende Globalisierung und zunehmende internationale Konkurrenz unter Druck geraten. Portugal erzielte nach dem Beitritt zur  Europäischen Gemeinschaft (EG) von 1986, unterstützt durch massive Mittelzuflüsse der damaligen EG, zunächst überdurchschnittliche Wachstumszahlen. Um die Jahrtausendwende lag die Arbeitslosigkeit bei unter 4 Prozent. Die Infrastruktur hatte sich wesentlich verbessert und die Wertschöpfung in den Großräumen Lissabon sowie Porto hatte den Durchschnitt der Europäischen Gemeinschaft erreicht.

Seither ist das Land zurückgefallen. Portugal erreichte 2014 mit einem pro Kopf-Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen von 16.600 Euro (61 Prozent des EU-Durchschnitts). Geringe Wettbewerbsfähigkeit, Abwanderung eines Teils der auf billiger Arbeitskraft beruhenden Industrien an andere Standorte und ein Rückgang der Immobilienpreise machten die Verwundbarkeit der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes deutlich.

Mit dem ausbleibenden Wachstum hat die Verschuldung von Staat, Unternehmen und privaten Haushalten in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Aufgrund fehlenden Kapitals und eines begrenzten nationalen Finanzmarktes musste Portugal sich zunehmend im Ausland verschulden. Dieses Finanzierungsmodell geriet 2011 an seine Grenzen mit immer höheren Zinsen für Staatsanleihen. Portugal erhielt daher im Mai 2011 Finanzhilfen von der EU (Europäische Union) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Über einen Zeitraum von drei Jahren wurden Portugal Kredite in Höhe von insgesamt 78 Mrd. Euro zugesagt. Der Kredit wurde in Tranchen ausgezahlt, auf der Basis von vierteljährlichen Fortschrittsberichten und nach Zustimmung in den entsprechenden Gremien der Troika (Europäische Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfond). Insgesamt wurden  76,5 Mrd. Euro ausbezahlt. Im Gegenzug musste Portugal die Neuverschuldung des Haushalts begrenzen - Ziel für 2015 ist eine Neuverschuldung von unter 3% des Bruttoinlandsprodukts - und stimmte Reformen zur Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit (Strukturreformen) sowie zur Stärkung eines nachhaltigen Wachstums zu. Wichtige Strukturmaßnahmen hat Portugal im Rahmen dieses Unterstützungsprogramms umgesetzt: Liberalisierung im Arbeitsrecht, Reform des Justizsystems, Privatisierung staatlicher Unternehmen, Stärkung der Finanzverwaltung, Steuerreform, Personalabbau im Öffentlichen Dienst. Das sogenannte Troika-Programm wurde Mitte 2014 erfolgreich beendet. Unterdessen finanziert sich Portugal wieder vollständig am Kapitalmarkt. Das Wachstum stellte sich im Jahre 2013 wieder ein und hat sich im Jahr 2014 und 2015 verstetigt. Die Aussichten für 2016 sind ermutigend. Die Arbeitslosigkeit ist weiterhin hoch, hat sich aber seit Anfang 2013 von rund 18 Prozent auf zur Zeit etwa 12,4 Prozent reduziert.


Wirtschaftliche Entwicklung

Die Talsohle der Rezession wurde Mitte 2013 durchschritten. 2011 schrumpfte die Wirtschaft um 1,7 Prozent, 2012 sogar um 3,2 Prozent. Im zweiten und dritten Quartal von 2013 wuchs die Wirtschaft leicht um respektive 1,1 Prozent und 0,2 Prozent, für 2014 wurde ein Wachstum von rund 1 Prozent erzielt. Für 2015 sind 1,6 Prozent prognostiziert.  Auch Dank steigender Exporte ist die Leistungsbilanz zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder positiv. Die steigenden Touristenzahlen gerade auch aus Deutschland, Nord- und Osteuropa, die dynamische Entwicklung der Landwirtschaft (Weine, Olivenöl u.a.) und eine Neuorientierung der portugiesischen Industrie auf außereuropäische Märkte etwa im Bereich Schuhe, Textilien, Pharma, Kunststoffe und Automobilproduktion (hier insbes. mit Hilfe deutscher Unternehmen) tragen zum Exporterfolg bei.

Die Rezession hat im Januar 2013 in der Spitze zu einer Arbeitslosigkeit von über 18 Prozent und einer Jugendarbeitslosigkeit von über 42 Prozent geführt. Dank der Wiederbelebung der Wirtschaft seit Mitte 2013 sind diese Zahlen rückläufig: 12,4 Prozent Arbeitslose und 31,8 Prozent jugendliche Arbeitslose im Oktober  2015 (Studierende und Auszubildende werden bei dieser Berechnung nicht berücksichtigt). Rund 250.000 Portugiesen haben das Land seit 2011 verlassen und suchen eine berufliche Zukunft in der lusophonen Welt (z.B. Angola, Mosambik), aber auch in europäischen Ländern. Nach Deutschland sind ca. 13.000 Bürger ausgewandert.

Portugal wickelt etwa drei Viertel seines Außenhandels mit den EU-Mitgliedstaaten ab. Die wichtigsten Handelspartner sind Spanien (23 Prozent des Außenhandels), Deutschland (13 Prozent) und Frankreich (12 Prozent). Das Außenhandelsdefizit mit Deutschland hat sich dank dynamischer Exporte aus Portugal deutlich reduziert. Der Anteil des Handels mit Staaten außerhalb der EU ist in letzter Zeit deutlich gewachsen (insbesondere mit Angola, China, Nordafrika, den USA, Brasilien, Kolumbien und Mosambik). Die portugiesische Statistik weist einen seit Jahren kontinuierlich wachsenden Anteil mittel- bis höherwertiger Güter (vor allem Komponenten für Maschinen, chemische Produkte) im Export aus.

Die neue Regierung unter Premierminister António Costa (Partido Socialista) will auf die in den letzten Jahren verstärkten Investitionen in Forschung und Innovation aufbauen und neben verstärktem Technologieeinsatz in der Industrie vor allem die Qualität der beruflichen Ausbildung verbessern. Weitere Entwicklungsfelder sind erneuerbare Energien, verstärkte Energieeffizienz, der Ausbau der Wasserwirtschaft, die Verbesserung der Infrastruktur, des Umweltbereichs (Abfallmanagement und Recycling) sowie des Gesundheitswesens. Hier werden weiterhin gute Kooperationschancen für die deutsche Wirtschaft gesehen.

Das durchschnittliche Bruttomonatseinkommen eines Arbeitnehmers liegt bei rund 1.100 Euro brutto, der gesetzliche Mindestlohn beträgt gegenwärtig 515 Euro brutto.


Wirtschafts-, Sozial- und Finanzpolitik

Die bisherige liberal-konservative portugiesische Regierung hat ein umfassendes Paket fiskalischer Konsolidierungs- und Reformmaßnahmen umgesetzt, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und das Wirtschaftswachstum zu fördern. Die Maßnahmen zur Konsolidierung umfassen Kürzungen bei öffentlichen Gehältern, Umbau des öffentlichen Sektors, Anpassung der Leistungen im Gesundheits- und Bildungssystem sowie Reform der Renten- und Sozialleistungen. Zudem wurden Verbrauchsteuern wie auch verschiedene andere Steuern und Abgaben erhöht. Eine für 2015 eingeführte Einkommenssteuerreform soll die Familien fördern und geringere Einkommen entlasten.

Die Privatisierung von Staatseigentum ist gut vorangekommen. Die Privatisierungserlöse fielen höher als erwartet aus.

Mit einer Reihe von Strukturreformen wurde  die Wettbewerbsfähigkeit der portugiesischen Wirtschaft verbessert: Reformen des Arbeitsmarkts (Lockerung des Kündigungsschutzes, niedrigere Abfindungszahlungen und Überstundenzuschläge sowie die Streichung von vier Feiertagen), die Änderung des Mietrechts, die Liberalisierung und Stärkung des Wettbewerbs in den Energie-, Transport- und Telekommunikationsmärkten, die Reformen in der öffentlichen Verwaltung und der Justiz. Eine nachhaltige Reform des Pensionssystems steht noch aus.

Die neue von Linksblock und Kommunisten unterstützte Regierung der PS mit Premierminister António Costa will einige dieser Maßnahmen graduell wieder zurückführen (Heraufsetzung der Gehälter im öffentlichen Dienst, Anhebung der Renten). Die finanziellen Auswirkungen sind noch unklar. Die neue Regierung plant ein Budget-Defizit von 2,8% zum Jahr 2016, die bisherige wollte das Haushaltsdefizit auf 1,8% zurückführen.


Umwelt-, Klima- und Energiepolitik

In der Umwelt-, Klima- und Energiepolitik hat Portugal sich ehrgeizige und teilweise über internationale und europäische Vorgaben hinausgehende Ziele gesetzt: Jeweils bis 2020 sollen Treibhausgase um 23 Prozent reduziert, 31 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs aus Erneuerbaren Energien gewonnen, die Energieeffizienz um 25 Prozent verbessert sowie Industrie-"Cluster" in den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz mit über 121.000 neuen Arbeitsplätzen geschaffen werden. 2014 wurden bereits 54,9 Prozent der Elektrizität aus erneuerbaren Energien gewonnen; den Schwerpunkt bilden Wind- und Wasserkraft. Portugal liegt damit im Spitzenbereich der EU-Länder beim Einsatz von erneuerbaren Energien.

Der Ausbau erneuerbarer Energien ist für Portugal auch wegen seiner immer geringeren Abhängigkeit von teuren Energieimporten wichtig. Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil von Energie aus erneuerbaren Quellen mindestens 10 Prozent des Endenergieverbrauchs im Verkehrssektor entsprechen. Portugal verfügt bereits jetzt über ein sehr gut ausgebautes Netz an Ladestationen für Elektroautos.


Forschung und Entwicklung

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung von Staat und Wirtschaft lagen 2013 bei 1,36 Prozent des BIP (Bruttoinlandsprodukt) und befanden sich damit im europäischen Mittelfeld. In den letzten Jahren wurden Anstrengungen unternommen, Forschung und Entwicklung besser mit der Wirtschaft zu verknüpfen und kommerzielle Anwendungen zu fördern.

Die Fraunhofer Gesellschaft ist seit 2009 mit einem Forschungsinstitut an der Universität Porto und seit Juli 2015 mit einer Zweigstelle in Lissabon präsent.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere