Hauptinhalt
Beziehungen zu Deutschland
Stand: März 2012
Politische Beziehungen
Das deutsch-norwegische Verhältnis ist sehr eng und freundschaftlich. Es basiert auf einer breiten Übereinstimmung zu vielen internationalen Fragen und äußert sich im gemeinsamen Vorgehen, z.B. in der Sicherheitspolitik oder auch der Umwelt- und Energiepolitik. Die Konsultationsdichte auf allen Ebenen ist hoch. Norwegen hat darüber hinaus hohe Erwartungen an Deutschland als Fürsprecher norwegischer Interessen in der EU. Die große Anteilnahme in der deutschen Öffentlichkeit nach den Terroranschlägen vom 22. Juli 2011 wurde in Norwegen dankbar registriert..
Die traditionell sehr engen Beziehungen zwischen Norwegen und Deutschland erfuhren durch die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs eine tiefe Zäsur, die sich noch lange in erheblichen psychologischen Vorbehalten gegenüber Deutschland manifestierte. Eine zentrale Rolle im Aussöhnungsprozess nach dem Krieg spielte Willy Brandt, der die Jahre um 1933 bis 1940 als Emigrant in Norwegen verbracht hatte. Bereits vor der Wiederherstellung der deutschen Einheit war Deutschland wieder einer der wichtigsten Partner Norwegens in Europa.
Mit dem Ende des Kalten Krieges und der deutschen Teilung begann eine zunehmende Orientierung norwegischer Politik auf Deutschland. Die 1999 verabschiedete und im Herbst 2007 zuletzt aktualisierte "Deutschland-Strategie" ist Ausdruck der "Wiederentdeckung des nahen Nachbarn Deutschland" mit dem Ziel, insbesondere die zwischengesellschaftlichen Beziehungen beider Länder weiter auszubauen.
Wirtschaftliche Beziehungen
Rund 80 Prozent des gesamten norwegischen Exports gehen an Mitgliedstaaten der EU. Deutschland lag 2010 auf Platz 3, nach Großbritannien und den Niederlanden. Bei den norwegischen Importen liegt Schweden traditionell an der Spitze, Deutschland folgt knapp dahinter an zweiter Stelle, danach China, Dänemark, Großbritannien und die USA.
Norwegen importierte 2011 aus Deutschland Waren in Höhe von 61,1 Mrd. NOK (Norwegische Kronen), vor allem Maschinen, Kraftfahrzeuge sowie chemische und pharmazeutische Produkte, aber auch Büroausstattung. Dies bedeutet einen Anstieg um 6,2 Prozent ggü. 2010. Der Gesamtimport von Kraftfahrzeugen nach Norwegen stieg 2011 auf fast 17 Mrd. NOK und macht derzeit knapp ein Viertel der deutschen Gesamtausfuhren nach Norwegen aus. Umgekehrt exportiert Norwegen neben Öl und Gas vor allem Fisch sowie Aluminiumprodukte für die deutsche Autoindustrie nach Deutschland und steht damit auf Platz 15 der Liste der wichtigsten Importländer für Deutschland (Warenwert 2011: 12,4 Mrd Euro; +10% ggü. 2010).
Öl- und Gasexporte
Der Anteil von Öl, Gas und Kondensaten am norwegischen Gesamtexport bewegte sich in den letzten Jahrzehnten zwischen 30 und 50 Prozent; zurzeit liegt er bei etwa 46 Prozent. Deutschland gehört zu den wichtigsten Zielländern des norwegischen Öl- und Gasexports.
Rohöl ist Norwegens wichtigste Exportware und machte 2011 mit circa 325 Mrd NOK mehr als 20 Prozent des gesamten Exportwertes aus. Größter Abnehmer ist Großbritannien, danach folgen die Niederlande, Frankreich und Deutschland.
2011 stiegen die Einnahmen für Erdgas von 166 Mrd. auf 191 Mrd. NOK. Größter Abnehmer ist hier Deutschland mit einem Abnahmevolumen von 28 Mrd. m³ (54,3 Mrd. NOK). Großbritannien (17,2 Mrd. m³) und Frankreich folgen an zweiter und dritter Stelle. In der Rangfolge der für Deutschland wichtigsten Lieferländer von Erdgas lag Norwegen 2010 mit einem Anteil von 36 Prozent auf Rang 2 nach Russland (39%) und vor dem Vereinigten Königreich.
Tourismus
Norwegen ist traditionell ein sehr beliebtes Reiseziel für deutsche Urlauber. Sie stellen vor Dänen, Schweden, Niederländern und Briten die größte Gruppe ausländischer Touristen in Norwegen. 2010 wurden circa 1,66 Millionen Übernachtungen deutscher Gäste (21% aller Übernachtungen ausländischer Touristen) in Norwegen gezählt.
Kulturelle Beziehungen
Die Beziehungen der Nachkriegszeit waren zunächst vom erfolgreichen Versöhnungswerk geprägt. Heute steht einer wachsenden Zahl deutscher Studenten in Norwegen eine sinkende Anzahl norwegischer Studenten in Deutschland gegenüber.
Die Zahl der norwegischen Schüler, die Deutsch lernen, ist in den letzten Jahren stark gesunken und stagniert auf niedrigem Niveau. Die Germanistik-Institute an den norwegischen Universitäten wurden mit den anderen Fremdsprachenabteilungen zusammengelegt.
Das bilaterale Abkommen zur Umwandlung der Deutschen Schule Oslo – Max Tau (DSO) in eine norwegische Begegnungsschule ist am 19. Juli 2011 in Kraft getreten. An der DSO kann neben dem deutschen internationalen Abitur auch die norwegische Hochschulzugangsberechtigung erworben werden.
Im Rahmen des Deutsch-Norwegischen Jugendforums (DNJF) haben seit 2007 jedes Jahr rund 100 Jugendliche aus beiden Ländern die Gelegenheit, das jeweils andere Land durch gemeinsame Projekte kennenzulernen. Das Forum wurde anlässlich des Besuchs des norwegischen Königspaares im Oktober 2007 von Königin Sonja in Essen eröffnet. Das 5. DNJF fand im September 2011 in Düsseldorf statt. Nähere Informationen bietet die Internetseite Externer Link, öffnet in neuem Fensterwww.dnjf.org.
Der Förderung der kulturellen und politischen Beziehungen soll auch die im Jahr 2000 gegründete norwegisch-deutsche Willy-Brandt-Stiftung dienen. Die Stiftung verleiht jährlich den Willy-Brandt-Preis für Verdienste um die bilateralen Beziehungen. Im Jahr 2011 wurden die norwegische Journalistin Therese Björneboe und der deutsche Polar-Wissenschaftler Prof. Dr. Jörn Thiede mit dem Preis ausgezeichnet.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
