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Polen

Wirtschaft und Umweltpolitik

Stand: März 2017

Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsstruktur

Seit Beginn der Transformation 1990 hat Polens Wirtschaft eine eindrucksvolle Entwicklung durchlaufen. Der EU-Beitritt im Jahr 2004 hat diesen Trend nochmals positiv stimuliert Die Bruttowertschöpfung erfolgt inzwischen zu 60 Prozent im Dienstleistungssektor, zu 23,4 Prozent in der Industrie (ohne Baugewerbe) und zu 2,3 Prozent in der Landwirtschaft. Etwa 70 Prozent der Wertschöpfung entsteht im Privatsektor. Drei von vier Arbeitnehmern sind in der Privatwirtschaft tätig.

Wichtige polnische Wirtschaftszweige mit langer Tradition sind die Lebensmittelindustrie, der Energiesektor, der Bergbau und die Hüttenindustrie, gefolgt von Maschinenbau, Elektrotechnik/ Elektronik, Fahrzeugbau sowie der Textil- und Bekleidungsindustrie. In der Elektrobranche ist Polen der größte Montagestandort für Elektro-Haushaltsgeräte in Europa.


Wirtschaftswachstum

Polen konnte in den letzten Jahren ein durchgängig positives Wirtschaftswachstum verzeichnen. 2016 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent. Das Wachstum wird getragen durch eine wirtschaftsfreundliche Politik, fiskalpolitische Stabilität, ein flexibles Arbeitsrecht, durch die konsequente Nutzung von EU-Fördermitteln für den Ausbau der Infrastruktur und nicht zuletzt auch durch umfangreiche ausländische Direktinvestitionen. Der im Februar 2017 verabschiedete „Plan für verantwortungsvolle Entwicklung“ soll durch Reindustrialisierung und Digitalisierung, durch die Mobilisierung von Investitionen und Kapital und die Förderung benachteiligter Regionen die Grundlage für einen raschen Aufschluss zu den großen europäischen Industrienationen schaffen.


Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosenquote lag 2016 im Jahresdurchschnitt bei 6,3 Prozent (Eurostat), die polnische Statistik (GUS) wies 8,3 Prozent aus. Das ist die niedrigste Quote seit 25 Jahren. Auch die Jugendarbeitslosenquote (15-24-jährige) ist zurückgegangen, sie lag im Dezember 2016 bei 17,5 Prozent. In den letzten Jahren stieg besonders die Jugendarbeitslosigkeit, da das Bildungs- und Ausbildungsangebot nur unzureichend am Bedarf des Arbeitsmarktes ausgerichtet ist. Für das laufende Jahr wird eine weitere Entspannung am Arbeitsmarkt erwartet; die Arbeitslosenquote soll 2017 laut EU-Prognose auf 5,6 Prozent sinken.


Löhne

Die Belebung auf dem Arbeitsmarkt geht mit einem Anstieg der Gehälter einher (für 2016 prognostizierter Anstieg um 4,2 Prozent im Jahresdurchschnitt gegenüber dem Vorjahr). Angesichts einer sehr niedrigen Inflation würde dies nach 2014 und 2015 erneut einen erheblichen Reallohnanstieg bedeuten. Die Löhne unterscheiden sich stark nach Regionen und Berufsgruppen. Der landesweite Durchschnittslohn aller Branchen betrug 2015 3. 899,78 PLN/Monat (ca. 902 Euro). Der gesetzliche Mindestlohn beträgt seit 2016 1.850 PLN (ca. 428 Euro).


Inflation

Die Inflation setzte 2016 den seit Sommer 2014 anhaltenden Trend fort, allerdings schwächte sich die negative Rate zum Jahresende ab und betrug im Jahresmittel nur noch minus 0,2 Prozent (nach minus 0,7 Prozent 2015). Ursächlich waren gesunkene Preise von Rohstoffen (Öl) und Lebensmitteln. 2017 hat eine erwartete Trendwende eingeläutet. Im Januar betrug die Inflation 1,4 Prozent. Die Regierung erwartet eine Jahresinflation von 1,3 Prozent.

Die polnische Notenbank NBP hat ihren Leitzins zuletzt im März 2015 auf 1,5 Prozent abgesenkt. Der geldpolitische Rat schließt 2017 eine Anhebung nichtgrundsätzlich aus, will dies jedoch von Inflations- und Wirtschaftsentwicklung abhängig machen.


Haushalt

Trotz eines abgeschwächten Wachstums 2016 ist die gesamtwirtschaftliche Lage Polens stabil. Das öffentliche Defizit lag bei minus2,3 Prozent (EU-Winterprognose), die öffentliche Schuldenquote bei  53,6 Prozent des BIP (EU-Winterprognose). Der Haushalt 2016 brachte eine Abkehr von Kurs der Haushaltskonsolidierung, um Wahlversprechen wie das Kindergeld 500+ umsetzen zu können. Die Haushaltsumsetzung gelang u.a. durch massive Einsparung bei öffentlichen Investitionen. Der Haushalt 2017 geht von einem Wachstum von 3,6 Prozent bei einer Inflation von 1,3 Prozent und einem öffentlichen Defizit von 2,9 Prozent aus. Dem Haushalt 2017 entstehen neben dem Kindergeld zusätzliche, noch nicht bezifferbare Kosten durch die am 1. Oktober in Kraft tretende Absenkung des Rentenalters


Auslandsinvestitionen

Polen gilt bei deutschen Unternehmen weiterhin als einer der attraktivsten Standorte Mittel- und Osteuropas. Zu seinen Stärken zählen die EU-Mitgliedschaft  und Zugang zu hohen Fördermitteln (allein 2016 waren es etwa 6 Mrd. Euro; seit dem EU-Beitritt 2004 wird der Nettozufluss auf 89 Mrd. Euro geschätzt), der große, dynamische Binnenmarkt mit 38 Millionen Einwohnern, die geographische Nähe Polens zu Deutschland und anderen wichtigen Exportmärkten, die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Hochschulabsolventen und qualifizierter, flexibler Fachkräfte sowie die Anwesenheit lokaler Zulieferer und Partner. Auch in der neuen EU-Förderperiode (2014–2020) erhält Polen mit etwa 105,8 Mrd. Euro den größten Anteil aus den EU-Strukturfonds.


Außenhandel

Der Handel mit den EU-Mitgliedsstaaten entwickelte sich in den letzten Jahren sowohl auf der Import- als auch der Exportseite dynamisch weiter. Das Schwergewicht des Außenhandels hat sich 2016 zunehmend auf die EU-Länder verlagert (80 Prozent der Exporte und fast 61 Prozent der Importe), wobei Deutschland als mit Abstand größter Handelspartner Polens eine herausragende Stellung einnimmt (27 Prozent der polnischen Gesamtausfuhr und 23 Prozent der Gesamteinfuhr). Deutschlands Außenhandel 2016 mit Polen hat nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes mit einem Volumen von über 101,3 Mrd. Euro und einen siebten Platz auf der Länderrangliste einen neuen Rekord erreicht. Die deutschen Aus- als auch Einfuhren aus Polen sind gegenüber der gleichen Vorjahreszeit um ca.5 Prozent gestiegen.


Umweltpolitik

Die Umwelt- und Klimapolitik der Regierungen sind seit Jahren von der Sorge um die Kohle als polnischer Energielieferant Nummer 1 und um die Wettbewerbsfähigkeit der polnischen Wirtschaft geprägt. Selbst beim Thema Luftreinheit, das das Umweltministerium seit Jahren als oberste Priorität führt, hat die Regierung zwar 2015 einen Luftreinhaltungsplan verabschiedet, es jedoch versäumt, diesen mit Instrumenten zu seiner Umsetzung auszustatten. Angesichts eines landesweiten Smogalarms in Polen Anfang Januar 2017 hat die Regierung nunmehr zugesagt, in Kürze ein erstes Paket aus Gesetzen zu verabschieden, um die Luftqualität zu verbessern.

Polen hat dem  EU-Klima-und Energiepaket 2030 im Herbst 2014 nur zögerlich zugestimmt und Sonderregelungen ausgehandelt, die dessen Umsetzung angesichts der stark auf heimischer Kohle basierenden Industrie (Energie, Chemie, Baustoffe, Schwerindustrie mit hohem Anteil am BIP) erleichtern sollen (u.a. im ETS-Bereich  die Zuteilung kostenloser Emissionszertifikate). Strukturelle Änderungen im Energiesystem zeichnen sich derzeit nicht ab;  im Wesentlichen wird die Modernisierung des überwiegend auf Braunkohle basierenden Kraftwerkparks vorangetrieben (CO2-Minderungspotential bis zu 30 Prozent).

Polen hat die Beschlüsse der 21. Staatenkonferenz zum Klimaabkommen (COP 21) begrüßt, da diese auf freiwilligen Zielstellungen der einzelnen Staaten und der Freiheit des Energiemix beruhe und insbesondere die Absorption von Emissionen durch die Wälder anerkenne. Polen hat die Übereinkunft von Paris am 6. Oktober 2016 ratifiziert.

Klima- und Umweltschutz spielen bei weiten Teilen der Bevölkerung noch eine geringe Rolle. Dennoch wächst das Umweltbewusstsein. Ein Bericht der nationalen Kontrollbehörde über die Luftverschmutzung in Polen Anfang 2015, die Vorteile  dezentraler Energieversorgung mit erneuerbaren Energiequellen und Diskussionen über Gefahren an AKW-Standorten und potentielle Umweltschäden im Zuge einer möglichen Erschließung von Schiefergas nähren eine wachsende interessierte Öffentlichkeit. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die „Klimakoalition“, ein Zusammenschluss von 27 Institutionen und Umweltorganisationen wie auch die wachsende Gruppe der  Prosumenten, die allein oder in Betreibergemeinschaften, Energie aus erneuerbaren Quellen erzeugen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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