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Paraguay

Bildung und Kultur

Stand: März 2017

Bildung

Die allgemeine Schulpflicht beträgt neun Jahre. Allerdings verlassen viele Schulpflichtige die Schule vorzeitig, da wirtschaftlich schlecht gestellte Familien auf einen finanziellen Beitrag ihrer heranwachsenden Kinder zum Lebensunterhalt angewiesen sind. Der prozentuale Anteil derjenigen, die einen höheren Schulabschluss erreichen, ist vergleichsweise gering, insbesondere in den ländlichen Gebieten. Mittlerweile erkennen aber immer mehr Jugendliche selbst den Zusammenhang zwischen Bildung und ihrer beruflichen Zukunft: Abendschulen, in denen in Schnellkursen der Schulabschluss oder das Abitur ('Bachillerato') nachgeholt werden können, verzeichnen regen Zulauf.

An den weiterführenden Schulen wird überwiegend Englisch als Fremdsprache unterrichtet, neben den zwei offiziellen Landessprachen Spanisch und Guaraní spielt der Fremdsprachenunterricht jedoch eine untergeordnete Rolle im Curriculum. Es ist theoretisch möglich, an staatlichen Sekundarschulen auch andere Sprachen zu erlernen (z.B. Deutsch); in der Praxis fehlt es den Schulen jedoch an den hierfür notwendigen Ressourcen. Das Erlernen weiterer Fremdsprachen bleibt somit vor allem den Schülern teurer Privatschulen vorbehalten. Da das 'Bachillerato' nicht als Befähigung zum Studium an einer wissenschaftlichen Hochschule in Deutschland anerkannt ist, bietet das Colegio Goethe in Asunción das Gemischtsprachige International Baccalaureat (GIB) an.

Neben der staatlichen Universität „Universidad Nacional de Asunción“ (UNA) mit über 50.000 Studenten und der „Universidad Católica“ gibt es eine schnell wachsende Anzahl (über 50) privater Universitäten von unterschiedlichem Ruf. Zur Qualitätssicherung im Tertiären Bildungsbereich und zur Verbesserung der Vergleichbarkeit von Studienleistungen ermöglicht es das paraguayische Bildungsministerium den Universitäten mittlerweile, ein Verfahren zur Akkreditierung einzelner Studiengänge zu durchlaufen. Das aufwändige Verfahren wurde aber bisher nur mäßig nachgefragt. Paraguayische Studienleistungen werden in Deutschland bislang nur fallweise anerkannt. Der paraguayische Abschluss der Licenciatura wird allerdings meist als Bachelor anerkannt und ermöglicht die Aufnahme eines weiterführenden Masterstudiums.

Im Frühjahr 2014 nahm die private Universität UPA (Universidad Paraguaya Alemana), eine Gemeinschaftsgründung der SRH Holding Heidelberg und des paraguayischen Industrieverbandes UIP (Unión Industrial Paraguaya), ihren nach dem Vorbild einer deutschen Fachhochschule organisierten Lehrbetrieb auf. Die Abschlüsse der UPA werden sowohl in Deutschland als auch in Paraguay anerkannt. Im Oktober 2016 begann der erste Jahrgang das vorgesehene Semester in Deutschland zu absolvieren.

Unzufriedenheit der Studenten mit dem akademischen Niveau sowie mit Korruption in der Universitätsverwaltung führte im Herbst 2015 an der Nationaluniversität zur Absetzung des Rektors, von Dekanen und anderem Hochschulpersonal. Auch im Herbst 2016 kam es zu Streiks und Demonstrationen. In der Ingenieurwissenschaftlichen Fakultät der Nationaluniversität streikten die Studenten mit 4 Monaten am längsten. Korruptionsvorwürfen gegen die Verwaltung des ehemaligen Dekans wird derzeit noch nachgegangen.

Im April und Mai 2016 führten Demonstrationen und Schulbesetzungen zum Rücktritt der Kulturministerin und zum Versprechen der Regierung, die Ausgaben für Schulen und Bildung deutlich zu erhöhen.  Größte Herausforderungen sind für das Ministerium der desolate Zustand der Infrastruktur der Schulen sowie immer wieder drohende Streiks des Lehrpersonals für bessere Gehälter.

Die mangelnde berufliche Bildung stellt ein großes Wachstumshemmnis dar. Paraguay strebt danach, seinen Industrie- und Dienstleistungssektor stärker auszubauen, um seine große Abhängigkeit vom Agrarsektor zu verringern und qualifizierte Arbeitsplätze für seine überwiegend junge Bevölkerung bereit zu stellen. Ziel der paraguayischen Regierung ist es, mit Hilfe deutscher Expertise und Beratung Ansätze für ein Berufsbildungswesen in Anlehnung an das „Duale System“ zu schaffen. Das Bundesinstitut für Berufliche Bildung unterzeichnete Ende 2016 ein Abkommen mit derparaguayischen Regierung), dessen Ziel die Stärkung der beruflichen Bildung im Lande ist.


Kultur

Das paraguayische Kulturleben entfaltet auf den Gebieten der bildenden Künste, des Films, der Literatur und der Musik, aber auch im Bereich Theater beachtliche Aktivitäten.

Besonders hervorzuheben sind das Städtische Sinfonieorchester Asunción (OSCA), dessen Dirigent Luís Szarán mit seinem Projekt "Sonidos de la Tierra" junge Menschen in ganz Paraguay an die klassische Musik heranführt und mittlerweile auch im Ausland Erfolge feiert. Außerdem hat sich Asunción in den letzten Jahren zu einem wichtigen Standort für große Pop- und Rockkonzerte entwickelt und verfügt selbst über eine interessante Musikszene.

Aufgrund der schwierigen Haushaltslage sind einer zielgerichteten staatlichen Kulturpolitik jedoch enge Grenzen gesetzt. Dies gilt auch für den Erhalt von Baudenkmälern, Museumsbeständen oder des indigenen Kulturerbes. Deshalb wird beispielsweise die deutsche Hilfe zum Kulturerhalt (u.a. Restaurierung des Glockenturms der Jesuitenreduktion in Trinidad, Restaurierung und Katalogisierung des Graphikbestandes des Musio del Barro, etc.) besonders geschätzt.

Ansonsten sind es vorwiegend private Initiativen, die gemeinsam mit Programmen aus dem Ausland ein reges kulturelles Angebot in Asunción entstehen lassen. Die kulturelle Programmarbeit des deutsch-paraguayischen Goethe-Zentrums „Instituto Cultural Paraguayo-Alemán“ (ICPA) in Asunción genießt dabei hohes Ansehen.

Das kulturelle Leben wird durch die Immigranten aus zahlreichen Ländern (u.a. Deutschland) besonders bereichert.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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