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Wirtschaft
Stand: März 2012
Wirtschaftsstruktur
Die philippinische Wirtschaft weist die für viele Entwicklungsländer typische Zweiteilung auf: Moderne Elektronik-Industrie und boomender Dienstleistungssektor auf der einen Seite, Armut und Subsistenzlandwirtschaft andererseits.
Die Landwirtschaft beschäftigt zwar noch rund ein Drittel aller Arbeitskräfte, ihr Anteil am Sozialprodukt beträgt jedoch nur noch etwa 15 Prozent. Aufgrund des hohen Anteils der Subsistenzlandwirtschaft ist die Produktivität des Agrarsektors niedrig. Die Industrie trägt ca. ein Drittel zur Entstehung des Sozialprodukts bei. Ein wichtiges Standbein ist dabei die Elektronik-Industrie. Das Assembling im Bereich Halbleiter und elektronische Bauteile machte in den vergangenen Jahren ca. zwei Drittel der philippinischen Exporte aus. Nach einem starken Einbruch 2009 bedingt durch die Weltwirtschaftskrise ist der Sektor seit 2010 wieder auf klarem Wachstumspfad. Weitere Wachstumssektoren sind der Bausektor, die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sowie der gesamte Bereich der Infrastruktur. Auch der Bergbausektor entwickelt sich positiv und könnte zukünftig noch an Bedeutung gewinnen; die Philippinen verfügen über große Lagerstätten an Gold, Kupfer und Nickel.
Der Dienstleistungssektor hat sich in den vergangenen Jahren zur tragenden Säule der philippinischen Wirtschaft entwickelt und trägt heute etwa zur Hälfte zur Entstehung des Bruttosozialprodukts bei. Einer der stärksten Sektoren ist die Telekommunikation. Manila rühmt sich die „Welthauptstadt des SMS-Versands“ zu sein. Die Philippinen sind mittlerweile außerdem die weltweit zweitgrößte Outsourcing-Destination (Call Center, Business Process Outsourcing) nach Indien. Insgesamt dürften gegenwärtig über 600.000 Menschen in diesem Bereich beschäftigt sein. In den nächsten Jahren wird weiterhin mit zweistelligen Wachstumsraten gerechnet.
Ein großes Potential bietet außerdem der Tourismus. Die Zahl der ins Land kommenden Touristen lag 2011 mit rund 3,9 Millionen im Rahmen der Erwartungen. Für die Zukunft sind die Aussichten aber durchaus positiv, zumal die Entwicklung des Tourismus hoch oben auf der Prioritätenliste der Regierung rangiert. Eine große Werbekampagne rund um den neuen Slogan ("It's more fun in the Philippines") steht an.
Der direkte Einfluss des Staats auf das Wirtschaftsleben ist begrenzt. Durch die weitgehend abgeschlossene Privatisierung des Energiesektors spielen staatliche Unternehmen auch in diesem Bereich kaum mehr eine Rolle Allerdings existieren umfangreiche Beschränkungen für ausländische Investoren (kein Eigentum an Grund und Boden; in vielen Bereichen nur Minderheitsanteil von bis zu 40 Prozent möglich) Korruption und intransparente Ausschreibungsverfahren bei öffentlichen Aufträgen haben in den vergangenen Jahren das das Geschäftsklima für ausländische Investoren erheblich belastet. Das Bekenntnis der Regierung Aquino, hier nachdrücklich Abhilfe zu schaffen, wird von Investoren ausdrücklich begrüßt, ein echter Stimmungsumschwung setzt aber sichtbare Erfolge voraus.
Die Steuerquote (Anteil der Steuern am BIP) liegt trotz einer Erhöhung der Mehrwertsteuer im Jahr 2006 immer noch lediglich bei etwa 13 Prozent. Diese im Vergleich zu den Nachbarländern niedrige Zahl ist vor allem auf eine geringe Effizienz bei der Steuererhebung zurückzuführen.
Wirtschaftslage
Immer wiederkehrende politische Turbulenzen und die Hypotheken hoher Staats- und Auslandsverschuldung hatten das Land in der Entwicklung und im Vergleich zu den Nachbarn zurückgeworfen. In den letzten Jahren war das Land aber auf einen stabilen Wachstumspfad mit Wachstumsraten von durchschnittlich 6 Prozent eingeschwenkt.
2011 war das Wachstum der philippinischen Wirtschaft mit 3,7 prozent allerdings unterdurchschnittlich. Vor allem ein Einbruch der Elektronikexporte und die Verschiebung wichtiger Infrastrukturvorhaben haben hierzu beigetragen. Abgefedert wurde diese Entwicklung durch die hohen Rücküberweisungen von Auslandsfilippinos. Die ausländischen Direktinvestitionen haben sich weiterhin nicht zufriedenstellend entwickelt, gerade auch im regionalen Vergleich.
Die Wachstumsaussichten für die nächsten Jahre sind grundsätzlich vielversprechend. Insbesondere sind die Staatsfinanzen und der private Finanzsektor in einer sehr stabilen Verfassung und sollten selbst stärkeren weltwirtschaftlichen Turbulenzen widerstehen können. Für die im Jahres 2011 schwächelnden Sektoren bestehen Erholungsmöglichkeiten. Regierungsvertreter hoffen auf ein Wachstum um die 7 Prozent, realistischer dürften aber die Schätzungen der internationalen Finanzinstitutionen sein, die ein Wachstum um die 4,7 Prozent vorhersagen. Das entschlossene Vorgehen des Präsidenten „Noynoy“ Aquino gegen die grassierende Korruption bietet die Chance, dass die Philippinen ihre langjährigen grundlegenden Probleme - mangelnde Good Gouvernance, hohe Korruption und große Armut - Schritt für Schritt überwinden und verstärkt ausländische Direktinvestitionen ins Land fließen. Konkrete Verbesserungen im Kleinen sind spürbar, für eine Änderung des Investitionsklimas ist aber noch mehr Zeit und Einsatz erforderlich. Insbesondere die über 100 Sonderwirtschaftszonen (sog. PEZA-Zones) werden aber schon heute von Investoren als gut beurteilt.
Einkommensverteilung
Die Ungleichheit bei der Einkommensverteilung ist hoch. Und leider ist es der philippinischen Regierung trotz des starken Wirtschaftswachstums nicht gelungen, die Armut im Lande zu reduzieren. Nach Angaben der Weltbank ist sie im Gegenteil sogar von 30 Prozent im Jahr 2003 auf 33 Prozent im Jahr 2006 angestiegen, und dies gegen den Trend der Südostasien-Region, in der die Armut allgemein rückläufig ist. Ein wesentlicher Grund ist das hohe Bevölkerungswachstum von etwa 2 Prozent (ca. 2 Mio. pro Jahr). Aktuellere Zahlen zur Armutsentwicklung liegen nicht vor, jedoch beklagen internationale Finanzinstitutionen, dass auch unter der neuen Regierung Aquino weite Teile der Bevölkerung vom Wachstum ausgeschlossen bleiben.
Die Armut ist in den Philippinen regional unterschiedlich verteilt, insbesondere in ländlichen Gebieten ist sie wesentlich höher als in den Städten. Die ärmste Provinz liegt im muslimischen Teil der Philippinen (Autonome Region im muslimischen Mindanao, ARMM). Die Armut dieser Region ist einer der Gründe dafür, dass die Friedensverhandlungen zwischen Regierung und muslimischen Aufständischen noch nicht zum Erfolg geführt haben.
Auch die Arbeitslosigkeit bleibt ein drängendes Problem. Die Arbeitslosenrate ist 2011 zwar leicht gesunken (6,4 Prozent geschätzt). Zu den offiziell Arbeitslosen kommen aber ca. 19 Prozent Unterbeschäftigung (Erwerbspersonen, die eine Vollzeitstelle suchen, aber nur teilzeitig beschäftigt sind), deren Anteil dürfte 2011 gestiegen sein. Außerdem verlassen über 1 Mio. Menschen jährlich das Land, um im Ausland Arbeit zu suchen – mit zunehmender Tendenz. Die Entsendung von Gastarbeitern ins Ausland hilft zwar einerseits, den heimischen Arbeitsmarkt zu entlasten und Devisen zu erwirtschaften. Sie führt andererseits aber zu einer immer ausgeprägteren Konzentration unterqualifizierter Arbeitnehmer im Inland, die sich in einem Mangel an Facharbeitern im Lande niederschlägt. Die neue Regierung versucht, dieser Entwicklung entgegen zu wirken und hat die Schaffung von Arbeitsplätzen auch für wenig qualifizierte Personen in ländlichen Regionen zu einem ihrer Schwerpunkte gemacht.
Umwelt
Das philippinische Archipel mit über 7000 Inseln ist eines der artenreichsten Ökosysteme der Welt. Bevölkerungswachstum, Siedlungsdruck und Raubbau an den natürlichen Ressourcen führen allerdings zu einer Verschlechterung des Zustands der philippinischen Umwelt. Die Regierung hat darauf mit einer Reihe relativ moderner und ambitionierter Umweltgesetze zum Schutz des Regenwalds, der maritimen Ressourcen, der Reinhaltung von Luft, Wasser und der Abfallbehandlung reagiert. Allerdings lässt die Durchsetzung der Regeln oft zu wünschen übrig.
Eine führende Rolle in Südostasien streben die Philippinen bei der Nutzung erneuerbarer Energien, im Klimaschutz und bei der Erhaltung der Biodiversität, v.a. der marinen Biodiversität, an. Schon heute sind sie der zweitgrößte Produzent geothermischer Energie nach den USA. Durch die Verabschiedung der Renewable Energy Bill im Oktober 2008 erhofft sich die Regierung den Zubau von 2500 MW auf Basis erneuerbarer Energien. Insbesondere die Schaffung von Einspeisetarifen wurde jedoch zuletzt politisch stark hinterfragt und kontrovers diskutiert.
Deutschland engagiert sich mit Mitteln der technischen und finanziellen Zusammenarbeit vor allem beim Schutz natürlicher Ressourcen, beim Aufbau kommunaler Infrastruktur (Wasser, Abfall), beim industriellen Umweltschutz, beim Schutz von Klima und Biodiversität sowie bei der Entwicklung erneuerbarer Energien.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
